#94 „Kani Gorukipa“ (2006)

„Kani Gorukipa“

aka

„Kani Goalkeeper“

Ja, diesen Film gibt es wirklich. „Kani Goalkeeper“ handelt von einer überdimensionalen Krabbe, die als Torhüter in einer Fußballmannschaft spielt.

Minoru Kawasaki, der Ed Wood Japans, der sich auch gerne „Master of Stupid B-Movies“ nennt, produziert schon seit seiner Schulzeit Filme mit speziellem Hang zum Trash. Sein Debutfilm „Iko the Earth Patrol Girl“ erschien bereits 1987. Seither präsentiert er einer enthusiastischen Fangemeinde Titel wie „Der Calamari Wrestler“ (2004), „Executive Koala“ (2005) und „Monster X gegen den G8 Gipfel“ (2008), der sogar auf dem Filmfest in Venedig gezeigt wurde. Die billigen Titel sollten aber nicht von den namhaften Kollaborateuren Kawasakis ablenken. So arbeitete er mit den  Kostümbildnern Toru Narita und Fuyuki Shinada („Ultraman“ und „Godzilla“ Serien) an den Designs seiner Monster. Zum künstlerischen Dunstkreis Kawasakis zählen auch der Mangazeichner Yoshito Asari, sowie die Regisseure Akio Jissoji („Buddhist Trilogy„) und Takeshi Kitano.

„Kani Goalkeeper“ handelt zunächst von der Freundschaft zwischen der ans Meer angespülten Krabbe und einem Jungen, der sie zu sich nach Hause holt. Der Vater des Jungen ist Fischer und plant die riesige Krabbe als Delikatesse teuer zu verkaufen. Daraufhin flieht die Krabbe und wird schließlich auf Grund ihrer Schnelligkeit Torhüter. Die Pläne des Fischers lösen sich in Luft auf und der Freundschaft zwischen dem Jungen und seinem animalischen Freund steht nichts mehr im Wege.

Anknüpfend an den Humor seiner vorherigen Filme präsentiert Kawasaki einen bizarren Humor. Der funktioniert die ersten 15 Minuten ganz gut. Dann gewöhnt man sich schnell an die Krabbe und das Potenzial des Films geht damit auch verloren. Einige Running Gags zünden noch, aber ansonsten bietet die Komödie eher schwache Momente. Die Charaktere sind flach und die Krabbe ist zwar liebenswert, dafür aber stumm und nicht sonderlich ausdrucksstark.

Der sportliche Teil des Films lässt zudem lange auf sich warten. Erst in den letzten 20 Minuten geht es dann wirklich um Fußball. Dazwischen streunt die heimatlose Krabbe in der Stadt herum, macht zwielichtige Jobs und legt sich mit der Yakuza an.

Die Auswahl der Schauspieler ist wieder einmal überraschend und hält, die für Kawasaki typischen, Cameos vergangener Showbusiness-Größen auf Lager. Besonders erwähnenswert ist der durch seine Rolle des TV-Helden Kamen Rider bekannt gewordene Hiroshi Fujioka. Am lustigsten ist jedoch die Rolle von Naoto Takenaka, den man am ehesten aus „Shall We Dansu?“ (1996) kennt und in „Kano Goalkeeper“ als Präsident der J-League seinen Charakter mit schlecht sitzender Perücke perfekt rüber bringt. Diese kleinen Rollen fangen die schlechte Performance des jungen Hauptdarstellers etwas auf.

Alles in Allem ist „Kano Goalkeeper“ ein sehr schlechter Film, der sich mehr auf den sportlichen Teil hätte konzentrieren sollen. Der Over-the-Top Trash Effekt hält sich nur zu Beginn des Films und wird nicht weiter unterfüttert. Der Versuch ein über weite Strecken ernsthaftes Drama mit albernen Kostümen zu kombinieren ging nach hinten los.

#18 „Soredemo boku wa yattenai“ (2006)

Soredomo boku wa yattenai“

aka

„I Just didn´t do it“.

Der 26 – Jährige TEPPEI KANEKO ist mit dem Zug auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch. In dem vollgepackten Zug beschuldigt ihn eine 15 – Jährige Schülerin, er habe ihr vorsätzlich an den Po gefasst.

Es beginnt ein Prozess um die Wahrheit. Zumindest könnte man das meinen.

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Denn ist KANEKO unschuldig. Er war nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Was der Film dann in einem fast schon dokumentarischen Stil zeigt, ist das Versagen des japanischen Rechtssystems. Man erfährt, dass 99,9% aller Angeklagten in solchen Fällen schuldig gesprochen werden. Grund ist die Reputation des Richters. Je schneller er ein Verfahren abschließt und je mehr Verurteilungen er erfolgreich durchführt, desto schneller winkt ihm eine Beförderung.

KANEKO bekommt deshalb den Ratschlag auf schuldig zu plädieren. Er käme dann mit einer kleinen Geldstrafe davon. Doch KANEKO besteht auf die Wahrheit und findet Unterstützung in einem Anwalt und einem Aktivisten, der sich speziell für unschuldig angeklagte Sexualtäter einsetzt.

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Das letzte Drittel des Films zeigt die Gerichtssitzungen. Sie sind mitfiebernd und man hält quasi vor jedem Satz den Atem an. Denn trotz des korrupten Systems, in dem die Wahrheit scheinbar keinen Platz hat, bekommt KANEKO einen milden Richter, der den Ausführungen der Verteidigung positiv gestimmt ist. Doch mitten im Prozess wechselt der Richter und der Wind dreht sich wieder. So geht es weiter auf der emotionalen Achterbahn.

Der Film ist sehr dialoglastig, aber nicht langatmig, wie man es bei vielen anderen Gerichtsfilmen sieht. Die Spannung wird gehalten und die Verhandlung gibt authentischen Einblick in ein fremdes Rechtssystem. Allein diese Abläufe zu beobachten ist sehr interessant. Wie wird mit dem Opfer umgegangen, welche Verfahrenswege gibt es und wie sieht der Alltag in japanischen Gefängnissen aus?

In Kombination mit der hervorragenden schauspielerischen Leistung des Hauptdarstellers könnte man meinen, dass hier gerade eine wahre Geschichte gezeigt wird.

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Regisseur Masayuki Suo hat nach 11 – jähriger Pause einen Aufschrei gegen das japanische Rechtssystem ausgelöst. Hatte er 1996 noch mit Shall we dance? eine locker, leichte Komödie geschaffen, die später ein amerikanisches Remake mit Richard Gere und Jennifer Lopez bekam, so schlägt er jetzt in SOREDEMO BOKU WA YATTENAI kritischere Töne an.

Hauptcharakter KANEKO steht dabei symbolisch für eine Generation von jungen Japanern, die sich nicht sicher sind, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Als sogenannter „Freeter“, ein Mensch, der nicht in festen Arbeitsverhältnissen lebt, stolpert er durchs Leben und gerät unglücklicherweise in diese Lage.

Der gesellschaftliche Aspekt des Films und die Aktualität dieses Problems in Japan geben Zündstoff für Diskussionen.

 

Quellen:

https://goninmovieblog.wordpress.com/tag/bokuzo-masana/

http://eigarebyu.blogspot.co.at/2013/01/soredemo-boku-wa-yattenai-2007.html