#73 „Watashi no Otoko“ (2014)

„Watashi no Otoko“

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„My Man“

Nachdem ein Tsunami ihre Familie und ihr zu Hause genommen hat, kommt Hana in die Obhut eines fernen Verwandten. Während sie bei ihm aufwächst, entwickelt sich zwischen den Beiden eine gefährliche Liebe.

In der eisigen Kälte des nördlichen Japans inszeniert Kazuyoshi Kumakiri ein Liebesdrama nach dem Vorbild von Nabokov’s „Lolita“. Die Umwelt liefert dabei die perfekt Kulisse, um das emotionale Innenleben der Figuren zu visualisieren. Stille, Kälte und Dunkelheit prägen die zwischenmenschlichen Interaktionen. Kumakiri bleibt sich thematisch treu, indem er vom Schicksal junger Japaner auf Hokkaido berichtet.

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Fumi Nikaido („Himizu“) bekam für ihre Rolle der Hana von der Japanese Academy den Preis für die beste Schauspielerin. Die Figur des traumatisierten Kindes, welches zunehmend in eine isolierte Welt, in der nur noch sie und ihr Ziehvater Jungo existieren, abdriftet, wird von Nikaido mit einer außergewöhnlichen Distanz gespielt. Ob dies nun aber als Teil der Rolle gewollt oder einfach als schauspielerische Unfähigkeit zu verstehen ist, bleibt im Auge des Betrachters. Ihr Ziehvater/Geliebter wurde besetzt mit einem der bekanntesten Gesichter des modernen japanischen Kino, Tadanobu Asano („Ruined Heart“, „Ichi the Killer“). Seine Präsenz ist wie immer eindrucksvoll.

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Allerdings zieht sich der Film doch gewaltig. Der Verzicht auf dialoglastige Szenen lässt viel Raum für Spekulation. Zu viel Raum. Manche Handlungsmotive der Charaktere bleiben der Fantasie des Zuschauers überlassen. Die ruhigen Momente werden unterbrochen von roher Gewalt, die sich gegen jeden richtet, der der Liebe von Hana und Jungo im Weg steht. Besonders diese Szenen profitieren von der lebendigen Kameraarbeit von Ryuto Kondo („The Light only Shines there“, „The Story of Yonosuke“), dessen Bilder man gerade auch in „Shoplifters“ im Kino sehen kann.

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Positiv fällt die ganze Verarbeitung rund um das Thema des Traumas auf. Dem Regisseur gelingt hier ein Gesamtkonzept von Kameraarbeit, Bildkomposition und Handlung. Dunkle Bilder in Sepiafarben drücken Taubheit und Erinnerungen an die Vergangenheit aus. Das Verhältnis zum Vergangenen scheint generell gestört zu sein, denn auch die Verbindung zwischen Jungo und Hana’s Mutter ist nicht gänzlich aufgedeckt. So deutet der Film beispielsweise an, dass er wirklich Hana’s leiblicher Vater sein könnte.

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So bleibt am Ende des Films vieles offen. Die Absicht den Zuschauer die Puzzleteile im Kopf selbst zusammenzufügen lassen erfüllt „Watashi no otoko“ aber nur bedingt. Dazu fehlt es nämlich an Spannung. So überträgt sich die Distanziertheit der Inszenierung leider auf das Verhältnis zwischen Betrachter und Film und stellt unsere Aufmerksamkeit auf eine große Geduldsprobe. „Watashi no Otoko“ ist zwar stellenweise verstörend, setzt aber dann doch zu sehr auf die leisen Töne.

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Literarische Vorlage war übrigens der gleichnamige Roman von Kazuki Sakuraba, die unter anderem durch die Manga Reihe „Gosick“ bekannt wurde und für „Watashi no Otoko“ den renommierten Naoki Preis bekam.

 

 

#21 „Sayonara Kabukichô“ (2014)

Sayonara Kabukichô“

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„Kabukichô Love Hotel“.

24 Stunden in einem japanischen Stundenhotel. Ein Blick hinter die Kulissen. Nicht nur hinter die Organisation eines sogenannten „Love Hotels“, sondern auch hinter die Kulissen seiner Besucher.

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Saya und Toru

TORU ist Manager des Love Hotels „Atlas“ im Tokyoter Rotlichtbezirk Kabukichô. Hier arbeitet er unter anderem mit der Putzfrau SATOMI zusammen, die sich dort unter einer falschen Identität vor der Polizei versteckt.

Toru`s Freundin SAYA ist Sängerin und steht kurz vor einem großen Plattenvertrag. Sie weiß nichts von Torus Job und denkt er sei immer noch Rezeptionist in einem renommierten Sterne-Hotel. Denn Toru hat Schulden bei Saya und traut sich deshalb nicht ihr zu gestehen, dass er den Posten beim Sterne-Hotel verloren hat.

Daneben gibt es noch ein koreanisches Pärchen, dessen Beziehung kurz vor dem Ende steht. LEE HE-NA arbeitet, ebenfalls ohne das Wissen ihres Freundes Chonsu, als Callgirl und geht mit ihren Kunden regelmäßig ins Love Hotel. Sie hat aber just an diesem Tag ihren letzten Arbeitstag, und will mit dem verdienten Geld zurück nach Korea und ein Geschäft mit ihrer Mutter eröffnen.

Als dritten Handlungsstrang erzählt der Film die Geschichte des von zu Hause weggelaufenen Mädchens HINAKO. Sie wird von dem jungen Schönling MASAYA aufgegabelt und ins Love Hotel geschleppt. Dieser ist „Talent“-Scout für Prostituierte und sieht in ihr neues Material. Aber bei ihr ist es anders. Er verliebt sich in sie und lässt sie gehen, was ihm viel Ärger mit seinem Chef einbringt.

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Chonsu & Lee He-Na

In der Hauptrolle des Toru brilliert Schauspieler Shota Sometani, der gerade mit Filmen wie Tokyo TribeParasyte oder Sion Sono´s Himizu auf dem besten Weg ist das neue Gesicht des modernen japanischen Mainstream – Kinos zu werden. Ähnlich wie in Tokyo Tribe ist sein Charakter das verbindende Element zwischen den einzelnen Stories.

Überraschend ist die Zusammenarbeit mit der koreanischen Schauspielerin Lee Eun-Woo, die zuvor nur in südkoreanischen Dramen mitspielte (z.B. Moebiuseu). Dies war ihr erster japanischer Film und sie sprach zu Beginn der Dreharbeit nur sehr wenig Japanisch.

Regisseur Ryuichi Hiroko verbindet mit dem Film seine beiden Wurzeln. Das Independent Kino und das Pinku Eiga. Das Love Hotel wird dabei zu einem Ort an dem die Dinge zusammenlaufen, eine neue Richtung finden. Für alle Charaktere ändert sich ihr Leben nach diesen 24 Stunden. Es geht um schicksalhafte Begegnungen, Neuanfänge, und Flucht. Vor allem aber um Liebe und die Erkenntnis, dass im Leben nichts endgültig ist.

 

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Quellen:

http://39.hkiff.org.hk/eng/film/detail/39103-kabukicho-love-hotel.html

http://www.filmbiz.asia/reviews/kabukicho-love-hotel