#60 „Bakumatsu taiyôden“ (1957)

„Bakumatsu taiyôden“

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„Sun in the Last Days of the Shogunate“

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„The Sun Legend of the End of the Tokugawa Era“.

Japan im Jahr 1862. Wir befinden uns im Tokyoter Stadtteil Shinagawa, bekannt für seine hohe Dichte an Freudenhäusern. Mittelpunkt der Handlung ist ein Etablissement namens „Sagami Inn“. Dort verkehrt auch SAHEIJI, ein Rumtreiber, der seine Rechnung nicht bezahlen kann. So kommt es, dass er seine Schulden vor Ort als „Mädchen für Alles“ abarbeiten muss. Der einstige Gast ist nun Angestellter. Zunächst als Plage von allen gesehen, mausert er sich mit viel Witz und Gerissenheit, zu einem unersetzbaren Teil der Belegschaft.

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Der Hauptprotagonist wird gespielt von Frankie Sakai, der für seine Rolle mit dem Blue Ribbon Award ausgezeichnet wurde. Sakai gelingt eine fast beispiellose schauspielerische Leistung auf dem Gebiet der Komödie. Seine Figur SAHEIJI ist ein Wirbelwind, der, immer auf den eigenen Vorteil bedacht, die passende Rettung parat hat, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Dieser Stereotyp des liebenswerten Schlitzohrs prägt den gesamten Film.

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Regisseur Yûzô Kawashima spricht zu Beginn des Films ein kleines, aber wichtiges Detail an. Die Stimme des Filmemachers berichtet, zu den Bildern des Viertels Shinagawa aus den 1950er-Jahren, von einem bevorstehenden Prostitutionsverbot. Tatsächlich gab es ein Gesetz, welches 1958 in Kraft trat, nach dem jegliche Anpreisung von sexuellen Diensten und die Führung von Amüsierbetrieben als illegal angesehen wurde. Mit diesem Prolog leitet Kawashima in die 1860er-Jahre über und kommentiert aktuelle Geschehnisse mit einem Blick in die Vergangenheit.

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Diese Art der Kritik deutet voraus und markiert zugleich den Übergang von den Melodramen der 1950er hin zu einer jüngeren Generation von Filmemachern, die sich unter der Japanese New Wave zusammenfinden, um sich kritisch mit aktuellen Problemen auseinanderzusetzen. Nicht verwunderlich also, dass Kawashima großen Einfluss auf New Wave Regisseure wie zum Beispiel Shohei Imamura hatte. Imamura selbst drehte sogar ein Remake von BAKUMATSU TAIYOUDEN, welches er unter dem Titel Eijanakai 1981 veröffentlichte.

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Der Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die Ausprägung von universellen Charakterzügen und die Fähigkeit komödiantische Elemente mit tragischen Handlungsverläufen zu verbinden, machen BAKUMATSU TAIYOUDEN zu einem zeitlosen Klassiker des japanischen Kinos. Das renommierteste Filmmagazin Japans, Kinema Junpo, nannte den Film daher völlig zu Recht als einen der fünf besten japanischen Filme aller Zeiten.

Trailer

 

 

 

#57 „Linda Linda Linda“ (2005)

Noch 3 Tage bis zum großen Schulfest. Eine Schülerinnen-Band plant ihren großen Auftritt. Doch Streitereien treiben die Gruppe auseinander. KEI, KYOKO und NOZOMI bleiben zurück. Ihre Sängerin schmeißt hin.

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Doch wo Ersatz finden? Als nicht gerade beste und erste Wahl erscheint ihnen SON. Die Austauschschülerin aus Korea, deren japanisch mindestens genauso schlecht ist wie ihr Gesang, hängt sich aber voll rein und schweißt die Mädchenclique zusammen. Die Vier geben sich den Namen PARANMAUM und stürzen sich in die Proben. Statt eigene Kompositionen, beschließen sie Lieder der Blue Hearts zu spielen. Eine legendäre japanische Punkband der 80er- und 90er Jahre.

Wie der Trailer schon zeigt, dreht sich bei LINDA LINDA LINDA alles um die Musik. Und die ist dabei auch schon das einzige Highlight des Films. Die Konflikte der Protagonistinnen rund um Liebe, Freundschaft und Zukunftsängste wirken sehr flach und erwecken den Eindruck, dass sie nur als bloße Handlungselemente dienen, die abgearbeitet werden, um die  dürftige Story zusammenhalten.

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Angesichts der vielversprechenden Schauspielerinnen leider etwas enttäuschend. Von denen überzeugt auch nur die Hauptdarstellerin, Bae Doona, die hier ihre Leistung aus Sympathy for Mr. Vegeance und dem später folgenden The Host sogar noch übertrifft. Ihre Kombination aus Dusseligkeit und Kampfgeist verkörpert in gewisser Weise die Botschaft der Songs.

