#89 „Kaze no Uta o Kike“ (1981)

„Kaze no Uta o Kike“

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„Hear The Wind Sing“

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„Wenn der Wind singt“

Haruki Murakami zählt zu den beliebtesten und einflussreichsten Buchautoren seiner Generation. 1979 erscheint Murakamis erster Roman „Hear the Wind Sing“ über einen Studenten, der in den Semesterferien aus Tokyo zurück nach Kobe kommt, und dort einen alten Schulfreund namens Ratte und ein mysteriöses Mädchen trifft. Kazuki Omori verfilmt 1981 den Stoff mit Kaoru Kobayashi („Midnight Diner“ 2014) in der Rolle des namenlosen Ich-Erzählers, Masato Furuoya („All Under the Moon“ 1993) als Ratte und Kimie Shingyoji („Eureka“ 2000) als weibliche Hauptdarstellerin.

Regisseur Omori, später verantwortlich  für die Godzilla-Filme „Godzilla vs. Biollante“ (1989) und „Godzilla – Duell der Megasaurier“ (1991) ließ den Film von der berüchtigten Theatre Art Guild produzierten. Eine Produktionsfirma, die besonders in den 60er- und 70er-Jahren mit Filmen wie Oshimas „Death by Hanging“ (1968) und Matsumotos „Funeral Parade of Roses“ (1969) einige der wichtigsten Filme des japanischen Kinos hervorgebracht hat.

Murakami distanzierte sich lange Zeit von seinem Erstlingswerk und verhinderte Publikationen in anderen Ländern bis es schließlich 2015 auch in Deutschland erschien. Der Film übernimmt in Teilen die Schwächen des Buches. Omori kann man das aber nicht zum Vorwurf machen, da die Vorlage schon sehr schwierig zu verfilmen ist. „Hear the Wind Sing“ beinhaltet wenig dramaturgische Spannung. Die beiden Jugendfreunde ziehen durch die Stadt, besuchen ihre Lieblingsbar und fahren mit dem Auto umher. Auch das Auftauchen des Mädchen sorgt nicht wirklich für einen Anstieg des Tempos.

Wie auch in anderen Erzählungen von Murakami geht es viel zum die Vermittlung einer bestimmten Gefühlslage. Das ist oft schwer greifbar und Omori übernimmt die popkulturellen Verweise aus dem Roman, insbesondere die Musik, um das erwünschte Gefühl eines verträumten Sommers zu vermitteln. Beach Boys, Cabrios, schummrige Bars, und ein ulkiger Radio DJ sind dabei die wichtigsten Eckpfeiler. Leider kommt die Stimmung nicht ganz rüber.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist „Hear the Wind Sing“ stilistisch unentschlossen. Zeitgenössische Elemente des Mainstreamkinos und der Popkultur mischen sich mit den typischen, teilweise veraltet wirkenden, Methoden der Theatre Art Guild. Damit ist der Verfremdungseffekt den der Schnitt durch das Einspielen von Fotos und Zwischentitel einführt, gemeint. Das reicht nur für ein paar coole Effekte, die aber nicht besonders in Erinnerung bleiben und der Handlung mehr schaden als dass sie sie unterstützen.

Zum anderen zeigt der Film nur Momentaufnahmen und schafft es nicht ein harmonisches Ganzes zu bilden. Das liegt am Fehlen einer Kernhandlung. Die Charaktere schweifen umher, lenken sich vom Alltag  ab, verfolgen kein festes Ziel. Das mag zwar realistisch sein, für den Zuschauer hat dies aber wenig Unterhaltungswert. Anders als in den späteren Werken Murakamis fehlen in dieser Erzählung auch die übernatürlichen Elemente, die den Alltag durchkreuzen. Dies ist aber wiederum eine Schwäche der Romanvorlage und nicht dem Film zu verschulden, der sich eng am Originalmaterial orientiert.

Im letzten Drittel zerfällt die Handlung. Ich hätte mir hier einen stärkeren Fokus auf die Nebencharaktere, insbesondere Ratte, gewünscht. Ansonsten verbindet Omori die Themen des Films, Isolation, Zynismus, Unbestimmtheit und Entfremdung mit einem spritzigen Jazz-Soundtrack. Einer der wenigen Lichtblicke von „Hear the Wind Sing“.

Die angedeutete Handlung und fragmentierten Erzähltechniken erinnern an die beiden anderen Murakami-Verfilmungen der 80er-Jahre. Die Kurzfilme von Naoto Yamakawa, „Attack on a Bakery“ (1982) und „On Seeing the 100 Percent Perfect Girl“ (1983), funktionieren auf Grund ihrer Kürze auch um einiges besser. Damit bleibt „Hear the Wind Sing“ leider nur der Versuch ein ohnehin schon schlechtes Buch für die Kinoleinwand aufzuplustern.