#32 „Erleuchtung garantiert“ (1999)

Als Uwe von der Arbeit nach Hause kommt findet er eine leergeräumte Wohnung vor. Seine Frau hat ihn verlassen und ist mit beiden Kindern von einem Tag auf den anderen ausgezogen.

Verzweifelt wendet sich Uwe an seinen Bruder Gustav, der am nächsten Morgen seine langgeplanten Reise in ein japanisches Zen – Kloster antritt.

Mit der Bitte ihn nicht allein zu lassen, bucht Gustav ein zweites Ticket und am folgenden Tag geht es mit einem verkaterten Uwe, der seine Entscheidung schon auf der Fahrt zum Flughafen bereut, da er mit Japan und Meditation nichts anfangen kann, nach Tokyo.

ERLEUCHTUNG GARANTIERT war der erste Film, den die deutsche Regisseurin Doris Dörrie in Japan drehte. 2016 ist mit Grüße aus Fukushima schon der vierte Film erschienen, der zumindest teilweise in Japan produziert wurde. Im Gegensatz zu dem weitläufig bekannten Kirschblüten erlaubt sich Dörrie in ihrem ersten Japanfilm einen improvisierten Umgang mit dem Land. Mit kleinen Handkameras und ohne Drehbuch entlässt sie Uwe Ochsenknecht und Gustav – Peter Wöhler in die Fremdheit.

Die dabei entstandenen, unfreiwillig komischen Situationen sind real und zeigen das direkte Aufeinandertreffen mit den Einheimischen. Der Gewöhnungsprozess und das  Zurechtfinden, zunächst in der Großstadt, später dann im Zen – Kloster, sind nicht gestellt. Schauspieler und Crew verbrachten einige Wochen im Kloster und erfuhren die tägliche Routine mit Meditation, Putzdienst und Aufstehen um 03:30 Uhr am eigenen Leib.

Die als Roadmovie inszenierte Komödie zeigt die Selbstfindung zweier unterschiedlicher Charaktere, die erst durch die Isolation, die sie in Japan erfahren, möglich wird. Nicht die Möglichkeit zu haben sich mit anderen zu verständigen wirft einen auf sich selbst zurück. Dörrie verzichtet dabei größtenteils auf die gängigen Japan Klischees und benutzt die Andersartigkeit des Landes nicht als Kulisse für Witze über dessen Einwohner. Wenn überhaupt sind die beiden Ausländer Grund für Lacher, da sie sich schon am ersten Tag in Tokyo hoffnungslos verlaufen und all ihr Geld verlieren.

Die Entwicklung von Uwe und Gustav verläuft zunächst diametral. Uwe passt sich besser an den ungewohnten Alltag im Kloster an als Gustav, der eigentlich von berufswegen her, er ist Feng Shui Berater, besser darauf vorbereitet sein sollte. Aber er ist zu sehr bemüht keinen Fehler zu begehen, hat zu viel Respekt vor den Ritualen und Angst vor den Mönchen etwas falsch zu machen. Wohingegen Uwe mit seinem Unwissen über die Bedeutung der Rituale eine Grundgelassenheit mitbringt, die ihn offen macht für den Lernprozess im Kloster.

Als Gustav schon kurz davor ist alles abzubrechen und nach Hause fahren will, erinnert ihn Uwe an die Grundprinzipien des Zen und überredet ihn zu bleiben. Gegenseitig unterstützen sich die beiden, geben sich Kraft. Die Brüder finden so im Laufe des Filmes nicht nur näher zu sich selbst, sondern näher zueinander und auch ein Stück weit näher zu der Mentalität des Landes.

Doris Dörrie gelingt mit ERLEUCHTUNG GARANTIERT ein erfrischend neuartiger Blick auf Japan. Ein Blick, der fast ganz ohne Klischees auskommt und nicht die Exotik des Landes in den Vordergrund stellt, sondern die Geschichte zweier Brüder.

 

 

#31 „Romansu“ (2015)

Romansu“

aka

„Round Trip Heart“.

Eine Familie verreist nach Hakone. Kurz darauf zerfällt das Familienglück. Der Vater verlässt die Familie, Frau und Tochter bleiben alleine zurück. Von nun an versucht die Mutter die Lücke mit vielen verschiedenen Männern zu füllen, schafft dies aber nicht, da sie den Ex – Ehemann nicht vergessen kann.