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Da die Handlung und ihre Charaktere die Probleme der Teenager nur mittelmäßig vermitteln können, wandert der Aufmerksamkeitsfokus des Zusehers immer mehr auf die Musik. Als Musikfilm brilliert LINDA LINDA LINDA, weil er so ungewollt die Botschaft und die Melodien der BLUE HEARTS als positives Alleinstellungsmerkmal vorstellt. Allerdings schafft er es nicht Handlung und Musik zu einer Einheit verschmelzen zu lassen.

LINDA LINDA LINDA bezieht sich auf den großen Hit der BLUE HEARTS. PARANMAUM covern im Film drei Lieder der Band. Neben dem bereits genannten „Linda Linda Linda“, spielen sie noch die beiden Songs „Boku no migite“ (Meine rechte Hand) und „Owaranai Uta“ (Das nie endende Lied). Unterstützt wurden sie dabei von James Iha, dem Ex-Bassisten der Smashing Pumpkins. Die Liebe zu den Original-Songs zeigt sich besonders in den Proben-Szenen. Hier bekommt man für einen Bruchteil des Films einen authentischen Eindruck des Probenalltags und von der harten Arbeit, die hinter einem Auftritt steckt. Leider sind diese Szenen viel zu selten im Film zu sehen.

Unterm Strich bleiben die lieblosen Charaktere zurück, die ohne Hintergrund in den Film hineingeworfen werden. Auch das Potenzial die interkulturelle Kommunikation zwischen Korea und Japan an Hand der Hauptfigur SON aufzugreifen geht im Verlauf des Films verloren.

Eine Filmempfehlung nur für diejenigen, die entweder seichte High School Dramen mögen oder ein Fan der BLUE HEARTS sind. Hoffnung macht aber ein neue Produktion von 2017. Der Film mit  dem naheliegenden Titel THE BLUE HEARTS zeigt in sechs Episoden sechs verschiedene Geschichte, die sich alle um Songs der Blue Hearts drehen. Vielleicht die etwas reifere Variante, um sich mit der Musik der Blue Hearts zu beschäftigen. Ansonsten ist es vielleicht in manchen Fällen einfach besser die Musik für sich selbst sprechen zu lassen.

 

 

 

 

#55 „Kisaragi“ (2007)

Fünf Männer haben sich in einem Internetforum verabredet. Sie treffen sich in einer angemieteten Lagerhalle. Anlass ist der erste Todestag ihres Idols: Kisaragi Miki.

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Kisaragi Miki  war Model und eine drittklassige Sängerin. Trotz ihrer unterdurchschnittlichen Mittelmäßigkeit widmeten die fünf Männer ihre ganze Freizeit dem Leben des jungen Mädchens. Als sie sich völlig unerwartet das Leben nimmt, bricht für die Fans eine Welt zusammen.

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Das Treffen beginnt zunächst als Gedenkparty. Es gibt Essen und Trinken. Doch die informelle Absicht des Treffens wird zunehmend formeller und ernster. Denn keiner der Anwesenden ist der, der er vorgibt zu sein und die Theorie von Kisaragis Selbstmord wird plötzlich in Frage gestellt. Ist einer der Anwesenden verantwortlich für ihren Tod?

In KISARAGI vermischen sich die klassisch überdrehten, japanischen Komödienelemente mit dem Whodunit. Etwas parodistisch gleitet der Film dabei immer stärker ab. Die Wendungen erscheinen sehr übertrieben, auch wenn sie so gewollt sind. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Geschichte.

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Jede Wendung und jede neue Erkenntnis wird mit größter Verwunderung aufgenommen. Der Film bleibt dadurch spannend, doch gerade gegen Ende hin sehnt man sich endlich nach einer Aufklärung.

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In seinem Kontext ist der Film dahingehend auch interessant, da er Einblick in die Welt der Idols bzw. ihrer Fans gibt. Hierbei handelt es sich um ein japanisches Phänomen, dessen Auswüchse schon in der Kritik zu Otaku (1994) beschrieben wurden. Die erwachsenen Männer tauschen sich über ihre Idol-Sammlungen aus, die nicht nur aus Autogrammen und Fotos bestehen, sondern auch aus persönlichen Briefen und Gegenständen des Idols. Die Fan-Kultur hat sie zusammen gebracht und ihnen die Möglichkeit gegeben sich, über die gesellschaftlichen Grenzen hinweg, auszutauschen.

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Das Internet, der Ort an dem sich die Fünf organisiert haben, bot den Männern bisher die Möglichkeit ihre Identität zu verdecken. Die Organisation solcher Fan-Gruppen im Internet verweist auf andere Phänomene wie die sogenannten Imageboards, die in Japan 2channel als prominentesten Vertreter bekannt gemacht haben. Die Nutzung solcher Foren als Mittel der Kommunikation findet besonders in dem Manga und in der dazu entstandenen Serie Densha Otoko popkulturelle Aufarbeitung.

Jenseits der Online-Welt treffen sich die Nutzer des Forums nun aber in der Realität und merken, dass auch hier alle vorgeben jemand zu sein. Darin besteht der Subtext des Films, dessen eigentliche Handlung sich um den Selbstmord von Kisaragi Miki dreht.

