#97 „Minamata: Kanja-San To Sono Sekai“ (1971)

„Minamata: Kanja-San To Sono Sekai“

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„Minamata: The Victims and Their World“

Im Süden Japans in der Präfektur Kumamoto gelangte die Stadt Minamata in den 1950er-Jahren zu trauriger Berühmtheit. Die dort ansässige Chemiefabrik der Firma Chisso leitet über Jahre hinweg quecksilberhaltige Abfälle in die Fischereigewässer. Die Anwohner aßen den kontaminierten Fisch, der zu schwersten Quecksilbervergiftungen und Fehlbildungen bei Neugeborenen führte. Die sogenannte „Minamata-Krankheit“ kostet mehr als 3000 Menschen das Leben und ging als eine der größten Umweltkatastrophen Japans in die Geschichte ein.

Minamata: The Victims and their World“ entstand 1971. Der Weg nach Minamata war für den Regisseur Noriaki Tsuchimoto kein leichter. Denn durch eine Dokumentation fürs Fernsehen, die er bereits 1965 drehte, musste er viel Kritik der Einheimischen einstecken. Sie warfen ihm vor sie ausgenutzt zu haben und fühlten sich in wie Freaks dargestellt. Der reißerische Nachrichtenbeitrag sollte Noriaki noch lange nachhängen und es brauchte einige Zeit bevor er sich für einen neuen Anlauf entschied. Schließlich erstreckte sich das Projekt über einen Zeitraum von 30 Jahren, in denen drei Filme entstanden.

Anders als in der Fernsehproduktion verweigerte Noriaki aufwendige Montagen und verwendete stattdessen lange, ungeschnittene Aufnahmen mit denen er einen kritischen Blick etablieren wollte. Bevor er eigenständiger Dokumentarfilmer wurde, arbeitete Noriaki bei Iwanami Production neben Regisseuren wie Kazuo Kuroki („Silence has no Wings“ 1966) und Susumu Hani („Tokyo 1958“ 1958). Danach drehte er erste Dokumentationen über das studentische Milieu und widmete sich dann ökologischen Themen, unter anderem auch der Atomenergie in dem Kurzfilm „Nuclear Power Scrapbook“ (1982). Fortan galt er progressive Kraft des japanischen Films und inspirierte mit seinem Stil Filmemacher wie Kazuo Hara („The Emperor’s Naked Army Marches On“ 1987) und Kazuhiro Soda („Campaign“ 2007).

Der Film ist geprägt von den Aufnahmen des Kameramanns Koshiro Otsu, der selbst eine wichtige Figur in der japanischen Filmgeschichte ist. Seine Arbeiten für Shinsuke Ogawas „The Oppressed Students“ (1967) und „Summer in Narita“ (1968) sind bedeutende Zeitdokumente. In Minamata fand er ein wunderschöne Küstenregion vor. Seine Landschaftsaufnahmen zeigen aber nicht das pittoreske Urlaubspanorama, welches an die kontemplative Wirkung mancher Ozu Filme erinnert, sondern deuten auf ein komplexes Ökosystem hin, welches hinter der malerischen Fassade bröckelt.

In knapp 100 Minuten bringt uns der Film die Lebensgewohnheit der Einheimischen, deren Erkrankungen und letztendlich ihren Kampf um Anerkennung und Schadensersatz, näher. Hierbei entfaltet sich schnell die Schlussfolgerung, dass die traditionelle Lebensweise, der Fischfang als Lebensgrundlage all derer, die in der Region leben, von der Industrialisierung bedroht ist.

Der Höhepunkt des Films ist zweifelsohne die Konfrontation der Opfer und Angehörigen mit dem Vorstand des Chisso Chemiekonzerns. In einer öffentlichen Sitzungen bricht das Chaos aus. Menschen stürmen auf die Bühne, wollen ihre Wut dem Vorsitzen ins Gesicht sagen und fordern eine Entschuldigung. Die pure Verzweiflung über die jahrelange Ignoranz trifft auf die stummen Minen der Vorstandsmitglieder. Anders als der Observational Style seiner geistigen Nachfolger Hara und Soda, benutzt Noriaki für diese Situationen doch eine hohe Schnittfrequenz und verharrt nicht nur in einem Blickwinkel. Zudem verwendet er ab und an musikalische Einspieler.

Noriaki, der im späteren Verlauf seines Lebens ein guter Freund von Claude Lanzmann („Shoa“ 1985) wurde und ihn nach Tokyo einlud, hat mit „Minamata“ einen Meilenstein für den japanischen Dokumentarfilm gelegt und Filmemacher auf der ganzen Welt mit seinem Aktionismus beeinflusst.

 

#88 „Seishin“ (2008)

„Seishin“

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„Mental“

Regisseur Kazuhiro Soda arbeitete in einer Filmproduktionsfirma in New York und drehte dort mehr als 50 Beiträge für den staatlichen Fernsehsender Japans NHK. Inspiriert von den Dokumentarfilmen eines Frederick Wiseman, entwickelt er seinen eigenen „Observation“- Style. Soda, der es von seinem alten Job gewohnt war nach festen Skripten und Drehplänen zu arbeiten, entschied sich für ein freieres Konzept. Keine Skripte, keine Recherchen, nur die Kamera und die Realität.

2005 kehrte er aus den USA nach Japan zurück mit der Absicht einen Film über geistige Erkrankungen zu drehen. Das Projekt verschob sich aber, da Soda per Zufall einen alten Schulfreund traf, der für den Stadtrat in Kawasaki kandidierte. Er nutzte die Gelegenheit und produzierte „Campaign“ (2007). Mit einem Jahr „Verspätung“ konnte sich der Filmemacher nun der ursprünglich geplanten Dokumentation „Mental“ (2008) widmen.