Die Tochter leidet unter den Männereskapaden der Mutter und verlässt nach der Schule schnell das zu Hause. 10 Jahre vergehen bis die Tochter einen Brief ihrer Mutter erhält, der zu einer schicksalhaften Begegnung führt.

So weit die Vorgeschichte zu ROMANSU.

Der Film beginnt mit der Tochter, HACHIKO HOJO, die inzwischen Zugbegleiterin geworden ist. Sie arbeitet ausgerechnet in der Zuglinie, die zwischen Tokyo und Hakone pendelt. Der sogenannte Odakyu Limited Express oder auch Romancecar genannt ist eben genau dieser Zug mit dem sie damals als Kind zusammen mit ihren Eltern den letzten Ausflug nach Hakone unternommen hat.

Auf einer ihrer Fahrten erwischt die vorbildliche Zugbegleiterin einen verschuldeten Filmproduzenten namens SAKURABA beim Diebstahl im Zug und meldet ihn bei der Ankunft in Hakone dem Bahnhofsvorsteher.

Doch der Beschuldigte ergreift die Flucht und entführt Hachiko mehr oder weniger. Er erfährt von dem Brief, den Hachiko von ihrer Mutter bekommen hat und erkennt darin eine vermeidliche Selbsttötungsabsicht. Der Brief gebe Hinweise darauf, dass sie plane sich in Hakone umzubringen. Gemeinsam starten sie eine Suche in der Gegend, die gleichzeitig auch zu einer Reise in die Vergangenheit wird.

Filmemacherin Yuki Tanada gelingt eine gute Mischung aus Komödie und Drama. Die beiden Hauptcharaktere spiegeln dabei beide Seiten sehr gut wieder. Hachiko wandelt auf den Spuren ihrer Kindheit, leidet noch unter dem Trauma der Scheidung und ist sehr in sich gekehrt. Sakuraba hingegen verkörpert den liebenswerten Tollpatsch, der sich mit viel Selbstironie durchs Leben kämpft und selbst auch schon geschiedener Vater einer 9 – Jährigen Tochter ist. Er geht die Dinge prakmatisch an und wirkt im Gegensatz zu Hachiko daher etwas unüberlegter in seinen Entscheidungen. Dies führt zum lustigen Unterton im Film.

Mit dem Badeort Hakone verbinden beide die Erinnerung an bessere Tage. Auch Sakuraba kam früher mit seiner Tochter dorthin. Jetzt hat er sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen.

Unwillkürlich führt die gemeinsame Aufgabe zu erotischen Spannungen zwischen den beiden, die aber nicht erfüllt werden. Der Altersunterschied von 20 Jahren lässt Parallelen zu Lost in Translation  erkennen. Beide Charaktere fühlen eine gewisse Zuneigung füreinander, aber der Film erlaubt es ihnen nicht zusammen zu finden.

In einer langen Schlafzimmerszene, ohne Schnitt, kommt es zu einem Geständnis von Sakuraba. Den Job des Produzenten und die Jagd nach dem nächsten großen Budget für ein Filmprojekt sei lediglich der Wunsch seine Frau und seine Tochter mit einem großen Blockbuster – Hit wieder für sich zu gewinnen. Der sonst so vor Lebensfreude strotzende Charakter lässt hier für einen Moment eine tiefere Ebene erkennen, die von Sehnsucht geprägt ist.

Schauspielerisch zeigt Sakuraba hier auch seine größten Stärken. Gespielt von Kôji Ohkura entfaltet die Figur zunächst eine gewisse Anti-Pathie, die auch auf Grund seines ungewöhnlichen Äußeren entsteht. Doch der erste Eindruck täuscht und Sakuraba entwickelt eine enorme Präsenz auf der Leinwand und wechselt in der Beziehung zu Hachiko immer wieder zwischen Vaterfigur und Liebhaber. Zwischen Ratgeber und Trostspender.

