#54 „Kita-Kitsune Monogatari“ (1978)

„Kita-Kitsune Monogatari“

aka

„The Glacier Fox“

aka

„Der Gletscherfuchs“.

Im Norden Japans findet man eine ganze besondere Tierart. In semi-fiktionaler Form erzählt die Dokumentation vom Leben des Gletscherfuchses Flep.

Bildergebnis für Kita-kitsune monogatari 1978

Er findet mit Leyla eine Partnerin mit der er ein ganzes Rudel Nachwuchs zeugt. Zusammen kümmern sie sich um die Aufzucht und stehen dabei Allerlei Gefahren durch. Sie trotzen der Natur und dem Menschen. Doch Leyla fällt der Falle eines Bauern zum Opfer und Flep muss die Jungen alleine großziehen.

Getrieben von dem Willen die Fuchsfamilie zusammenzuhalten bringt er ihnen das Jagen bei und bereitet sie auf ein eigenständiges Leben vor. Schließlich ist auch dieses Kapitel zu Ende und Flep muss den Nachwuchs hinaustreiben, damit sie auf eigenen Beinen stehen und sich bewähren können. Diese Prüfung gelingt nicht allen gleich gut. Auch hier schlägt die Natur wieder gnadenlos zu und das Schicksal fordert seinen Preis.

Regisseur Koreyoshi Kurahara schuf 1960 mit Intimidation den ersten japanischen Film Noir. KITA-KITSUNE MONOGATARI ist einer von seinen zwei Dokumentarfilmen. Der Beginn des Films erinnert einen an Disney-Tierfilme a la Die Wüste lebt. Doch der Film stellt sich der großen pädagogischen Aufgabe das Thema des Sterbens in einem kinderfreundlichen Kontext zu erklären.

Bildergebnis für キタキツネ物語

Die Kamera hält drauf als Leyla langsam verendet, zeigt den angeschossenen Fuchs und die Wunden an denen er kurz darauf stirbt. Leben und Tod werden radikal dokumentiert. Obwohl radikal auch übertrieben ist.

Denn der Film wirkt auch wie ein Musical. Fast jede Sequenz wird mit Musik unterlegt und die Tiere bekommen in manchen Szenen menschliche Stimmen. Dadurch bekommt die Dokumentation einen komischen Twist. Auf der einen Seite die Niedlichkeit und die Vermenschlichung der Tiere. Auf der anderen Seite die Darstellung von Tierquälerei und dem tödlichen Überlebenskampf. Da das Kamerateam in brenzligen Situationen nicht eingreift, bekommt der Film stellenweise einen unguten Beigeschmack und lässt leider Vergleiche zu den bewussten Tierquälereien in anderen japanischen Produktionen wie Miez und Mops aufkommen.

Der Tod und das damit verbundene Leiden werden als normal dargestellt. Auf den ersten Blick schwer auszuhalten, aber ein ehrlicher Versuch die Natur abzubilden. Dazu passt auch der monotone, trockene Kommentar des Erzählers, der die Bilder immer wieder beschreibt.

Am Ende des zweistündigen Films merkt man wie treffsicher die Emotionalisierung durch Erzählung und Musik war. Schließlich war man gerade Zeuge eines ganzen Lebenszykluses.

Der Film ist für das amerikanische Fernsehen noch einmal auf englisch synchronisiert und mit neuer Musik „zerstört“ worden. Wenn irgendwie möglich empfiehlt es sich daher die japanische Version anzuschauen. Alleine schon wegen der eingängigen musikalischen Untermalung:

 

 

#46 „Kichiku“ (1978)

„Kichiku“

aka

„The Demon“.

Eine Mutter steht vom Tisch auf und geht mit ihren drei Kindern zum Bahnhof. Sie fahren zu ihrem Vater. Die Kinder, nicht wissend wohin die Reise geht, sehen ihn zum ersten Mal.

Sieben Jahre lang hat er die Familie unterstützt, lebte aber mit einer anderen Frau in einer anderen Stadt. Die neue Frau wusste von der Zweitfamilie nichts und der Schock ist groß als die drei Kinder und die fremde Frau in der Tür stehen.

Der Grund für den plötzlichen Besuch ist das liebe Geld. Die Unterstützung des Vaters reicht nicht mehr zum Leben und deshalb liefert sie die Drei jetzt bei ihm ab.

Nach einer turbulenten Nacht verschwindet die Mutter und lässt den Vater mit seiner Frau und den drei Kindern allein zurück.

Der Beginn eines hitchcocktesquen Dramas. Denn die Frau, die zudem an der Vaterschaft zweifelt, reagiert allergisch auf die Kinder und ist (verständlicherweise) voller Wut auf ihren Mann. Der Mann nimmt sich daher zurück und ergibt sich ohne große Klagen in die neue Situation.