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Damit bietet KISARAGI Vieles für Viele und erlaubt dem Zuschauer, das für sich herauszunehmen, was für ihn am ansprechendsten ist.

#49 „Meikurûmu“ (2015)

„Meikurûmu“

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„The Make-Up Room“.

Ein Raum, eine Maskenbildnerin und fünf Pornodarstellerinnen. Das ist die Ausgangslage für Kei Morikawas Kammerspiel. Der Film zeigt die Arbeit hinter den Kulissen eines Erotikfilmes und beschränkt sich dabei ausschließlich auf den Raum, in dem die Mädchen hergerichtet werden und sich umziehen.

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Später verlagern sich Teile der Dreharbeiten des Pornos in den Raum. Das Kamerateam dreht Interview-Szenen mit den Darstellerinnen und die Maskenbildnerin muss kurzzeitig Platz machen.

Der Ensemblefilm spielt mit dem Zuschauer. Explizit pornographische Szenen werden vermieden und höchstens hier und da angedeutet. Es wird mehr darüber gesprochen als das es gezeigt wird. Selbstreflexiv behandeln die Schauspielerinnen ihre Arbeit; gleichzeitig bricht Morikawa die imaginäre Wand zwischen Zuschauer und Film auf indem das Publikum in machen Szenen direkt adressiert wird.

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Die 5 Erotikdarstellerinnen haben alle unterschiedlichen Background und verschiedene Erfahrungslevel in der Branche. Die Maskenbildnerin fungiert als Vertrauensperson für die Frauen. Sie spricht ihnen Mut zu, macht Späße und hat ein offenes Ohr für ihre Probleme. Generell wirkt die Stimmung hinter den Kulissen sehr fröhlich. Die Darstellerinnen werden zuvorkommend behandelt.

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Der Film normalisiert dadurch ein Stück weit die Pornoindustrie. Indem Bereiche der Arbeitswelt gezeigt werden, die normal nicht zugänglich sind, entsteht ein Artikulationsraum für Personen, die dieser Professionalität nachgehen. Die Frauen werden auch nicht als Opfer einer schmuddeligen Industrie dargestellt. Die Tatsache, dass eine komödiantische Handlung in diesem Rahmen möglich ist, verstärkt das Verständnis für die Darstellerinnen und für alle, die an einem solchen Dreh beteiligt sind. Im Endeffekt ist es für sie ein Job wie jeder andere auch.

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Regisseur KEI MORIKAWA weiß wovon er spricht. Er war zuvor 20 Jahre in der Erotikbranche und hat in dieser Zeit bei über 200 Pornos Regie geführt. Mit seinem Hintergrundwissen gelingt ihm in MAKE-UP ROOM ein nüchternes Porträt einer missachteten Branche.

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Morikawa schließt eine Lücke in der japanischen Filmwelt. Blieben die Hardcore-Filme und die Softcore Produktionen, die sogenannten Pinku Eiga, bislang weitestgehend unkommentiert für sich stehen, so betrachtet MAKE-UP ROOM die Entstehung eines solchen Filmes in einer nicht-erotischen Herangehensweise. Quasi dokumentarisch, mit einfachen Mitteln der Inszenierung blickt er als Insider von Außen auf die Branche. Anders als die Pinku-Eiga verklärt er die Sexulität nicht in einer künstlerisch hochstilisierten Ästhetik oder Esoterik, sondern benutzt Mittel des Theaters, um die Pornoproduktion in einem realistischen und menschlichen Licht zu zeigen.

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Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet, so dass 2016 eine Fortsetzung mit dem Titel Make-Up Room 2 veröffentlich wurde. Der Erfolg des ersten Teils spricht für die Neugier des Publikums mehr über solche Lebensentwürfe zu erfahren. Zwar gab es mit Kabukicho Love Hotel bereits 2014 einen großen Hit, der sich unter anderem mit dem Thema der Sexarbeit in Japan auseinandersetzte, aber er tat dies in einem weniger explizit auf die Pornoindustrie ausgerichteten Rahmen. Zählt man noch Skinless Night von ROKURU MOCHIZUKI aus dem Jahr 1991 dazu, dann bildeten diese zwei Titel bislang den kleinen Korpus an Filmen, die sich dieser Thematik widmeten. Umso interessanter, dass es mit MAKE-UP ROOM nun einen Neuzugang gibt, der zudem von Menschen aus der Pornoindustrie produziert wurde.

 

#48 „Arigatô-san“ (1936)

„Arigatô-san“

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„Mr. Thank-you“.

Der Film erzählt die Geschichte von Arigatô-San. Er ist Busfahrer und fährt regelmäßig die Strecke zwischen Izu und Tokyo. Sein Spitzname Arigatô-san kommt daher, dass er sich jedesmal, wenn jemand auf der Straße Platz für seinen Bus macht, mit einem kräftigen „Arigatô!“ („Danke“) erkenntlich zeigt.

