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#20 "Narayama bushikô" (1958)

"Narayama bushikô"

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"The Ballad of Narayama"

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"Die Ballade von Narayama"

Ein kleines japanisches Dorf hat die Tradition ihre älteren Bewohner auf dem Berg Narayama auszusetzen.

Wenn ein Bewohner des Dorfes das 70. Lebensjahr erreicht hat, ist es die Pflicht des Sohnes ihn auf den Berg zum Sterben zu tragen.

Die inzwischen 72-Jährige Orin kann es kaum erwarten endlich die Reise zum Narayama anzutreten. Doch solange ihr verwitweter Sohn, Tatsuhei, keine neue Frau gefunden hat, fühlt sie sich noch verpflichtet für ihn zu sorgen.

Als dieser schließlich eine neue Frau aus dem Nachbardorf heiratet, kann sie endlich gehen. Für Tatsuhei fällt diese Entscheidung des Abschieds jedoch schwer und er kämpft mit seiner sozialen Verpflichtung dem Dorf gegenüber und seinen Gefühlen für seine Mutter.

Die Geschichte behandelt den Mythos des "Ubasute", nach dem im feudalen Japan ältere Menschen in der Wildnis ausgesetzt wurden. Der Mythos des Ubasute war meist Gegenstand von Gedichten und japanischer Folklore. Historische Quellen, die eine solche Praktik wirklich belegen, sind aber so gut wie keine bekannt.

Der Film adaptiert eine solches Drama von Autor Shichirô Fukazawa, welches zwei Jahre zuvor erschien und vermischt Film- und Theaterelemente.


Regisseur Keisuke Kinoshita bedient sich für seinen Film bei der japanischen Theaterform Kabuki. Ein Beispiel ist der Erzähler, der zwischen den einzelnen Szenen oder auch parallel zu ihnen die Handlung singend kommentiert und dabei von einem traditionellen Orchester, bestehend aus Samisen und Klanghölzern begleitet wird.

Hinzu kommt eine künstlich wirkende Kulisse, die sofort den Theaterzusammenhang erkennen lässt. Kinoshita legt hier bewusst keinen Wert darauf einen realistischen Film zu inszenieren, sondern mehr eine Art filmisches Theater zu schaffen. Die Kamera bewegt sich in Kamerafahrten durch die Kulissen und die Übergänge von einem Schauplatz zum nächsten gehen mit einer geschickten Trickmontage ineinander über.

Inhaltlich ist "NARAYAMA BUSHIKÔ" die traurige Geschichte eines Sohnes, der nicht Abschied nehmen will von seiner Mutter, der es offensichtlich gesundheitlich noch ganz gut geht. Es ist kaum zu verstehen wieso sie die Familie verlassen will. Doch für sie ist es die Tradition und sie schämt sich sogar noch all ihre Zähne zu haben bevor die Reise beginnt. Um dieser "Schmach" zu entgehen, schlägt sie sich einige Zähne selber aus, um als "alte" Frau, vom Leben gezeichnet, die Reise anzutreten.

Im Kontrast dazu zeigt der Film das Schicksal des Nachbar-Opas, Mata. Er will um jeden Preis dem langsamen Hungerstod auf dem Narayama entkommen und weigert sich auf den Berg getragen zu werden. Dies ist eine Schande für seine Familie und schließlich wird auch er gefesselt auf den Berg getragen.

Eine Erklärung für das Verhalten von Orin könnte die Zeit in der der Film gedreht wurde liefern. 1958, in der schweren Zeit nach der Niederlage des 2. Weltkriegs, sollte Orin Vorbild sein für eine Generation von Japanern, die dem harten Schicksal mit einem Lächeln im Gesicht entgegentreten und keine Angst vor der Pflichterfüllung haben. Letztendlich fügt sich ja auch ihr Sohn Tatsuhei und erfüllt seine Rolle in der Dorfgemeinschaft, wenn auch unter sehr großem Leid.

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