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#99 "Ni Tsutsumarete" (1992)

"Ni Tsutsumarete"

aka

"Embracing"


Naomi Kawase ist sicher eine der weiblichen Filmpioniere Japans. Oszillierend zwischen Dokumentar- und Spielfilm, Arthouse und Mainstream vermitteln ihre Filme eine melancholische und zutiefst persönliche Sicht auf das Leben.

"Kirschblüten und rote Bohnenpaste" (2015) machte sie einem breiten internationalen Publikum bekannt. Dieses Jahr hätte Naomi Kawase eigentlich im Auftrag japanischen Regierung die Olympischen Spiele in Tokyo dokumentieren sollen und wäre damit in die Fußstapfen von Kon Ichikwa ("Olympiad" 1965) getreten. Das Projekt ist nun auf 2021 verschoben und gibt Anlass sich das Erstlingswerk der Filmemacherin näher anzuschauen.

Mit der autobiografischen Doku "Embracing" legt Kawase 1992 den Grundstein für ihre Karriere. Von den Eltern in jungen Jahren ausgesetzt, sucht die Filmemacherin im Alter von 23 Jahren ihren leiblichen Vater. Der Essayfilm ist eine Spurensuche. Kawase verfolgt den ihr unbekannten Mann, durchforstet Melderegister, fährt zu Adressen und erfasst alles mit der Handkamera. Die fundamentale Frage nach der eigenen Identität und Existenz treibt sie dabei an.

Man erfährt viel aus Kawases Kindheit. Fotografien und Detailaufnahmen formen ein Konglomerat an Erinnerungen, die beim Zuschauer ein Gefühl von Intimität erzeugen. Die einzelnen Puzzleteile müssen assoziiert und vom Publikum angeeignet werden.

Zweifel an dem Vorhaben hegt Uno, die zusammen mit ihrem verstorbenen Mann das junge Mädchen aufgezogen hat. Sie versteht die Motive Kawases nicht, kann sie aber ultimativ nicht von einem Treffen mit dem Vater abhalten. Die enge Beziehung zwischen Uno und Naomi wird in drei weiteren Dokumentationen ("Katatsumori" 1994, "See Heaven" 1995, "Sun on the Horizon" 1996), die als "Grandma"-Trilogie bekannt sind, durchleuchtet und sind ein einzigartiges Zeugnis vom Leben und dem Tod sowie der Naturverbundenheit des Menschen. Nostalgie und das generationenübergreifende Gemeinschaftsgefühl sind Themen, die Kawase aufgreift und auch in ihren Spielfilmen ("Suzaku" 1997, "The Mourning Forest" 2007) eine große Rolle spielen.


Neben den ausdrucksstarken Gesichtsaufnahmen, die Kawases Verzweiflung und Ringen mit der Vergangenheit verdeutlichen, ist das Highlight des Films das Telefonat mit dem Vater am Ende der Recherche. Weil dabei nur das aufgenommene Gespräch zu hören ist, fokussiert sich alles auf die Worte. Erst danach gibt "Embracing" durch kurze Einblendung Zeugnis von dem Wiedersehen zwischen Vater und Tochter. Der erste Schritt scheint gemacht.

2001 verarbeitet die Filmemacherin in der Doku "Sky, Wind, Fire, Water, Earth" den Tod des Vaters, der bei ihr erneut das Gefühl der Einsamkeit hervorbringt, und sie zurückwirft auf das Verlassenwerden durch die Eltern.

"Embracing" ist ein Seelenstriptease, wie man ihn selten gesehen hat. Ohne Ausnahme öffnet sich Kawase der Kamera und lässt uns schonungslos teilhaben an ihrem Leben. Mit dokumentarischer Kaltschnäuzigkeit und poetischer Bildsprache entsteht beim Zuschauer die Vorstellung von einer Frau, die trotz all der Zweifel ihren Weg geht. Die Kamera als Medium der Vermittlung und stummer Therapeut haben bestimmt ihren Teil dazu beigetragen.

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