Auf der knapp 200 Kilometer langen Fahrt steigen immer wieder Leute ein und aus. Eine Konstante ist ein Mutter-Tochter Paar. Sie sind seit Beginn der Reise im Bus und wollen nach Tokyo. Die Mutter hat ihre Tochter als Hausdame an einen reichen Haushalt in Tokyo verkauft, da sie das Geld brauchen. Den beiden ist dies äußerst peinlich und sie denken sich jedesmal eine neue Ausrede aus, wenn sie von zugestiegenen Passagieren nach dem Grund ihrer Reise gefragt werden.

Die finanzielle Notlage wird hier stark thematisiert. Menschen suchen ihr Glück in der Großstadt, gleichzeitig kehren gescheiterte Existenzen aus der Großstadt zurück in ihre Heimatdörfer.

ARIGATô-SAN ist ein Reisefilm, der ein Abbild des alltäglichen Lebens in Japan zur Zeit der Depression entwirft. Menschen und Gegenden verschmelzen darin. Dazu gibt der Film den Blick frei auf landschaftliche Kulissen. Von der Küstenstadt Izu über die Berge von Amagi bis hin zu kleinen Dörfern und Bahnhöfen, in denen die Zeit still zu stehen scheint. Arigatou-San ist hier auch ein Überbringer von Neuigkeiten und berichtet den Dorfbewohnern was in anderen Dörfern passiert. In der schweren Zeit ist der Busfahrer ein stets gutgelaunter Ankerpunkt, an dem sich alles zu sammeln scheint und in dessen Bus alle möglichen Leute zusammenkommen.

Der im Westen nahezu unbekannte Regisseur Hiroshi Shimizu bezieht sich mit seinem Film auf die Anfänge des frühen Films. Die Zugfahrten in den Filmen der Gebrüder Lumière und die tableauartigen Kulissen werden hier zitiert. Daher gleicht der Film auch den sogenannten Phantomfahrten, in der die Kamera auf dem Dach eines Fahrzeugs fest montiert wird, so dass der Eindruck entstehe, man fahre im Auto mit. Diese Art der subjektiven Kameraeinstellung findet sich in ARIGATô-SAN sehr häufig.

Wie in den meisten seiner 160 Filme schreckt Hiroshi Shimizu auch in ARIGATô-SAN nicht vor sozialem Kommentar zurück. Selbstreflexiv geht der Film auf die neuartige Technik des Tonfilms ein. So sprechen die Passagiere im Film selbst über diese Technologie.

Passenderweise ist ARIGATô-SAN auch einer der ersten japanischen Tonfilme. Eine weitere Premiere ist der Auftritt von Ken Uehara. Es ist seine erste Hauptrolle überhaupt. Später wird er ein nationaler und internationaler Star in den Filmen von Mikio Naruse und Yasujiro Ozu .

Regisseur Shimizu, der ein guter Freund von Ozu war und im selben Jahr geboren ist, setzte mit ARIGATô-SAN einen wichtigen Meilenstein für den japanischen Film. Die Entdeckung von Ken Uehara, der im späteren Verlauf seiner Karriere das Gesicht des japanischen Kinos wurde und der filmische Querschnitt durch alle sozialen Schichten Japans waren Vorbild für Viele, die heute als Legenden gefeiert werden.

 

Film in kompletter Länge:

 

 

#42 „Rajio no jikan“ (1997)

„Rajio no jikan“

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„Welcome Back, Mr. McDonald“

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„Radio-Zeit“.

Es ist 19:30 Uhr in einer Radiostation. Gerade sind die Proben für ein Live-Hörspiel, welches um 00:00 Uhr auf Sendung geht, zu Ende gegangen. Vorgetragen wird das Gewinnerstück eines Wettbewerbes. Die Autorin ist ebenfalls vor Ort und ganz aufgeregt, da sie auf ihren Durchbruch hofft.

Nachdem das komplette Stück einmal durchgesprochen wurde sind alle Beteiligten sehr zufrieden. Alle Beteiligten? Nein, nicht alle. Die Sprecherin der weiblichen Hauptrolle, Nokko, ist mit ihrer Rolle unzufrieden und fordert Änderungen.

Damit löst sie eine Lawine aus und was zunächst wie ein großer Erfolg aussieht läuft Gefahr ein totales Desaster zu werden. Denn die Zeit bis zur Live-Sendung wird immer knapper…

Auf fesselnde Art und Weise schafft Regisseur Kôki Mitani eine intelligente Komödie. Die Dosis zwischen Spannung und Humor ist genau austariert und verhindert das eines der beiden Genres die Überhand gewinnt. Viel mehr befeuern sich beide Seite. Die Albernheiten sind genau an den richtigen Stellen eingestreut und lassen die Handlung nicht ins Absurde driften. Die dramatischen Sequenzen werden aber auch nicht überdramatisiert, sondern dem Film geling es die dramatischen Spitzen durch Witz abzurunden. Die Schärfe und Ernsthaftigkeit der tatsächlichen Situation, die sich fast auschließlich in einem Raum abspielt, wird aufgelockert.

