#75 „Dotsuitarunen“ (1989)

Dotsuitarunen

aka

Knockout

Die testosterongeladenen Filme von Junji Sakamoto haben den aus Osaka stammenden Regisseur Ende der 80er-Jahre bekannt gemacht. Dabei ging Sakamoto nicht den normalen Weg des japanischen Studiosystems – vom Kabelträger, zum Assistent und schließlich zum Regisseur -, sondern fand sein ganz eigenes Erfolgsrezept.

In seinem Debutfilm „Dotsuitarunen“ aus dem Jahr 1989 geht es um den gefallen Boxer Adachi, der nach einer schweren Kampfverletzung wieder ein Comeback wagt. Als sein Gegner meldet sich Kiyota, ein  junger und ambitionierter Sprößling aus Adachi’s ehemaligem Boxstall. Ein Kampf der Generationen.

Die japanische Version von Rocky, gedreht in Sakamoto’s Heimatstadt, war ein großer Erfolg. Neben dem Blue Ribbon Award als bester Film, gewann „Dotsuitarunen“ quasi alles was es in diesem Jahr zu gewinnen gab. Das zweistündige Boxerdrama präsentiert uns aber eine undurchsichtige Heldenkonstellation, die eine Identifikation mit den Figuren schwierig macht.

Adachi, der ein Comeback erst wagt nachdem er als Trainer gescheitert ist, ist keiner mit dem man sympathisiert. Gewalt und Egoismus zeichnen ihn aus. Harte Schale, harter Kern. Sein Herausforderer Kiyota hingegen tritt relativ unbescholten in den Ring. Da der Film sich aber mehr auf Adachi konzentriert bleibt sein Charakter eher außen vor. Damit verbleibt Adachi als unbeliebter Anti-Held übrig.

Sakamoto besetzte zwei Boxer für die Rollen. Im Falle von Kiyota, den aus der Takashi Miike Reihe, „Bodyguard Kiba“, bekannten Takeshi Yamato und für Adachi wählte man Hidekazu Akai aus, dessen schauspielerisches Talent der Rolle angemessen ist. Bis auf ein paar wenige Zeilen, bleibt Yamato nämlich stumm, was, wenn man seine späteren Filme betrachtet, auch besser so ist.

„Dotsuitarunen“ platziert die schroffe Hauptfigur in eine elegant inszenierte Umgebung. Osaka fungiert dabei als ein Labyrinth aus Straßen und Hügeln, in denen sich der Boxer bewegt und auch mit seinen Ängsten konfrontiert wird. Gerne hätte ich mehr von den Großaufnahmen der Straßenzüge gesehen, denn Kameramann Norimichi Kasamatsu („The Unforgiven“ und „Poruno Sutâ“) zeigt hier wieder einmal sein ganzes Können.

Neben den Hauptdarstellern überzeugen auch Yoshio Harada („Still Walking“ und  „Onibi“), der sein Talent für böse Buben über 60 Jahre lang auf der Leinwand zeigte, sowie Akaji Maro („Kill Bill“ „Kikujiro’s Sommer“) als der schusselige Trainer. Der weibliche Part wird gespielt von der Idol-Sängerin Haruko Sagara, die auch eine ordentliche Leistung als starkes Mädchen, in der von Männern geprägten Welt, abliefert. Sakomoto beweist mit der Auswahl der Schauspieler und der restlichen Crew ein gutes Gespür. So holt er sich beispielsweise Toyouki Maruo als Art Director mit ins Boot. 1989 noch ganz frisch im Geschäft – erst sein zweiter Film – war Maruo später bei Klassikern wie „Tokyo Sonata“ oder Kurosawa’s Gruselschockern „Cure“ und „Kairo“ federführend.

Ohne sich jetzt zu sehr mit den Personalia aufzuhalten, muss man aber verstehen, welches Talent, sowohl vor als auch hinter der Kamera, in diesem Film zusammenkommt. Dadurch verzeiht man auch gerne die ein oder andere Macke, die das Skript beinhaltet. Und schon deswegen, lohnt es sich „Dotsuitarunen“ eine Chance zu geben.

Ganzer Film: