#63 „Mori no Iru Basho“ (2018)

„Mori no Iru Basho“

aka

„Mori, The Artist’s Habitat“

Basierend auf dem Leben des Malers Morikazu Kumagai (1880-1977) erzählt Shuichi Okata die Geschichte eines Mannes, der sich dazu entscheidet sein Anwesen 30 Jahre lang nicht zu verlassen.

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1974, im Tokioter Stadtteil Ikebukuro. Ein Haus, ein Garten, ein Mann. Morikazu, gespielt von Tsutomu Yamazaki (Tampopo, Nokan), ist 94 Jahre alt, lebt mit Frau Hideko, Kirin Kiki’s letzte Rolle, in einem naturbelassenen Habit zwischen expandierenden Wohnbauten. Seine tägliche Routine besteht daraus seinen Garten und dessen Bewohner zu erkunden. Er und Hideko bekommen regelmäßig Besuch von Nachbarn und Bewunderern des Künstlers. Sein ungewöhnlicher Lebensstil fasziniert auch den Fotografen Fujita. Verkörpert von Ryo Kase (Soredemo boku wa yattenai, Silence) versucht Fujita das Leben des Meisters zu dokumentieren.

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Der Beobachter wird beobachtet. Und wir als Zuschauer beobachten Fujita. Morikazu, der sich nichts aus seiner Bekanntheit macht, vermeidet tunlichst die Blicke auf sich zu lenken. Er würde am liebsten Eins mit der Natur werden, die ihn umgibt.

Der Mikrokosmos Morikazus wird breit präsentiert. Als fast einziger Spielort der Handlung arbeitet der Film mit vielen Details, um die kleine Fläche auszudehnen. Dazu trägt besonders die feinfühlige Soundkulisse bei. In Kombination mit Großaufnahmen begibt sich „Mori no Iru Basho“ auf eine Ebene, die dem Auge meist verborgen bleiben. Oder haben Sie sich schon einmal gefragt, mit welchem Bein eine Ameise anfängt zu laufen? Diesen Fragen geht Morikazu nach und wir folgen seinem geschulten Blick durch die Flora und Fauna.

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Das Biopic ist aber keine Naturdokumentation. Regisseur Okata steuert den Film in eine komödiantische Richtung, gespickt mit ironischem Slapstick und einem fantastischen Ende. Schließlich sind alle Eindrücke Inspiration für die Fantasie des Malers.

Morikazu, auf seinen Stöcken selbst wie ein Insekt unterwegs, verschmilzt mit der Natur. „Mori no Iru Basho“ entwickelt durch seine audiovisuelle Dichte etwas Organisches und bringt den Zuschauer näher zur Natur. Ein Film der wirklich ein eigenes Leben entwickelt, aber vorallem von der starken Präsenz seiner beiden Hauptdarsteller getragen wird.

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Damit ist „Mori no Iru Basho“ auch schmerzliches Zeugnis für das Ende einer großen Schauspielerin. Kirin Kiki, verstorben im September, spielt hier eine ihrer letzten Rolle.

„Mori, the Artist’s Habitat“ wurde gezeigt beim Japannual | Japanische Filmtage Wien. Bis zum 07. Oktober zeigt das Filmfestival einen bunten Genre-Mix aus modernem und klassischem japanischen Kino.

 

 

 

#62 „Inuyashiki“ (2018)

Ist es ein Flugzeug? Ist es ein Vogel? Nein. Es ist ein Salaryman!

Shinsuke Sato (I am Hero) verfilmt in „Inuyashiki“ den Manga Last Action Hero Inuyashiki von Hiroya Oku. Ein Teenager und ein Familienvater kommen in Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform, die ihnen Superkräfte verleiht. Doch die beiden nutzen ihre neuen Fähigkeiten mit unterschiedlichen Absichten.

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Der 58-Jährige Familienvater, ICHIRO, sieht darin die Chance dem Leben einen Sinn zu geben, seiner Familie zu beweisen, dass er doch kein Loser ist und die Menschheit zu beschützen. Aber vor wem beschützen? Wie in jedem Superhelden Movie gibt es auch in „Inuyashiki“ einen bösen Gegenspieler. HIRO, ein High School Schüler, entwickelt auf Grund seiner übernatürlichen Kräfte einen Gottkomplex, mit dem er Japan kurz vor die Vernichtung treibt.

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Das Konzept heißt: Halb Mensch, halb Maschine. In guter alter Body-Horror Manier mutieren Körperteile zu Waffen und Antriebssystemen. Ichiro erinnert stark an die Hauptfigur aus Shinya Tsukmoto’s Tetsuro und auch die Anleihen beim  Sci-fi Actionstreifen Gantz, dessen Manga eine ähnliche Verwertungskette durchlaufen hat und ebenfalls von Sato verfilmt wurde, sind offensichtlich. Aber das Shinsuke Sato mit seinem neuesten Spielfilm das Rad nicht neu erfindet ist keine Schande. Er macht es nämlich auch nicht schlechter als seine Vorgänger. Zwar fehlen der ersten Hälfte des Films doch einige Actionszenen und die Handlung entwickelt sich etwas zu sehr in Richtung Familiendrama, dafür kommt man gegen Ende des Films umso mehr auf seine Kosten. Explodierende Stadtviertel, Massenmorde und Raketenschlachten im Weltraum setzen „Inuyashiki“ ein furioses Finale auf.

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Wichtiger Grundpfeiler ist das Schauspiel von Noritake Kinashi. Ichiro ist seine erste Hauptrolle und er spielt sie genial. Noritakes Background als Comedian führt zu lustigen Einlagen und geben der ganzen Handlung eine Lockerheit, die den Film zusammenhält. Dabei schafft er es aber auch die Tragik seiner Figur glaubhaft zu vermitteln. Ansonsten sind die schauspielerischen Leistungen eher schwach. Besonders Takeru Satoh in der Rolle des Hiro kann trotz seiner weitreichenden Serien- und Spielfilmerfahrung (The Emporer’s Cook, Rurouni Kenshin, Bakuman.) mit  immer gleichem Gesichtsausdruck nicht überzeugen.

„Inuyashiki“ bleibt knapp über dem Mittelmaß. Die Unterschiede zu ähnlichen Filmen finden sich im Detail.  Eingestreute Medien- und Gesellschaftskritik sollen dem Ganze eine tiefere Note verleihen. Oberflächlich betrachtet, liefert Shinsuke Sato ein unterhaltsames Action-Drama ab mit Ausflügen in das Body-Horror Kino von David Cronenberg und Co.

„Inuyashiki“ lief im Rahmen des /slash Filmfestivals, welches noch bis zum 30.09 einen bunten Mix aus Allerlei Derbem und Komischem im Programm hat. Für alle Wiener und Wien Besucher eine  besondere Empfehlung!