Dem Erstlingswerk von Mitani merkt man seine Theater-Herkunft an. Mitani benutzt lange, aufwendige Sequenzen mit Auf- und Abtritten der Schauspieler. Die Dynamik der Kamerafahrten bringt eine Natürlichkeit mit sich, die gleich von Beginn an die Stimmung des Films festlegt. Es ist klar, dass alle Personen unter Stress stehen. Trotzdem überträgt sich dieser Stress nicht auf den Zuschauer. Viel mehr fiebert er mit und wundert sich über die Problemlösungen.

Die Mischung aus Drama und Humor erzeugen eine Atmosphäre wie sie auch in vielen Komödie von Jûzô Itami zu finden ist (Tampopo / Supa no Onna etc.). Itami starb einen Monat nach der Veröffentlichung von RAJIO NO JIKAN, in dem es einige Gastauftritte von Schauspielern gibt, die zu seinem festen Ensemble gehörten (z.B. Ken Watanabe und Itamis Ehefrau Noboku Miyamoto). Der Film trägt daher sicherlich auch sein Erbe in sich.

RAJIO NO JIKAN kann sich mit Itamis Filmen messen und bringt frischen Wind in ein Genre welches in Japan oft den Balanceakt zwischen Albernheit und ernsthafter Aussage nicht hinbekommt. Ein Film, den man sich gerne mehrmals ansieht.

 

#35 „Tsuki wa dotchi ni dete iru“ (1993)

Tsuki wa dotchi ni dete iru“

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„Where is the Moon?“ / „All under the Moon“

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„Wo steht der Mond?“.

TADAO ist Taxifahrer in Tokyo und zusammen mit der Philippina CONNIE. Seine Mutter EIJUN betreibt einen Nachtclub, in der Connie als Bardame arbeitet.

Tadao u. Connie

EIJUN ist aus Nordkorea und hat ihren Sohn in Japan geboren. Damit sind sie beide ZAINICHI KOREANER. Der Ausdruck Zainichi Koreaner bezeichnet koreanischstämmige Japaner. Ihren Ursprung haben sie in der Kolonialzeit Japans, in der Korea von Japan besetzt wurde und im Zuge dessen Hunderttausende mehr oder weniger freiwillig nach Japan kamen.

Als Japan 1945 seine Kolonien aufgeben musste, gingen viele Koreaner wieder zurück nach Korea. Einige, ca. 600.000, blieben aber und bauten sich eine neue Existenz in Japan auf. Sie waren, und sind es immer noch, mit Diskriminierung konfrontiert. Besonders in der Nachkriegszeit hatten sie Probleme auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt und bekamen nicht die gleichen Rechte wie „normale“ Japaner zugesprochen. Von diesen Schikanen ist besonders die 1. Generation von Zainichi Koreanern geprägt, die zudem das Leid des 2. Weltkriegs miterlebt hat. Eijun stammt aus dieser Generation. Tadao hingegen gehört der 2. Generation von Zainichi Koreanern an.

Tadao mit seiner Mutter Eijun

ALL UNDER THE MOON zeigt die Unterschiede der beiden Generationen und macht sich lustig über Klischees. Der Film ist ein Novum, da er mit der Figur Tadaos einen Zainichi Koreaner zeigt, dem seine koreanischen Wurzeln relativ egal sind. Er nutzt sie nur als Mitleidsbonus, um sich bei den Frauen beliebt zu machen. Gleichzeitig macht er sich über die politische Korrektheit der Japaner lustig, die ihn mit Samthandschuhen anfassen, da die Zainichi Koreaner für sie immer noch eine nicht aufgearbeitete Thematik sind.

Connie symbolisiert eine neue Generation von Einwanderern, die in den 1990er – Jahren nach Japan kommt. Sie spricht perfektes japanisch mit einem so starken regionalen Slang, dass sogar Tadao, der, als ein in Japan Geborener, manche Ausdrücke nicht versteht. Der Film spielt mit den Erwartungshaltungen des Zuschauers und der Figuren. Connies Charakter ist selbstbewusst und emanzipiert. Für Eijun stellt sie eine Bedrohung dar. Eijun, die sich selbst schon als Japanerin versteht, macht ihr klar, dass sie wieder zurück auf die Philippinen soll. Sie, als Zainichi Koreanerin, ist gegen die neuen Einwanderer, die im Zuge des Wirtschaftsbooms nach Japan kommen.

ALL UNDER THE MOON zeigt die Paradoxie des Rassismus, der von Menschen ausgeht, die früher selbst darunter litten. Tadao allerdings verkörpert eine neue Generation von Zainichi Koreanern, die weder Japaner noch Koreaner sind. Die Gesellschaft weiß nicht mit ihnen umzugehen und will sie in eine der beiden Schubladen stecken. Für Tadao selbst gibt es aber keine passende Schublade. Er will nur sein Leben leben, wie jeder andere auch und ist an solchen Fragen überhaupt nicht interessiert.

