#46 „Kichiku“ (1978)

„Kichiku“

aka

„The Demon“.

Eine Mutter steht vom Tisch auf und geht mit ihren drei Kindern zum Bahnhof. Sie fahren zu ihrem Vater. Die Kinder, nicht wissend wohin die Reise geht, sehen ihn zum ersten Mal.

Sieben Jahre lang hat er die Familie unterstützt, lebte aber mit einer anderen Frau in einer anderen Stadt. Die neue Frau wusste von der Zweitfamilie nichts und der Schock ist groß als die drei Kinder und die fremde Frau in der Tür stehen.

Der Grund für den plötzlichen Besuch ist das liebe Geld. Die Unterstützung des Vaters reicht nicht mehr zum Leben und deshalb liefert sie die Drei jetzt bei ihm ab.

Nach einer turbulenten Nacht verschwindet die Mutter und lässt den Vater mit seiner Frau und den drei Kindern allein zurück.

Der Beginn eines hitchcocktesquen Dramas. Denn die Frau, die zudem an der Vaterschaft zweifelt, reagiert allergisch auf die Kinder und ist (verständlicherweise) voller Wut auf ihren Mann. Der Mann nimmt sich daher zurück und ergibt sich ohne große Klagen in die neue Situation.

Die Frau lässt ihren Frust aber an den Kinder aus und sehr schnell bangt man als Zuseher um das Wohl der Kleinen. Als plötzlich der Jüngste, noch im Babyalter, eine Stoffwechselerkrankung bekommt und kurz darauf stirbt, steht die Vermutung im Raum, dass die Frau absichtlich das Kind getötet habe.

Das Unaussprechliche nimmt nun seinen Lauf. Im Weiteren entledigen sich die frischgebackenen Eltern der Zöglinge und setzen zuerst die Tochter in der Großstadt aus und werfen schließlich den Ältesten die Klippen hinunter ins Meer.

Die Kaltblütigkeit des Vaters, die, zwar begründet in der Unmöglichkeit die Kinder großzuziehen, aber extrem überzogen ist, bildet sich im Verlauf des Films immer stärker aus und übertrifft die Bösartigkeit seiner Frau gegen Ende des Films.

Die Erkenntnis des Vaters, dass er das Falsche tut und es aber trotzdem macht, tragen zur Schwere seiner Schuld bei.

Auf perfide Art und Weise nutzt der Film die Schutzlosigkeit der Kinder und das Vertrauen, das sie zu Erwachsenen haben, um  die dunkle Seite des Menschen zu zeigen.

Dabei überdramatisiert der Regisseur nicht. Bis zur Hälfte des Films könnte er noch die Wendung hin zu einer Komödie nehmen. Doch bevor man es merkt, ist man schon mitten drin in einer bitterbösen Tragödie, die an Spannung kaum zu überbieten ist.

Als Zuschauer beginnt man mit zu fiebern. Wie weit gehen die Eltern? Werden die Kinder gerettet und die Schuldigen bestraft? Doch der eigentliche  Horror ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern. Das Finale offenbart die Treue und auch das Ausgeliefertsein von jungen Erwachsenen, die nicht verstehen können (oder wollen!) warum ihnen die Eltern Böses antun.

Damit trifft der Film genau in die Psyche des Zuschauers und weckt starke Emotionen. KICHIKU überschreitet Grenzen, schockiert und lässt einen mit einem ganz unguten Gefühl zurück.

 

Intro (mit der schaurig schönen Titelmelodie)