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#56 "Mayonaka Made" (1999)

"Mayonaka Made"

aka

"Round About Midnight"

Es ist kurz nach 22 Uhr in Tokyo. Der Trompeter Koji unterbricht sein Set für eine 1,5 stündige Pause und verdrückt sich auf das Dach des Jazzclubs. In unmittelbarer Nähe kommt es in einem Parkhaus zu einer Geldübergabe, und anschließend zu einem Mord. Zeuge des Mordes ist Linda. Ihr Mann, Buchmacher eines Nachtclubbesitzers wurde Opfer der eigenen Leuten als er deren dunkle Machenschaften aufdecken wollte. Linda wird verfolgt und wird per Zufall von Koji gerettet.

Für Koji nimmt der Abend von nun an eine andere Wendung. Auch er gerät ins Fadenkreuz der Gangster und muss mit Linda zusammen fliehen.

Doch für ihn tickt die Uhr. Um 0:00 Uhr bietet sich im Jazzclub die Chance seines Lebens. Denn ein berühmter amerikanischer Jazz-Musiker hat sich angekündigt und sucht nach neuen Talenten, die er mit nach Amerika holt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

"Mayonaka Made" ist ein kleines Juwel. Mutig und mit innovativen Kamerafahrten des mehrfach ausgezeichneten Kameramannes Noboru Shinoda (bekannte Arbeiten vor allem in Zusammenarbeit mit Regisseur Shunji Iwai ("Love Letter", "Hannah und Alice", "Yentown") entfaltet sich ein spannender Krimi. Durchzogen ist der Film von Zitaten und Hommagen an den Jazz. Dies beginnt bereits beim Titel, der sich auf das gleichnahmige Lied von Miles Davis bezieht.

Man merkt, dass Regisseur Makoto Wada für die Musik lebt. Wada, ursprünglich Illustrator (u.a. für die Werke von Haruki Murakami ), hat nämlich selbst ein Jazz Album aufgenommen. Die Leidenschaft für die Musik vermischt er, ähnlich wie Haruki Murakami, mit seiner Vorliebe für Kriminalgeschichten. So entsteht ein schummriger Neo-Noir Film, der in Echtzeit (!), die 1,5 Stunden zwichen den beiden Auftritten von Koji erzählt.


Besonders stimmungsvoll ergänzen sich Musik und Bild. Tokyo bei Nacht und Jazz sind einfach füreinander bestimmt. Dazu kommt noch die anrüchige Atmosphäre der kriminellen Unterwelt, die aber nie wirklich bedrohlich ist. Denn hier und da baut Wada komödiantische Elemente mit ein, die den ganzen Film eher wie einen lauen Sommernachtstraum wirken lassen.

Die Hauptrollen werden gespielt von Hiroyuki Sanada, der aus aktuellen westlichen Produktionen wie Avengers Infinity War und den Serien Westworld und Lost bekannt ist und von Michelle Reis, die ihren Durchbruch 1995 mit Fallen Angels hatte. Reis, die keine gebürtige Japanerin ist, spielt mit ihrer Rolle Linda dementsprechend auch eine Ausländerin (vermutlich Chinesin), die im gebrochenem Japanisch spricht. Hier thematisiert der Film auch die Ausbeutung von ausländischen Frauen in Japan. Linda arbeitet nämlich in einem Nachtclub, der die ausländischen Frauen nicht angemessen bezahlt.

Daneben gibt es noch eine Reihe von großen Namen, die ihre Rolle im Film bekommen. So wird einer der Bösewichte von Schauspieler-Legende Jun Kunimura ("Ichi the Killer", "Kill Bill", "Black Rain" etc.) gespielt. An seiner Seite findet sich Ittoku Kishibe, den man auch in "Survive Style 5+" sieht. In einer weiteren Mini-Rolle spielt Shinobu Otake ("Unsere kleine Schwester", "The Incident"). So entsteht eine Vertrautheit mit den Figuren, da man viele Gesichter wiedererkennt und gewisse Deja-Vu Momente durchlebt.

Schauspielerische Leistung, Musik und insbesondere die Kamera führen zu einem tollen Filmerlebnis. Ein cooler Film, der trotz der großen Namen nicht den Erfolg einbrachte, den er verdient hätte. "Mayonaka Made" ist der bislang letzte Spielfilm von Makoto wada, der sich danach mehr auf Videospiele konzentrierte und Spiele wie "Mario Kart DS" mitproduzierte.

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