Regisseur Sai Yoichi, selbst Zainichi Koreaner, präsentiert einen typischen Slice – of – Life Film, der mit alltäglichen Situationen und Komik einen vollkommen neuen Zugang zur filmischen Repräsentation von Minderheiten im japanischen Film geschaffen hat. Er löste damit eine Welle an Minderheitenfilmen aus, die sich über die 90er – Jahre hinweg bis zum Korea Boom zu Beginn der 2000er hielt.

In Japan wurde der Film als Meilenstein gefeiert und als neue Ausdrucksmöglichkeit für eine vergessene Generation. Im Ausland ist der Film größtenteils unbekannt. Sai Yoichis späterer Minderheiten-Film Blood & Bones, mit Superstar Takeshi Kitano, findet sich hingegen in fast jedem Elektrofachmarkt und präsentiert das „nostalgische“ Klischee des gewaltbereiten Familientyrannen.

#32 „Erleuchtung garantiert“ (1999)

Als Uwe von der Arbeit nach Hause kommt findet er eine leergeräumte Wohnung vor. Seine Frau hat ihn verlassen und ist mit beiden Kindern von einem Tag auf den anderen ausgezogen.

Verzweifelt wendet sich Uwe an seinen Bruder Gustav, der am nächsten Morgen seine langgeplanten Reise in ein japanisches Zen – Kloster antritt.

Mit der Bitte ihn nicht allein zu lassen, bucht Gustav ein zweites Ticket und am folgenden Tag geht es mit einem verkaterten Uwe, der seine Entscheidung schon auf der Fahrt zum Flughafen bereut, da er mit Japan und Meditation nichts anfangen kann, nach Tokyo.

ERLEUCHTUNG GARANTIERT war der erste Film, den die deutsche Regisseurin Doris Dörrie in Japan drehte. 2016 ist mit Grüße aus Fukushima schon der vierte Film erschienen, der zumindest teilweise in Japan produziert wurde. Im Gegensatz zu dem weitläufig bekannten Kirschblüten erlaubt sich Dörrie in ihrem ersten Japanfilm einen improvisierten Umgang mit dem Land. Mit kleinen Handkameras und ohne Drehbuch entlässt sie Uwe Ochsenknecht und Gustav – Peter Wöhler in die Fremdheit.

Die dabei entstandenen, unfreiwillig komischen Situationen sind real und zeigen das direkte Aufeinandertreffen mit den Einheimischen. Der Gewöhnungsprozess und das  Zurechtfinden, zunächst in der Großstadt, später dann im Zen – Kloster, sind nicht gestellt. Schauspieler und Crew verbrachten einige Wochen im Kloster und erfuhren die tägliche Routine mit Meditation, Putzdienst und Aufstehen um 03:30 Uhr am eigenen Leib.

Die als Roadmovie inszenierte Komödie zeigt die Selbstfindung zweier unterschiedlicher Charaktere, die erst durch die Isolation, die sie in Japan erfahren, möglich wird. Nicht die Möglichkeit zu haben sich mit anderen zu verständigen wirft einen auf sich selbst zurück. Dörrie verzichtet dabei größtenteils auf die gängigen Japan Klischees und benutzt die Andersartigkeit des Landes nicht als Kulisse für Witze über dessen Einwohner. Wenn überhaupt sind die beiden Ausländer Grund für Lacher, da sie sich schon am ersten Tag in Tokyo hoffnungslos verlaufen und all ihr Geld verlieren.

Die Entwicklung von Uwe und Gustav verläuft zunächst diametral. Uwe passt sich besser an den ungewohnten Alltag im Kloster an als Gustav, der eigentlich von berufswegen her, er ist Feng Shui Berater, besser darauf vorbereitet sein sollte. Aber er ist zu sehr bemüht keinen Fehler zu begehen, hat zu viel Respekt vor den Ritualen und Angst vor den Mönchen etwas falsch zu machen. Wohingegen Uwe mit seinem Unwissen über die Bedeutung der Rituale eine Grundgelassenheit mitbringt, die ihn offen macht für den Lernprozess im Kloster.

Als Gustav schon kurz davor ist alles abzubrechen und nach Hause fahren will, erinnert ihn Uwe an die Grundprinzipien des Zen und überredet ihn zu bleiben. Gegenseitig unterstützen sich die beiden, geben sich Kraft. Die Brüder finden so im Laufe des Filmes nicht nur näher zu sich selbst, sondern näher zueinander und auch ein Stück weit näher zu der Mentalität des Landes.

Doris Dörrie gelingt mit ERLEUCHTUNG GARANTIERT ein erfrischend neuartiger Blick auf Japan. Ein Blick, der fast ganz ohne Klischees auskommt und nicht die Exotik des Landes in den Vordergrund stellt, sondern die Geschichte zweier Brüder.

 

 

#31 „Romansu“ (2015)

Romansu“

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„Round Trip Heart“.