Hachicko wird gespielt vom japanischen Pop-Star Yuko Oshima, die vorallem durch ihre Beteiligung an der Girl Group AKB48 bekannt wurde und parallel in etlichen Filmen und Serien zu einer Art Pop-Industrie Roboter ausgebildet wurde. Ihre Rolle wirkt daher oft mechanisch und kann nicht so überzeugen wie Sakuraba. Aber ihre Beteiligung ist auf Grund ihrer enormen Bekanntheit wohl das Zugpferd des Filmes an den Kinokassen. Trotzdem kann man ihr ein gewisses schauspielerisches Talent nicht absprechen.

Das Ende des Films, ohne zu viel zu verraten, überlässt Vieles der Fantasie, ist aber dennoch zufriedenstellend.

 

#25 „Bakuman.“ (2015)

Der Beruf des Manga-ka ist der Traumberuf vieler Schüler in Japan. MASHIRO, dessen Onkel bereits ein berühmter Manga-ka war, hat eine Leidenschaft fürs Zeichnen und findet im Schulkameraden Takagi einen ebenso begeisterten Hobbyautor mit dem er versucht einen Erfolgstitel im landesweit bekanntesten Magazin für Mangas, dem Weekly Shōnen Jump, zu platzieren.

Der Titel des Filmes BAKUMAN. bezieht sich auf die von Mashiro´s Onkel erfundene,  fiktive Mangaserie Bakuman, die erfolgreich im Weekly Shounen Jump erschien, bis er schließlich unter dem Druck, jede Woche eine neue Episode abliefern zu müssen, zusammenbrach und starb.

Mashiro will nun in die Fußstapfen seines Onkels treten und entwirft zusammen mit Takagi einige Konzepte, die er beim Verlag vorlegt. Nach langem Zögern und etlichen Verbesserungen bekommen die beiden die Chance ihre eigene Mangaserie zu kreieren. Von nun an stehen sie in direkter Konkurrenz mit den anderen Manga-ka, die ihre Mangas im Magazin veröffentlichen. Allen voran EIJI NIIZUMA, einem Wunderkind, der seit dem sechsten Lebensjahr Mangas entwirft.

Seinem Genius scheinen Mashiro und Takagi nicht gewachsen. Bis sie sich für eine gewagte Wendung ihres Skriptes entscheiden. Sie lassen den Hauptcharakter sterben und ersetzen ihn bereits zu Beginn der Geschichte mit einer neuen, weiblichen Figur, die inspiriert ist von AZUKI, einer Klassenkameradin, in die Mashiro verliebt ist und die als Synchronsprecherin arbeitet.

Mit der geänderten Story gelingt es ihnen an NIIZUMA vorbei auf Platz 1 des Rankings zu kommen. Doch die Fortsetzung ihrer Serie scheitert an der Einhaltung der Deadline und sie müssen sich letztendlich dem Zeitdruck beugen. Nach drei Ausgaben ihres Mangas wird die Serie im Weekly Shounen Jump eingestellt.

Wie sollte es anders sein, der Film BAKUMAN. basiert auf dem gleichnamigen Manga von Tsugumi Ouba und Takeshi Obata. Ihr Manga wurde 2003 fortlaufend im Weekly Shounen Jump veröffentlicht und brachte drei Anime – Staffeln zu Tage und schließlich die hier vorgestellte Realverfilmung. Die Manga-ka Oubu und Obata sind hierzulande vor allem durch ihre erste Kooperation, Death Note, bekannt, welche ungefähr die selbe Vermarktungskette wie Bakuman. mit sich zog. Damit steht Bakuman. in der langen Tradition von Manga Verfilmungen an deren Spitze derzeit Filme wie Attack on Titan, Assassination Classroom oder Parasyte stehen und mit jungen, beliebten Schauspielern versuchen die Story des ursprünglichen Mangas bestmöglich zu verwerten.

Bei solchen kommerziellen Mainstreamproduktionen droht schnell das Abdriften in die Oberflächlichkeit und ins Klischee. Bakuman. schafft mit Hilfe der Selbstreflexivität gerade so die Balance. Zum einen ist er mit einem hervorragenden Cast besetzt, der einen Querschnitt durch die momentan angesagten Teenie – Idole Japans bietet. Zum anderen spielen diese teils sehr plump und uninspiriert.

