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#110 "Human" (1962)

Das Nachkriegskino von Kaneto Shindo ist geprägt von starken Frauenfiguren, Pazifismus und Melancholie. Der Mensch muss die Herausforderungen des Lebens meistern, ohne auf die schmerzhafte Vergangenheit zurückzuschauen. Hoffnung und Verzweiflung wechseln sich dabei immer ab. Die Themen seiner Werke basieren oft auf persönlichen Traumata wie dem finanziellen Abstieg seiner Familie, dem frühen Tod der Mutter und dem daraus resultierenden lebenslangen Streben nach einem zu Hause.

Weniger radikal als die Japanese New Wave, aber auch nicht so nostalgisch wie Ozu und Kurosawa, kreieren die sozialistisch geprägten Filme Shindos einen Durchhalteappell an eine ganze Nation.

In "Human" aus dem Jahr 1962 verschlägt es seine Hauptprotagonisten auf ein in Seenot geratenes Schiff. Ohne Navigation und Motor sind sie den Gezeiten schutzlos ausgeliefert. Mit zur Neige gehender Rationierung bilden sich an Bord zwei Lager. Kapitän Kamegoro (Taiji Tonoyama) und sein Enkel Sankichi (Kei Yamamoto) ziehen sich in den oberen Teil des Schiffes zurück, während die anderen beiden Crewmitglieder, Hachizo (Kei Sato) und Gorosuke (Nobuko Otowa), im Laderaum ihr Quartier aufschlagen. Hunger und Mistrauen lassen die Situation letztendlich eskalieren.

Shindo, der als Drehbuchautor für das Filmstudio Shochiku lange auf seine Chance als Regisseur warten musste, gründet 1950 die Produktionsfirma "Kindai Eiga Kyokai", wo er zusammen mit einem festen Ensemble an Schauspielern, bestehend unter anderem aus Taiji Tonoyama und Shindos Ehefrau Nobuko Otowa, mehr als 40 Filme realisiert.


Naturmetaphern als Repräsentation der Charaktere, Verwendung von Doku-Material und das Drehen an Originalschauplätzen finden sich auch in "Human" und sind Zeichen des Loslösens von Shindos altem Lehrmeister Kenji Mizoguchi. Durch die Verwendung symbolischer Elemente erzeugt der junge Filmemacher einen neuen Realismus, der sich handwerklich an den Montagetechniken von Sergej Eisenstein und Orson Welles orientiert.

Ähnlich wie im preisgekrönten "Naked Island" (1960) und "Lucky Dragon No. 5" (1959) spielt die See eine entscheidende Rolle als Bühne auf der sich das menschliche Drama abspielt. In diesem Fall tritt der Überlebenskampf besonders drastisch und ungeschönt in den Vordergrund. Shindo erzählt die Geschichte ohne Umschweife, aber in gemäßigtem Tempo. Gleich zu Beginn ereignet sich das Unglück, welches im weiteren Verlauf den Glauben an die Menschheit selbst in Frage stellen soll.

Aufwendige Kameraarbeit und der Einsatz trickreicher Effekte lassen die Mischung aus Kammerspiel und Moralität nicht langatmig wirken und sind beeindruckendes Beispiel für maximale Wirkung bei minimalem Budget. Etwas aus den Fugen gerät der Film beim Soundtrack, der leider an vielen Stellen deplatziert wirkt und auch die melodramatische Liebesgeschichte zwischen Hachizo und Gorosuke findet zum Ende hin nicht den richtigen Ausgang.

Abseits der bekannteren Festivalgewinner "Onibaba" (1964) und "Kuroneko" (1968) ist "Human" ein sehenswerter Eintrag in der Filmographie von Kaneto Shindo, der 2012 kurz nach seinem 100. Geburtstag verstarb.

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