#34 „The Birth of Saké“ (2015)

Das Handwerk des Sake – Brauens verliert im Zuge der Massenproduktion zunehmend an Bedeutung. Der Mensch wird durch Maschinen ersetzt, Kosten und Zeit werden eingespart. Gab es zu Beginn des 20. Jahrhundert noch über 4000 Brauerei, schrumpfte die Zahl zu Beginn des 21. Jahrhundert auf knapp 1000 zusammen. Dies liegt auch daran, dass westliche Getränke wie Bier und Whisky in Japan immer beliebter werden.

Doch unter den 1000 übrig gebliebenen Sake – Brauereien gibt es noch einige, die die Handwerkskunst hochhalten. Die Dokumentation stellt die Yoshida Brauerei im Norden Japans vor, in der man sich von Oktober bis April voll und ganz dem Sake verpflichtet. Für diesen Zeitraum leben 10 Männer in der Brauerei, getrennt von ihren Familien, um Tag und Nacht aus Reis, in einem langwierigen und körperlich anstrengenden Prozess, Alkohol zu gewinnen.

Wäre dies ein Kloster, dann wäre Teruyuki Yamamoto der Hohepriester. Mit 68 Jahren braut er in der 53. Saison Sake. Er ist der sogenannte „Toji“, der Oberbraumeister. Mittlerweile bildet er seinen Nachfolger aus. Yachan Yoshida, 28, ist der Sohn des Brauerreibesitzers und sollte ursprünglich die Geschäfte der Brauerei weiterführen. Doch da er seine Kindheit zwischen den Brauereikesseln verbrachte und ihn die Arbeit von Teruyuki von klein auf faszinierte, wird er eines Tages der neue Toji sein. Yachan kümmert sich auch um das Marketing der Firma, verbreitet in der braufreien Zeit den guten Ruf der Firma im Ausland, gibt Sakeverkostungen und leitet den Vertrieb.

Doch die Firma scheint zu kämpfen. Zwar ist der Sake im Ausland so beliebt wie noch nie, aber die jungen, japanischen Kunden verlangen nach einem anderen, milderen Sake. Die meisten großen Brauereien passen sich dieser Nachfrage an und produzieren einen Reiswein, den man gut und schnell trinken kann. Die Yoshida Brauerei versucht diesem Trend ein wenig entgegenzuwirken, indem sie ein kräftigeres Aroma in ihrem Sake beibehält. Sie richten sich damit eher an ältere Kunden, die diesen Geschmack noch von früher gewohnt sind. Stellt sich die Frage ob sich die Firma nicht anpassen muss, wenn sie eine Zukunft haben will.

Regisseur Erik Shirai, der das Projekt über Onlinespenden finanziert hat, bleibt in seinen Bildern nahe an den Personen und am Sake. Zeitlupen, Großaufnahmen und immer wieder Zwischenbilder der Schneeflocken, die draußen wie Reiskörner durch die Luft wirbeln. Ein stiller Film, der die Aufopferung für den Beruf zeigt, aber auch das Thema der Vaterfiguren behandelt.

Denn ähnlich wie in Jiro Dreams of Sushi gibt es eine Lehrer – Schüler Konstellation. Der Oberbraumeister Teruyuki, dessen Sohn ebenfalls in der Brauerei arbeitet, und der Sohn des Brauereibesitzers, Yachan, haben ein besonderes Verhältnis. Yachan wird in Zukunft die Aufgaben des Oberbraumeister übernehmen und muss dessen Erwartungen gerecht werden. Dabei wird die Arbeit seines Vorgängers immer als Maßstab dienen, an dem er gemessen werden wird. Gleichzeitig bemüht er sich den finanziellen Part seines Vaters auszufüllen und zu erlernen. Dieser hatte sich ursprünglich erhofft, dass sein Sohn sich ausschließlich um die Geschäfte kümmert. Dennoch scheint der Vater zufrieden zu sein und ist stolz auf die Berufung seines Sohnes, auch weil er sich besonders intensiv um das Marketing der Firma kümmert.

Was durch diese Generationenfrage in den Hintergrund gerät ist die Geschichte des Sake. Der Film erzählt keine Historie über die Entstehung und den rituellen Gebrauch des Sake. Dafür liefert er eine detaillierte Beschreibung des traditionellen Herstellungsprozesses wie es ihn schon seit 2000 Jahren gibt und stellt den momentan Beliebtheitsgrad des Getränks und seine Zukunftschancen in Aussicht. Dabei geht es, wie so oft, um die Frage, ob sich Traditionen mit der Moderne vereinen lassen.