Thematisch zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Einblick in die Welt der Manga-ka ist sehr zugänglich dargestellt und äußerst kritisch. Eine Ode an die Welt der Mangas sieht definitiv anders aus, ist aber in diesem Zusammenhang nicht zu erwarten, da es ja gerade um den Druck in der Branche geht. Es wird sehr schön gezeigt, welcher Arbeitsaufwand mit der Entstehung weniger Seiten verbunden ist. Teilweise arbeitet ein einziger Zeichner zwei Tage oder mehr an einem einzigen Teller, der durch das Bild fliegt. Diese fast unmenschliche Leistung und die Herausforderung, vor die sowohl Autoren als auch Zeichner jede Woche von neuem gestellt werden machen den interessanten Teil des Filmes aus. Als eine Art Making-Of begleitet man die Charaktere beim Entstehungsprozess.

Fürchterlich hingegen ist die Liebesgeschichte zwischen Mashiro und Azuki erzählt. Sie wirkt aufgezwungen und unnatürlich. Hier herrscht leider kollektives Versagen: Schauspielerisch, Technisch und Erzählerisch. Die Szenen zwischen den beiden wirken wie aus einem anderen Film und passen einfach nicht in das Gesamtwerk. Die Motivation Azuki als Inspiration für die neue Figur des Mangas zu nehmen ist verständlich, aber nicht überzeugend dargestellt.

Wenn man sich diesen Teil wegdenkt, dann bleibt ein aufklärender Film über die Welt des Mangas und seiner Fans, der zudem stellenweise mit ganz nett anzusehenden Tricks, reale und gezeichnete Welt miteinander verschmelzen lässt.

 

 

#24 „In za pûru“ (2005)

„In za pûru“

aka

„In the Pool“.

Eine Dauererektion. Eine Zwangsstörung. Die Sucht nach Schwimmen.

Zwei von diesen drei Fällen behandelt der Neurologe DR. IRABU, der mit unkonventionellen Methoden versucht in die Psyche seiner Patienten einzutauchen und ihre Probleme zu lösen.

TETSUYA TAGUCHI ist ein Büroangestellter, der nicht „abschalten“ kann. Schon seit Wochen plagt ihn eine Dauererektion. Bevor Dr. Irabu den Zusammenhang zwischen Erektion und Taguchi´s Ex – Frau herstellt, durchläuft Taguchi etliche peinliche Alltagssituationen (unter anderem einen Onsen – Besuch mit Geschäftspartnern) und kommt auch nicht um eine Konfrontation mit seiner Ex – Frau herum.

SUZUMI IWAMURA ist Reporterin bei einer lokalen Zeitung. Doch kaum hat sie das Haus verlassen bleibt sie wie angewurzelt stehen und rennt blitzschnell zurück in ihr Appartement. Grund dafür ist eine Zwangsneurose. Ständig denkt sie etwas zu Hause vergessen zu haben. Sei es den Herd auszuschalten, das Haustier zu füttern oder die Lüftung abzudrehen. Alles führt bei ihr zu einem Kopfkino, an dessen Ende immer die zerstörte Wohnung steht.

KAZUO OHMORI ist nicht bei Dr. Irabu in Behandlung. Er ist leitender Angestellter und baut Stress durch Schwimmen ab. Sein Leiden beginnt als das Schwimmbad zu gewissen Zeiten zusperrt und er auch krankheitsbedingt nicht mehr regelmäßig schwimmen gehen kann. KAZUO merkt, dass er eine Abhängigkeit zu dem Sport und dem Gefühl von Wasser auf der Haut entwickelt hat.

Bevor Regisseur Satoshi Miki seinen großen Erfolgsfilm Tenten realisierte, machte er mit IN ZA PÛRU die ersten Schritte ins Filmgeschäft. Skurrilität und verschrobene Charaktere sind das Markenzeichen seiner Filme. Dazu kommt ein trockener Humor, der sich schon im Debütfilm zeigt.

Auf diese Art und Weise werden psychische Erkrankungen vorgestellt und gleichzeitig parodiert. Dr. Irabu nimmt bei seinen Behandlungen kein Blatt vor den Mund und setzt auf Konfrontation mit den Ängsten der Patienten und erzeugt dadurch etliche peinliche Situationen. In deren Mittelpunkt steht weniger die Komik an sich, sondern mehr die Banalität alltäglicher Situationen.