Die Frau lässt ihren Frust aber an den Kinder aus und sehr schnell bangt man als Zuseher um das Wohl der Kleinen. Als plötzlich der Jüngste, noch im Babyalter, eine Stoffwechselerkrankung bekommt und kurz darauf stirbt, steht die Vermutung im Raum, dass die Frau absichtlich das Kind getötet habe.

Das Unaussprechliche nimmt nun seinen Lauf. Im Weiteren entledigen sich die frischgebackenen Eltern der Zöglinge und setzen zuerst die Tochter in der Großstadt aus und werfen schließlich den Ältesten die Klippen hinunter ins Meer.

Die Kaltblütigkeit des Vaters, die, zwar begründet in der Unmöglichkeit die Kinder großzuziehen, aber extrem überzogen ist, bildet sich im Verlauf des Films immer stärker aus und übertrifft die Bösartigkeit seiner Frau gegen Ende des Films.

Die Erkenntnis des Vaters, dass er das Falsche tut und es aber trotzdem macht, tragen zur Schwere seiner Schuld bei.

Auf perfide Art und Weise nutzt der Film die Schutzlosigkeit der Kinder und das Vertrauen, das sie zu Erwachsenen haben, um  die dunkle Seite des Menschen zu zeigen.

Dabei überdramatisiert der Regisseur nicht. Bis zur Hälfte des Films könnte er noch die Wendung hin zu einer Komödie nehmen. Doch bevor man es merkt, ist man schon mitten drin in einer bitterbösen Tragödie, die an Spannung kaum zu überbieten ist.

Als Zuschauer beginnt man mit zu fiebern. Wie weit gehen die Eltern? Werden die Kinder gerettet und die Schuldigen bestraft? Doch der eigentliche  Horror ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern. Das Finale offenbart die Treue und auch das Ausgeliefertsein von jungen Erwachsenen, die nicht verstehen können (oder wollen!) warum ihnen die Eltern Böses antun.

Damit trifft der Film genau in die Psyche des Zuschauers und weckt starke Emotionen. KICHIKU überschreitet Grenzen, schockiert und lässt einen mit einem ganz unguten Gefühl zurück.

 

Intro (mit der schaurig schönen Titelmelodie)

 

 

#23 „Chirin no Suzu“ (1978)

„Chirin no Suzu“

aka

„Ringing Bell“.

Ein Wolf tötet die Mutter des kleinen Lamms CHIRIN. Nach der Attacke sucht Chirin nach dem Wolf. Er will genauso stark werden wie er und sich für den Tod seiner Mutter rächen. Der Wolf trainiert Chirin und macht ihn zu einem Kämpfer. Am Ende steht der Kampf zwischen Lehrer und Schüler.

Basierend auf dem Kinderbuch von Takashi Yanase (u.a. Anpanman) produzierte die Firma Sanrio, Erfinder von Hello Kitty, zusammen mit dem Animationsstudio Madhouse (Ninja ScrollVampire Hunter DDeath Note) den Anime CHIRIN NO SUZU.

Regie führte der relativ unbekannte Masami Hata.

Nach seiner Veröffentlichung im Westen bekam der Film einen berüchtigten Ruf als Schocker. Grund dafür ist der abrupte Stimmungswechsel des Films. CHIRIN NO SUZU orientiert sich zunächst am Disneyfilm BAMBI. Doch die anfängliche Idylle der Schaafsfamilie auf der Weide endet im dramatischen Mord der Schaafsmutter durch den Wolf. CHIRIN wird zum Weisen. So weit alles wie bei Disney.

Doch dies ist keineswegs das Ende der Gewalt. CHIRIN entscheidet sich für den Weg der Rache und sucht den Mörder seiner Mutter, lernt von ihm zu töten. Er wendet sich von seiner eigenen Herde ab, will kein schwaches Lamm sein, sondern ein Killer werden, so wie der Wolf. Eine unerwartete Wendung.

Das Image des Kinderfilms verschwindet. Das Opfer, der Held CHIRIN entwickelt sich zu einem Anti-Helden ohne Mitgefühl. Die Handlungsmotive, das Prinzip Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen, war Grund für viele Länder den Film zu verbieten.

In Japan selbst wurde der Film gerade wegen der Entwicklung des Hauptcharakter als revolutionär aufgefasst. CHIRIN ist kein „Unschuldslamm“ mehr, stellt sich dem übermächtigen Gegner.

Moralisch ist der Film trotzdem äußerst fragwürdig. Am Ende des Films endet CHIRIN verlassen und allein. Vielleicht dann doch die (gerechte) Moral dieser Geschichte.

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