Eine Familie verreist nach Hakone. Kurz darauf zerfällt das Familienglück. Der Vater verlässt die Familie, Frau und Tochter bleiben alleine zurück. Von nun an versucht die Mutter die Lücke mit vielen verschiedenen Männern zu füllen, schafft dies aber nicht, da sie den Ex – Ehemann nicht vergessen kann.

Die Tochter leidet unter den Männereskapaden der Mutter und verlässt nach der Schule schnell das zu Hause. 10 Jahre vergehen bis die Tochter einen Brief ihrer Mutter erhält, der zu einer schicksalhaften Begegnung führt.

So weit die Vorgeschichte zu ROMANSU.

Der Film beginnt mit der Tochter, HACHIKO HOJO, die inzwischen Zugbegleiterin geworden ist. Sie arbeitet ausgerechnet in der Zuglinie, die zwischen Tokyo und Hakone pendelt. Der sogenannte Odakyu Limited Express oder auch Romancecar genannt ist eben genau dieser Zug mit dem sie damals als Kind zusammen mit ihren Eltern den letzten Ausflug nach Hakone unternommen hat.

Auf einer ihrer Fahrten erwischt die vorbildliche Zugbegleiterin einen verschuldeten Filmproduzenten namens SAKURABA beim Diebstahl im Zug und meldet ihn bei der Ankunft in Hakone dem Bahnhofsvorsteher.

Doch der Beschuldigte ergreift die Flucht und entführt Hachiko mehr oder weniger. Er erfährt von dem Brief, den Hachiko von ihrer Mutter bekommen hat und erkennt darin eine vermeidliche Selbsttötungsabsicht. Der Brief gebe Hinweise darauf, dass sie plane sich in Hakone umzubringen. Gemeinsam starten sie eine Suche in der Gegend, die gleichzeitig auch zu einer Reise in die Vergangenheit wird.

Filmemacherin Yuki Tanada gelingt eine gute Mischung aus Komödie und Drama. Die beiden Hauptcharaktere spiegeln dabei beide Seiten sehr gut wieder. Hachiko wandelt auf den Spuren ihrer Kindheit, leidet noch unter dem Trauma der Scheidung und ist sehr in sich gekehrt. Sakuraba hingegen verkörpert den liebenswerten Tollpatsch, der sich mit viel Selbstironie durchs Leben kämpft und selbst auch schon geschiedener Vater einer 9 – Jährigen Tochter ist. Er geht die Dinge prakmatisch an und wirkt im Gegensatz zu Hachiko daher etwas unüberlegter in seinen Entscheidungen. Dies führt zum lustigen Unterton im Film.

Mit dem Badeort Hakone verbinden beide die Erinnerung an bessere Tage. Auch Sakuraba kam früher mit seiner Tochter dorthin. Jetzt hat er sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen.

Unwillkürlich führt die gemeinsame Aufgabe zu erotischen Spannungen zwischen den beiden, die aber nicht erfüllt werden. Der Altersunterschied von 20 Jahren lässt Parallelen zu Lost in Translation  erkennen. Beide Charaktere fühlen eine gewisse Zuneigung füreinander, aber der Film erlaubt es ihnen nicht zusammen zu finden.

In einer langen Schlafzimmerszene, ohne Schnitt, kommt es zu einem Geständnis von Sakuraba. Den Job des Produzenten und die Jagd nach dem nächsten großen Budget für ein Filmprojekt sei lediglich der Wunsch seine Frau und seine Tochter mit einem großen Blockbuster – Hit wieder für sich zu gewinnen. Der sonst so vor Lebensfreude strotzende Charakter lässt hier für einen Moment eine tiefere Ebene erkennen, die von Sehnsucht geprägt ist.

Schauspielerisch zeigt Sakuraba hier auch seine größten Stärken. Gespielt von Kôji Ohkura entfaltet die Figur zunächst eine gewisse Anti-Pathie, die auch auf Grund seines ungewöhnlichen Äußeren entsteht. Doch der erste Eindruck täuscht und Sakuraba entwickelt eine enorme Präsenz auf der Leinwand und wechselt in der Beziehung zu Hachiko immer wieder zwischen Vaterfigur und Liebhaber. Zwischen Ratgeber und Trostspender.

Hachicko wird gespielt vom japanischen Pop-Star Yuko Oshima, die vorallem durch ihre Beteiligung an der Girl Group AKB48 bekannt wurde und parallel in etlichen Filmen und Serien zu einer Art Pop-Industrie Roboter ausgebildet wurde. Ihre Rolle wirkt daher oft mechanisch und kann nicht so überzeugen wie Sakuraba. Aber ihre Beteiligung ist auf Grund ihrer enormen Bekanntheit wohl das Zugpferd des Filmes an den Kinokassen. Trotzdem kann man ihr ein gewisses schauspielerisches Talent nicht absprechen.

Das Ende des Films, ohne zu viel zu verraten, überlässt Vieles der Fantasie, ist aber dennoch zufriedenstellend.