Quellen:

http://www.lovehkfilm.com/panasia/in_the_pool.html

 

#9 „Samehada otoko to momojiri onna“ (1998)

Samehada otoko to momojiri onna

aka

Shark Skin Man and Peach Hip Girl“.

Toshiko wird Zeugin eines Banküberfalls. Samehada ist der Bankräuber.

Zwei Jahre nach dem Überfall ist Samehada mit dem Geld eines Yakuza-Clans auf der Flucht und wird durch Toshiko per Zufall vor den Gangstern gerettet.

Bis vor Kurzem hatte Toshiko

noch im Hotel ihres Onkels gearbeitet. Da dieser sie sexuell belästigt, beschließt sie weg zu laufen und das Schicksal bringt sie mit Samehada zusammen.

Ihr Onkel will Toshiko zurückholen und setzt einen Killer auf Samehada an. Es beginnt eine Wettstreit zwischen den Yakuza-Gangstern und dem Killer.

Wer findet die beiden zuerst?

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Basierend auf dem Manga „Daisharin“ von Minetarō Mochizuki ist dieser Film das Erstlingswerk von Regisseur Katsuhito Ishii.

Der Comic Ursprung lebt in den überzeichneten Charakteren und dem schwarzen Humor weiter. So diskutieren die Gangster in kurzen Zwischenszenen banale Themen des Alltags und man merkt, dass der Film diese Bösewicht nicht ganz ernst nimmt. Darin liegt unter anderem die Stärke des Films.

Dazu passt die Rolle des Anti-Helden Samehada und seiner „Bonny“ Toshiko. Gespielt von Tadanobu Asano, der später in Ichi the Killer auch einer breiten Masse außerhalb von Japan bekannt wurde, ist die Rolle des Hauptdarsteller sehr gut besetzt.

Generell ist die Auswahl der Schauspieler sehr hochkarätig für einen Debutfilm. Susumi Terajima (Hana-bi, Postman Blues) spielt einen Yakuza, der die Seiten wechselt. Ittoku Kishibe (Survive Style 5+, Violent Cop) in der Rolle des Bosses, mit einem Fabel für Messer.

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Regisseur Ishii schafft es damit Schauspieler für seinen Film zu gewinnen, die sowohl davor als auch danach genau für solche Rollen beim Publikum bekannt (geworden) sind.

Davon profitiert der Film natürlich und der Mix aus Action und Comedy wirkt an den wenigsten Stellen unausgeglichen.

 

 

Amazon-Link:

Shark Skin Man & Peach Hip Girl

 

#6 „Survive Style 5+“ (2004)

Survive Style 5+“

aka

Survive Style“.

5 skurrile Kurzgeschichten, die locker miteinander verbunden sind.

Ein Familienvater wird zum Vogel. Eine ermordete Frau kehrt immer und immer wieder von den Toten zurück. Ein britischer Killer fragt nach dem Sinn des Lebens. Eine Gruppe junger Männer schlägt sich die Nacht um die Ohren. Eine Werbefachfrau verliert ihr Tonband.

Eins vorne weg: Der Film lässt sich schwer einordnen. „Survive Style 5+“ ist ein GENRE-MIX, der irgendwo zwischen Komödie, Horror, Fantasy und Drama angesiedelt ist.

Wenn das Genre keine Hilfe ist, um den Film abzustecken, dann hilft vielleicht die Orientierung an der Machart des Films. FARBEN, KAMERAEINSTELLUNGEN und FILMSETS sind außergewöhnlich. Die hellen Pastellfarben, der Blick der Kamera von einer oberen Ecke in den Raum hinein, die Kamerafahrt aus der Sicht des Protagonisten, die Großaufnahme von Gesichtern, und die exzentrische Einrichtung der Handlungsorte, überspitzen den Film.

Das kitschige Setting einiger Episoden erinnert an das infame Video von Kyary Pamyu Pamyu:

„Survive Style 5+“ wirkt dadurch wie ein überlanger WERBE- bzw. MUSIKVIDEOCLIP. Die einzelnen Episoden des Films sind surrealistisch und können sich mit der ein oder anderen absurden Folge der Twilight Zone messen.

