#42 „Rajio no jikan“ (1997)

„Rajio no jikan“

aka

„Welcome Back, Mr. McDonald“

aka

„Radio-Zeit“.

Es ist 19:30 Uhr in einer Radiostation. Gerade sind die Proben für ein Live-Hörspiel, welches um 00:00 Uhr auf Sendung geht, zu Ende gegangen. Vorgetragen wird das Gewinnerstück eines Wettbewerbes. Die Autorin ist ebenfalls vor Ort und ganz aufgeregt, da sie auf ihren Durchbruch hofft.

Nachdem das komplette Stück einmal durchgesprochen wurde sind alle Beteiligten sehr zufrieden. Alle Beteiligten? Nein, nicht alle. Die Sprecherin der weiblichen Hauptrolle, Nokko, ist mit ihrer Rolle unzufrieden und fordert Änderungen.

Damit löst sie eine Lawine aus und was zunächst wie ein großer Erfolg aussieht läuft Gefahr ein totales Desaster zu werden. Denn die Zeit bis zur Live-Sendung wird immer knapper…

Auf fesselnde Art und Weise schafft Regisseur Kôki Mitani eine intelligente Komödie. Die Dosis zwischen Spannung und Humor ist genau austariert und verhindert das eines der beiden Genres die Überhand gewinnt. Viel mehr befeuern sich beide Seite. Die Albernheiten sind genau an den richtigen Stellen eingestreut und lassen die Handlung nicht ins Absurde driften. Die dramatischen Sequenzen werden aber auch nicht überdramatisiert, sondern dem Film geling es die dramatischen Spitzen durch Witz abzurunden. Die Schärfe und Ernsthaftigkeit der tatsächlichen Situation, die sich fast auschließlich in einem Raum abspielt, wird aufgelockert.

Dem Erstlingswerk von Mitani merkt man seine Theater-Herkunft an. Mitani benutzt lange, aufwendige Sequenzen mit Auf- und Abtritten der Schauspieler. Die Dynamik der Kamerafahrten bringt eine Natürlichkeit mit sich, die gleich von Beginn an die Stimmung des Films festlegt. Es ist klar, dass alle Personen unter Stress stehen. Trotzdem überträgt sich dieser Stress nicht auf den Zuschauer. Viel mehr fiebert er mit und wundert sich über die Problemlösungen.

Die Mischung aus Drama und Humor erzeugen eine Atmosphäre wie sie auch in vielen Komödie von Jûzô Itami zu finden ist (Tampopo / Supa no Onna etc.). Itami starb einen Monat nach der Veröffentlichung von RAJIO NO JIKAN, in dem es einige Gastauftritte von Schauspielern gibt, die zu seinem festen Ensemble gehörten (z.B. Ken Watanabe und Itamis Ehefrau Noboku Miyamoto). Der Film trägt daher sicherlich auch sein Erbe in sich.

RAJIO NO JIKAN kann sich mit Itamis Filmen messen und bringt frischen Wind in ein Genre welches in Japan oft den Balanceakt zwischen Albernheit und ernsthafter Aussage nicht hinbekommt. Ein Film, den man sich gerne mehrmals ansieht.