#61 „Fune wo Amu“ (2013)

„Fune wo Amu“

aka

„The Great Passage“.

Das bedingungsloser Arbeitsethos in Japan zum guten Ton gehört ist ja hinlänglich bekannt. Die japanische Filmindustrie trägt ihren Teil dazu bei, indem sie diesen Stereotyp immer wieder reproduziert. FUNE WO AMU handelt von einer Person, die sich  für den Job aufopfert. Beruf und Berufung liegen da nah beieinander.

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Regisseur Yuya Ishii machte zuletzt auf der Berlinale 2017 mit The Tokyo Night Sky is Always the Densest Shade of Blue auf sich aufmerksam. Ishii’s Durchbruch gelang aber schon 2013 als sein Film FUNE WO AMU gleich sechs Japanese Academy Awards gewann. Unter anderem in den Kategorien „Bester Film“, „Bester Regisseur“ und „Bestes Drehbuch“.

In dem hochgelobten Film geht es um den schüchternen MAJIME, dessen Name übersetzt „fleißig“ bedeutet und seinen Charakter bestens beschreibt. Er arbeitet im einem Verlag und wird von der Verkaufsabteilung in die Wörterbuchabteilung versetzt. Dort soll er bei der Erstellung des neuen, allumfassenden Wörterbuches, „Daitokai“ bzw. „The Great Passage“, helfen.

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Die Arbeit in der neuen Abteilung kommt MAJIMES Wesen entgegen. Schnell steigt er auf und seine soziale Inkompetenz, die zunächst als Hook für eine romantische Komödie dient, verschwindet mit dem beruflichen Erfolg.

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Die bisher vom Verlag stiefmütterlich behandelte Abteilung wächst und ist über 15 Jahre mit dem Zusammentragen und dem Definieren von Wörtern beschäftigt. Dabei wechseln die Teammitglieder kontinuierlich und die Entwicklungen geschehen für den Zuschauer etwas zu schnell.

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Dem Wunsch nach einer entschleunigten Erzählweise kam man 2016 mit einer 11-teiligen Animationsserie nach, die vom Studio Zexcs produziert wurde. Die Serie füllt die Zeitsprünge mit mehr Inhalt, so dass Charakterentwicklung und Erzählung sauberer ineinandergehen.

Eine (kleine) Schwäche des Films ist nämlich die fehlende Emotionalität. Da der Film zu viel vermitteln will, gelingt ihm Manches nur in Teilen. Durch eine hohe Frequenz an wechselnden Nebendarstellern fällt es schwer eine tiefere Verbindung aufzubauen.

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Emotionale Höhepunkte wie zum Beispiel der Tod eines Arbeitskollegen oder MAJIMES Liebesbeziehung dringen so nicht hunderprozentig bis zum Zuschauer durch und wirken stellenweise etwas dumpf. Die Absicht eines Ensemblefilms gelingt FUNE WO AMU daher nicht.

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Was dafür umso besser vermittelt wird, ist der Einblick in eine Branche, die zuerst einmal langweilig und trocken wirkt. Die zu Beginn genannte Einstellung der Japaner zur Arbeit, das Prinzip der harten Arbeit und der extremen Geduld, stehen im Vordergrund des gesamten Films.

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Das Büro wird zum zu Hause. Die Charakterdarstellung MAJIMES ist hier wiederum sehr eindringlich und überzeugend. Gespielt von Ryûhei Matsuda, bekannt aus „Blue Spring“, „Nightmare Detective“ und gerade im Kino zu sehen in einer Mini-Sprechrolle in Wes Andersons Isle of Dogs, sieht as Publikum einen kühlen, fokussierten Sonderling.

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FUNE WO AMU ist, trotz einiger Lücken, ein sehr unterhaltsames, typisch japanisches Drama. Das Lob der japanischen Filmkritik ist nicht nur in Hinblick auf die präsentierten Werte nachvollziehbar. Auch stilistisch liefert Yuya Ishii ein tadelloses Werk ab, das den Zuschauer nicht loslässt. Darüberhinaus zeigt der Film eine Lebenseinstellung, die viele Japaner verinnerlicht haben. Für Außenstehende ermöglicht FUNE WO AMU dadurch Einblicke in Teile der japanischen Gesellschaft, die oft mit negativen Vorurteilen belegt sind und zeigt sie von einer anderen Seite.