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#100 "Memory of Red" (2004)

Der Experimentalfilm hat in Japan eine lange Tradition. Besonders im Animationsbereich haben sich kreative Köpfe schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts ausprobiert. Nobuhiro Aihara, 1944 in Kanagawa geboren, belebte ab Mitte der 60er-Jahre die Szene. Als Mitglied von Studio Zero ("Doraemon" 1973) und Oh! Production ("Devilman: The Birth" 1987) war er zunächst für das Fernsehen tätig und machte sich dann selbstständig. 85 Filme entstanden bis zu seinem Tod im Jahr 2011.

"Memory of Red" von 2004 ist ein klassisches Beispiel für Aiharas unverkennlichen Stil. Fließende Linien, psychedelische Farben und komplexe Strukturen. Dazu ein Interesse an naturalistischen Motiven, wie zum Beispiel Tiere oder Körperteile, die wie unter dem Mikroskop dekonstruiert und neu zusammengesetzt werden. Dabei entsteht ein halluzinatorischer Effekt, der an die Werke seines berühmten Künstler-Freundes Keeichi Tanaami erinnert.

Im Vergleich zu vielen anderen Filmen von Aihara, kommt "Memory of Red" noch recht geordnet daher. Die moderne Musik ist zwar etwas seltsam, passt aber gut zu der Animation und lenkt nicht zu stark vom gezeigten Inhalt ab. Typisch sind die expandierenden und pulsierenden Bewegungen, die von einem realen bzw. bekannten Gegenstand übergehen in eine zeichnerische Abstraktion. Oftmals greift Aihara auch auf Fotografien oder Projektionen zurück (z.B. "Stone" 1975).

Auf Grund seiner zahmen, aber dennoch beeindrucken Ästhetik eignet sich der Kurzfilm sehr gut als Einstieg in Aiharas Gesamtwerk. Der ehemalige Professor an der Kyoto University of Art and Design beeinflusste zahlreiche Künstler, u.a. Takashi Ito ("Thunder" 1982), und prägte über viel Jahrzehnte hinweg den experimentellen Animationsfilm.

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