 

#25 „Bakuman.“ (2015)

Der Beruf des Manga-ka ist der Traumberuf vieler Schüler in Japan. MASHIRO, dessen Onkel bereits ein berühmter Manga-ka war, hat eine Leidenschaft fürs Zeichnen und findet im Schulkameraden Takagi einen ebenso begeisterten Hobbyautor mit dem er versucht einen Erfolgstitel im landesweit bekanntesten Magazin für Mangas, dem Weekly Shōnen Jump, zu platzieren.

Der Titel des Filmes BAKUMAN. bezieht sich auf die von Mashiro´s Onkel erfundene,  fiktive Mangaserie Bakuman, die erfolgreich im Weekly Shounen Jump erschien, bis er schließlich unter dem Druck, jede Woche eine neue Episode abliefern zu müssen, zusammenbrach und starb.

Mashiro will nun in die Fußstapfen seines Onkels treten und entwirft zusammen mit Takagi einige Konzepte, die er beim Verlag vorlegt. Nach langem Zögern und etlichen Verbesserungen bekommen die beiden die Chance ihre eigene Mangaserie zu kreieren. Von nun an stehen sie in direkter Konkurrenz mit den anderen Manga-ka, die ihre Mangas im Magazin veröffentlichen. Allen voran EIJI NIIZUMA, einem Wunderkind, der seit dem sechsten Lebensjahr Mangas entwirft.

Seinem Genius scheinen Mashiro und Takagi nicht gewachsen. Bis sie sich für eine gewagte Wendung ihres Skriptes entscheiden. Sie lassen den Hauptcharakter sterben und ersetzen ihn bereits zu Beginn der Geschichte mit einer neuen, weiblichen Figur, die inspiriert ist von AZUKI, einer Klassenkameradin, in die Mashiro verliebt ist und die als Synchronsprecherin arbeitet.

Mit der geänderten Story gelingt es ihnen an NIIZUMA vorbei auf Platz 1 des Rankings zu kommen. Doch die Fortsetzung ihrer Serie scheitert an der Einhaltung der Deadline und sie müssen sich letztendlich dem Zeitdruck beugen. Nach drei Ausgaben ihres Mangas wird die Serie im Weekly Shounen Jump eingestellt.

Wie sollte es anders sein, der Film BAKUMAN. basiert auf dem gleichnamigen Manga von Tsugumi Ouba und Takeshi Obata. Ihr Manga wurde 2003 fortlaufend im Weekly Shounen Jump veröffentlicht und brachte drei Anime – Staffeln zu Tage und schließlich die hier vorgestellte Realverfilmung. Die Manga-ka Oubu und Obata sind hierzulande vor allem durch ihre erste Kooperation, Death Note, bekannt, welche ungefähr die selbe Vermarktungskette wie Bakuman. mit sich zog. Damit steht Bakuman. in der langen Tradition von Manga Verfilmungen an deren Spitze derzeit Filme wie Attack on Titan, Assassination Classroom oder Parasyte stehen und mit jungen, beliebten Schauspielern versuchen die Story des ursprünglichen Mangas bestmöglich zu verwerten.

Bei solchen kommerziellen Mainstreamproduktionen droht schnell das Abdriften in die Oberflächlichkeit und ins Klischee. Bakuman. schafft mit Hilfe der Selbstreflexivität gerade so die Balance. Zum einen ist er mit einem hervorragenden Cast besetzt, der einen Querschnitt durch die momentan angesagten Teenie – Idole Japans bietet. Zum anderen spielen diese teils sehr plump und uninspiriert.

Thematisch zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Einblick in die Welt der Manga-ka ist sehr zugänglich dargestellt und äußerst kritisch. Eine Ode an die Welt der Mangas sieht definitiv anders aus, ist aber in diesem Zusammenhang nicht zu erwarten, da es ja gerade um den Druck in der Branche geht. Es wird sehr schön gezeigt, welcher Arbeitsaufwand mit der Entstehung weniger Seiten verbunden ist. Teilweise arbeitet ein einziger Zeichner zwei Tage oder mehr an einem einzigen Teller, der durch das Bild fliegt. Diese fast unmenschliche Leistung und die Herausforderung, vor die sowohl Autoren als auch Zeichner jede Woche von neuem gestellt werden machen den interessanten Teil des Filmes aus. Als eine Art Making-Of begleitet man die Charaktere beim Entstehungsprozess.

Fürchterlich hingegen ist die Liebesgeschichte zwischen Mashiro und Azuki erzählt. Sie wirkt aufgezwungen und unnatürlich. Hier herrscht leider kollektives Versagen: Schauspielerisch, Technisch und Erzählerisch. Die Szenen zwischen den beiden wirken wie aus einem anderen Film und passen einfach nicht in das Gesamtwerk. Die Motivation Azuki als Inspiration für die neue Figur des Mangas zu nehmen ist verständlich, aber nicht überzeugend dargestellt.

Wenn man sich diesen Teil wegdenkt, dann bleibt ein aufklärender Film über die Welt des Mangas und seiner Fans, der zudem stellenweise mit ganz nett anzusehenden Tricks, reale und gezeichnete Welt miteinander verschmelzen lässt.