#57 „Linda Linda Linda“ (2005)

Noch 3 Tage bis zum großen Schulfest. Eine Schülerinnen-Band plant ihren großen Auftritt. Doch Streitereien treiben die Gruppe auseinander. KEI, KYOKO und NOZOMI bleiben zurück. Ihre Sängerin schmeißt hin.

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Doch wo Ersatz finden? Als nicht gerade beste und erste Wahl erscheint ihnen SON. Die Austauschschülerin aus Korea, deren japanisch mindestens genauso schlecht ist wie ihr Gesang, hängt sich aber voll rein und schweißt die Mädchenclique zusammen. Die Vier geben sich den Namen PARANMAUM und stürzen sich in die Proben. Statt eigene Kompositionen, beschließen sie Lieder der Blue Hearts zu spielen. Eine legendäre japanische Punkband der 80er- und 90er Jahre.

Wie der Trailer schon zeigt, dreht sich bei LINDA LINDA LINDA alles um die Musik. Und die ist dabei auch schon das einzige Highlight des Films. Die Konflikte der Protagonistinnen rund um Liebe, Freundschaft und Zukunftsängste wirken sehr flach und erwecken den Eindruck, dass sie nur als bloße Handlungselemente dienen, die abgearbeitet werden, um die  dürftige Story zusammenhalten.

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Angesichts der vielversprechenden Schauspielerinnen leider etwas enttäuschend. Von denen überzeugt auch nur die Hauptdarstellerin, Bae Doona, die hier ihre Leistung aus Sympathy for Mr. Vegeance und dem später folgenden The Host sogar noch übertrifft. Ihre Kombination aus Dusseligkeit und Kampfgeist verkörpert in gewisser Weise die Botschaft der Songs.

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Da die Handlung und ihre Charaktere die Probleme der Teenager nur mittelmäßig vermitteln können, wandert der Aufmerksamkeitsfokus des Zusehers immer mehr auf die Musik. Als Musikfilm brilliert LINDA LINDA LINDA, weil er so ungewollt die Botschaft und die Melodien der BLUE HEARTS als positives Alleinstellungsmerkmal vorstellt. Allerdings schafft er es nicht Handlung und Musik zu einer Einheit verschmelzen zu lassen.

LINDA LINDA LINDA bezieht sich auf den großen Hit der BLUE HEARTS. PARANMAUM covern im Film drei Lieder der Band. Neben dem bereits genannten „Linda Linda Linda“, spielen sie noch die beiden Songs „Boku no migite“ (Meine rechte Hand) und „Owaranai Uta“ (Das nie endende Lied). Unterstützt wurden sie dabei von James Iha, dem Ex-Bassisten der Smashing Pumpkins. Die Liebe zu den Original-Songs zeigt sich besonders in den Proben-Szenen. Hier bekommt man für einen Bruchteil des Films einen authentischen Eindruck des Probenalltags und von der harten Arbeit, die hinter einem Auftritt steckt. Leider sind diese Szenen viel zu selten im Film zu sehen.

Unterm Strich bleiben die lieblosen Charaktere zurück, die ohne Hintergrund in den Film hineingeworfen werden. Auch das Potenzial die interkulturelle Kommunikation zwischen Korea und Japan an Hand der Hauptfigur SON aufzugreifen geht im Verlauf des Films verloren.

Eine Filmempfehlung nur für diejenigen, die entweder seichte High School Dramen mögen oder ein Fan der BLUE HEARTS sind. Hoffnung macht aber ein neue Produktion von 2017. Der Film mit  dem naheliegenden Titel THE BLUE HEARTS zeigt in sechs Episoden sechs verschiedene Geschichte, die sich alle um Songs der Blue Hearts drehen. Vielleicht die etwas reifere Variante, um sich mit der Musik der Blue Hearts zu beschäftigen. Ansonsten ist es vielleicht in manchen Fällen einfach besser die Musik für sich selbst sprechen zu lassen.

 

 

 

 

#24 „In za pûru“ (2005)

„In za pûru“

aka

„In the Pool“.

Eine Dauererektion. Eine Zwangsstörung. Die Sucht nach Schwimmen.

Zwei von diesen drei Fällen behandelt der Neurologe DR. IRABU, der mit unkonventionellen Methoden versucht in die Psyche seiner Patienten einzutauchen und ihre Probleme zu lösen.

TETSUYA TAGUCHI ist ein Büroangestellter, der nicht „abschalten“ kann. Schon seit Wochen plagt ihn eine Dauererektion. Bevor Dr. Irabu den Zusammenhang zwischen Erektion und Taguchi´s Ex – Frau herstellt, durchläuft Taguchi etliche peinliche Alltagssituationen (unter anderem einen Onsen – Besuch mit Geschäftspartnern) und kommt auch nicht um eine Konfrontation mit seiner Ex – Frau herum.

SUZUMI IWAMURA ist Reporterin bei einer lokalen Zeitung. Doch kaum hat sie das Haus verlassen bleibt sie wie angewurzelt stehen und rennt blitzschnell zurück in ihr Appartement. Grund dafür ist eine Zwangsneurose. Ständig denkt sie etwas zu Hause vergessen zu haben. Sei es den Herd auszuschalten, das Haustier zu füttern oder die Lüftung abzudrehen. Alles führt bei ihr zu einem Kopfkino, an dessen Ende immer die zerstörte Wohnung steht.