Aber man darf den Film auf Grund seiner schrillen Ästhetik und der abschnittsweisen dumpfen Gewalt nicht unterbewerten. Subtil erzählt er von Themen wie menschlicher Nähe, Liebe und Reue. Diese Themen werden im zweiten Film des Regisseurs Gen Sekiguchi, Sabi otoko sabi onna, in Form einer reinen Romantic-Comedy offensichtlicher.

„Survive Style 5+“ bleibt als ein, selbst für japanische Verhältnisse, ungewöhnlicher Film in Erinnerung und, wie es eine Lehrerin im Film ausdrückt: „Ungewöhnlich ist gut.“

#3 „Sûpâ no Onna“ (1996)

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aka

Supermarket Woman“.

Der Supermarkt von Goro Kobayashi steht nach der Eröffnung des Konkurrenten „Bargains Galore“ kurz vor der Pleite und droht von ihm geschluckt zu werden. Als er seine alte Schulfreundin Hanako wiedertrifft, hilft ihm die clevere Hausfrau den Konkurrenzkampf aufzunehmen.

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Der Film über die Führung eines Supermarktes klingt langweiliger als er ist. Hanakos Methoden, um frischen Wind in die Service-Wüste von Goro´s Supermarkt zu bringen stoßen schon sehr bald auf den Widerstand der alteingessenen Mitarbeiter und des Managements. Schnell bilden sich zwei Lager heraus. Auf der einen Seite Hanako und die Kunden, welche sie versucht als Stammkunden zurück zu gewinnen. Auf der anderen Seite, die Metzger- , und Sushi Meister und das Management. Die Meister wollen, ihrer Zunft angemessen, höchste Qualität liefern und achten dabei aber nicht auf die Wünsche der Kunden und lassen sich nichts einreden. Das Management will möglichst gewinnbringend Ware verkaufen und hält daher die Metzger dazu an, altes Fleisch neu zu verpacken. Hinzu kommen korrupte Mitarbeiter und natürlich auch die Konkurrenz von „Bargains Galore“, die alle Hebel in Bewegung setzen, um Hanako den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ihr Chef Goro Kobayashi steht zwischen den Stühlen und versucht zudem die alte Jugendliebe zu Hanako wieder aufleben zu lassen.

Was für den Zuschauer darüberhinaus wohl am interessantesten ist, sind die entlarvenden Techniken der Händler. Der Film wirkt an manchen Stellen sehr realistisch und man könnte meinen, dass man gerade echten Mitarbeitern eines Supermarktes bei der Arbeit zuschaut. Mit einem Augenzwinkern vermittelt der Film hier Basiswissen in Verhandlungs- und Verkaufsstrategie.

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Hauptdarstellerin Nobuko Miyamoto spielt die Rolle der gewieften, emanzipierte Frau mit Geschäftssinn, die immer an das Wohl des Kunden denkt. Sie stellt ihre männlichen Kollegen in den Schatten, denunziert sie aber nicht, sondern motiviert sie dazu Neues zu wagen und ihren Träumen zu folgen.

Sie ist prägend für die Filme von Regisseur Juzo Itami. Sie waren nicht nur bis zu seinem, bis heute nicht ganz einwandfrei aufgeklärten, Selbstmord liiert, sondern sie spielt auch in all seinen Filmen die Hauptrolle. Sei es als Steuerfahnderin in Marusa no Onna, als Anwältin in Minbo oder als Nudelköchin in Tampopo. Nobuko Miyamoto ist das Gesicht seiner Filme.

Wie schon in seinen anderen Filmen schafft es Itami eine lockere Stimmung aufzubauen, die den ganzen Film über dahinschwebbt. Untermalt von  jazziger Supermarktmusik, die einen ganz vergessen lässt wie schnell die Zeit vergeht, schaut man den Kunden beim Wiederentdecken des Supermarktes zu. Es ist aber auch kein Blödelfilm. Die Rettung des Supermarktes und die Bedürfnisbefriedigung der Kunden stehen im Mittelpunkt. Dem Film gelingt dadurch eine Balance zwischen Komödie, seichtem Drama und Romanze zu halten. Ein richtiger Wohlfühl-Film.