#29 „Inugami – ke no ichizoku“ (1976)

Inugami – ke no ichizoku“

aka

„The Inugamis“.

Eine Erbschaft. Fünf Morde. Ein verlorener Sohn.

Privatdetektiv KINDAICHI KOSUKE steht vor dem Rätsel der ungelösten Morde und einer undurchsichtigen Familiensituation.

Es ist das Jahr 1949. Das Familienoberhaupt der Inugamis, SAHEI INUGAMI, stirbt im hohen Alter. Als Gründer eines Pharmaziekonzerns hat er im Ersten und Zweiten Weltkrieg ein großes Vermögen angehäuft. Dementsprechend groß sind die Erwartungen der Erben bei der Verlesung des Testaments.

Doch zuvor müssen alle Erben im Familiensitz anwesend sein und SUKEKIYO, ein Enkel des Verstorbenen, ist bisher noch nicht aus dem Krieg zurückgekehrt und gilt als verschollen.

Seine Mutter findet ihn schließlich und kehrt mit dem entstellten Sohn zurück, der auf Grund einer Verletzung im Gesicht eine Maske tragen muss.

Das Testament birgt eine Überraschung. Das gesamte Erbe soll an TAMAYO gehen. Sie ist keine direkte Nachfahrin des Verstorbenen, sondern lediglich vom Kindesalter an in der Familie aufgewachsen. Sie muss einen der drei Enkel, SUKEKIYO, SUKETAKE oder SUKETOMO ehelichen, um das Erbe zu bekommen. Vom ersten Schock erholt, versuchen die Mütter Tamayo von ihren jeweiligen Söhnen zu überzeugen.

Überschattet wird das Gebuhle um die Erbschaft von einer Reihe an Morden, die zuerst außerhalb der Familie und schließlich innerhalb der Familie passieren. Die Erb – Anwärter segnen nacheinander das Zeitliche und es beginnt ein Wettlauf zwischen Polizei und Mörder.

Im Verlauf der Ermittlungen steht auch die wahre Identität vom entstellten Sukekiyo in Frage. Die Zweifel an einem Doppelgänger und einem falschen Spiel werden größer.

INUGAMI – KE NO ICHIZOKU wurde 1976 gedreht, basiert aber auf dem Roman von Seishi Yokomizo aus dem Jahr 1950. Seishi entwickelte damals die Figur des Privatdetektivs Kindaichi, die als Vorlage für mehrere Filme diente. Regisseur Kon Ichikawa verfilmte den Stoff gleich zweimal. Nach dem Debut 1976 folgte 2006 ein Remake.

Dabei ist der Stoff auf den ersten Blick keine typische Vorlage für einen Ichikawa – Film. Die japanische Version eines Agatha Christie Films mit abstrusen Familienkonstellationen und unheimlichen Elementen, sowie der Detektiv, der am Ende kongenial die einzelnen Puzzleteile zusammenfügt, wirken ein wenig wie ein billiger Schundroman.

Schaut man aber etwas genauer auf Ichikawas Werke so sieht man, dass er gerne zwischen den Genres wechselt und ein breites Spektrum an Filmen gedreht hat. Im Ausland ist er eher für seine Anti – Kriegsfilme (z.B. Nobi oder Die Harfe von Burma) und die Dokumentation über Olympia (Olympiad) bekannt. In Japan selbst hatte er aber mit INUGAMI – KE NO ICHIZOKU den größten Erfolg. Bei einer Schaffensphase, die fast 90 Filme umfasst, schon ein Statement. Überraschend, da der Film einige experimentelle Momente hat und unerwartet explizite Gewaltszenen beinhaltet.

Etwas sperrig sind leider die vielen Charaktere, die schwer zu unterscheiden sind. Hinzu kommt die verworrene Familiengeschichte, die eine hohe Aufmerksamkeit vom Zuschauer abverlangt. Jedoch wird am Ende alles verständlich aufgeklärt und die zeitweiligen Aussetzer schaden der Spannung nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen japanischen Dramen bleibt hier der Spannungsbogen über die volle Laufzeit von zwei Stunden aufrecht.