KAZUO OHMORI ist nicht bei Dr. Irabu in Behandlung. Er ist leitender Angestellter und baut Stress durch Schwimmen ab. Sein Leiden beginnt als das Schwimmbad zu gewissen Zeiten zusperrt und er auch krankheitsbedingt nicht mehr regelmäßig schwimmen gehen kann. KAZUO merkt, dass er eine Abhängigkeit zu dem Sport und dem Gefühl von Wasser auf der Haut entwickelt hat.

Bevor Regisseur Satoshi Miki seinen großen Erfolgsfilm Tenten realisierte, machte er mit IN ZA PÛRU die ersten Schritte ins Filmgeschäft. Skurrilität und verschrobene Charaktere sind das Markenzeichen seiner Filme. Dazu kommt ein trockener Humor, der sich schon im Debütfilm zeigt.

Auf diese Art und Weise werden psychische Erkrankungen vorgestellt und gleichzeitig parodiert. Dr. Irabu nimmt bei seinen Behandlungen kein Blatt vor den Mund und setzt auf Konfrontation mit den Ängsten der Patienten und erzeugt dadurch etliche peinliche Situationen. In deren Mittelpunkt steht weniger die Komik an sich, sondern mehr die Banalität alltäglicher Situationen.

Quellen:

http://www.lovehkfilm.com/panasia/in_the_pool.html

 

#12 „Kûchû Teien“ (2005)

Kûchu Teien“

aka

„Hanging Garden“.

Familie Kyobashi hat eine Devisie: Keine Geheimnisse voreinander haben.

Mutter ERIKO versucht mit dieser Regel eine glückliche Familie zu schaffen und ein besseres Zusammenleben zu haben als mit ihrer Mutter, bei der sie sich als Teenager nie geborgen gefühlt hat.

Aber die Lüge ist oft einfacher als die Wahrheit. Das muss auch ERIKO bald feststellen.

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Im Mittelpunkt des Films steht der Konflikt zwischen Mutter ERIKO und ihrer, inzwischen kranken, Mutter SACCHIN.

Ihr Kindheitstrauma hat sie größtenteils SACCHIN zu verdanken, die sie vor Anfeindungen anderer Schülerinnen nie verteidigt hat und ihr sagt, dass sie ein nicht gewolltes Kind sei.

Mit dieser Vorgeschichte versucht sich ERIKO ihre eigene, kleine Idylle in Form einer eigenen Familie zu schaffen. Zusammen mit Ehemann TAKASHI zieht sie in einen neuen, sonnendurchfluteten Apartmentblock in Osaka und richtet sich einen hübschen Garten auf der Terrasse ein. Sie bekommen zwei Kinder, MANA und KO.

Nach den Kindern kehrt allerdings Routine ein und das Lächeln von ERIKO wird zunehmend zur Fassade. Ihr Mann geht fremd, ihre Tochter schmeißt die Schule und ihr Sohn klaut im Supermarkt. Doch ERIKO ist so besessen von der Idee einer glücklichen Familie, dass sie es nicht zulassen will diese Tatsachen zu akzeptieren. Ihr Lächeln, so sagt sie, ist ein Gebet, um die Familie zu schützen.

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Schließlich kocht der Konflikt mit ihrer Mutter wieder hoch und es scheint als käme jetzt die große Abrechnung und das Ende der Familienidylle. Doch am Ende kommt es anders als man denkt.

Mit KÛCHÛ TEIEN wagt Regisseur Toshiaki Toyoda einen Schritt in ein neues Terrain. Das Familiendrama. Damit startet er 2005 einen Trend, dem auch andere Regisseure mit Filmen wie Tôkyô Sonata (2008) oder Still Walking (ebenfalls 2008) folgen. Befasste sich Toyoda zuvor noch mit dem Kampf junger Männer gegen die Gesellschaft, wie in meinem bereits besprochenen Film Poruno Sutâ, so stellt er hier erstmals die „normale“ Durchschnittsfamilie in den Vordergrund und zeigt, dass sie gar nicht so normal ist. Nicht verwunderlich das KÛCHU TEIEN bis dato sein erfolgreichster Film in Japan ist.

Der Filmtitel, der übersetzt so viel wie „Hängende Gärten“ heißt, erklärt sich daher, dass hängende Pflanzen keinen festen Boden haben, in den sie ihre Wurzeln schlagen können. Ähnlich wie ERIKO, die nicht geerdet wurde und keine feste Wurzeln aus ihrer Kindheit übernimmt. Ebenso bezeichnet Regisseur Toyoda die fehlenden Wurzeln der Gesellschaft als ein allgemein japanisches Problem.

http://dai.ly/x22cqnl

Die Kameraarbeit orientiert sich auch an den hängenden Gärten. Sie schwebt über der Familie, dreht sich teilweise um 360° und hat keinen festen Stand.

In diesem Familiendrama kommt Alles zusammen, was sich in Toshiaki Toyoda´s vorherigen Filmen schon angedeutet hatte. Tiefgehende Charaktere, innovative Kameratechniken und ein Ende, das doch zumindest ein wenig Hoffnung erkennen lässt.