Der alternative Titel im Vorspann, „Observational Film #2“, verweist schon darauf, dass Soda an dem Dogma, welches er sich selbst seit seinem ersten Film auferlegt hat, festhält. Selbstfinanziert, selbstgedreht, Fokus auf Randgruppen oder Randgebiete, keine Musik, und lange Einstellungen bilden Sodas 10 Gebote nach denen er bis dato acht Dokumentationen herausgebracht hat.

In „Mental“ bekommen wir einen Einblick in die Choral Okayama Clinic, die vom pensionierten Psychiater Dr. Masatomo Yamamoto und einem kleinen Team von Helfern geführt wird. Die Einrichtung fungiert als Tagesklinik und bietet Kurzzeit Apartments für Patienten an. Masatomo fungiert als „Held“ des Films. Man lernt viel über die Arbeit des Doktors, die organisatorischen Hindernisse und das einfaches Zuhören schon viel helfen kann. „Mental“ zeigt sowohl Menschen mit psychischer Erkrankung als auch als die Helfer. In den Therapiesitzungen wird deutlich, dass der Doktor als Heiler nur Tipps geben kann, Denkanstöße, die der Patient selbst umsetzen muss. Die Szenen sind ungeschnitten, und Soda versucht sich und seine Kamera möglichst unsichtbar zu machen.

In privaten Momenten stellt er Fragen. Die Interviews bringen teilweise erschütternde Biographien hervor, und auch Unerwartetes. Genie und Wahnsinn liegen oft nah beinander. Soda gelingt es dabei die Verzweiflung, die Angst und Hilflosigkeit ebenso darzustellen wie die Notwendigkeit einer Therapie in solchen Fällen. „Mental“ entwickelt sich zu einem Plädoyer für die Förderungen solcher Einrichtungen und  klagt das staatliche System an. Ähnlich wie in Filmen von Kazuo Hara („Goodybe CP“ 1972) gibt er den Schwachen der Gesellschaft einen Raum sich auszudrücken. Dabei kommt es zu skurillen, lustigen und traurigen Momenten.

Die knapp zweistündige Dokumentation spielt sich ausschließlich innerhalb der Klinik ab. Trotzdem beibt der Film abwechslungsreich. Ein paar Szenen der Patienten wie sie mit ihrer Erkrankung im Alltag zurecht kommen wären dennoch interessant gewesen.

#69 „Goodbye CP“ (1972)

Kazuo Hara gehört zu den wichtigsten Filmemachern Japans. Wichtig, weil er ehrliche Filme macht. Hat man einen Film von Hara gesehen, wird man ihn so schnell auch sicher nicht vergessen. Jede Veröffentlichung war in Japan von kontroversen Diskussionen begleitet.  Besonders heftig wurde diese Debatte bei „Emporer’s Naked Army Marches On“ geführt, in dessen Mittelpunkt ein japanischer Nationalist stand. 16 Jahre zuvor, 1972, dreht Hara seinen ersten Film – „Goodbye CP“. Ein Film über Menschen mit Cerebralparese (Körperlähmung).

„Goodbye CP“ ist ein unsentimentales Porträt junger Erwachsener, die in einer Gemeinschaft zusammenleben und um Anerkennung kämpfen. Auf rohe Art und Weise zeigt Hara, dass die Gesellschaft die Menschen auf Grund ihrer Erkrankung ignoriert und ausgrenzt. Die Diagnose „Cerebralparese“ führt bei Eltern oft zu der Entscheidung der Kindstötung oder sogar zu kollektivem Suizid. Im Film kommen Eltern zu Wort, die einen anderen Weg finden und mit der Krankheit ihrer Kinder versuchen zu überleben. Sie versuchen ihre Kinder so gut es geht zur Selbstständigkeit zu erziehen. In Interviews erzählen sie davon, dass die Erkrankung auch neue Möglichkeiten birgt, um sich neue Sichtweisen anzueignen und neue Leute kennen zu lernen. Die Betroffenen haben sich dazu in der sogenannten „Green Lawn Bewegung“ organisiert.

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Regelmäßig gehen sie auf die Straße, um Spenden zu sammeln. Die Passanten zeigen Verständnis und Solidarität, aber spenden letztendlich nur aus Mitleid. Die tatsächlichen Probleme und Bedürfnisse der Behinderten sind ihnen gleichgültig.

Kazuo Hara gelingt es die Stimmen der Unterdrückten hörbar zu machen. Jeder kann zum Außenseiter werden und „Goodbye CP“ schafft einen öffentlichen Raum für Diskurs, indem sich diese Individuen ausdrücken können. So würde einer der Betroffenen auch gerne Filmemacher und Fotograf werden. Ein weiterer schreibt Gedichte und trägt diese öffentlich vor. Sie werden aber immer auf ihre körperlichen Mängel reduziert und nicht ernst genommen.

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Der Stil der Dokumentation ist radikal. Die Bilder sind in schwarz/weiß gehalten und mit asynchronen Kommentaren von Interviewpartnern (Passanten, Erkrankte, Eltern) aus dem Off unterlegt. Ab und an wird eine Schrifttafel eingeblendet, die eine Situation kurz erklärt. Die Sequenzen sind oftmals ungeschnitten und Hara lässt die Kamera einfach laufen. Der filmische Stil fordert den Zuschauer daher mindestens genauso wie seine Thematik. „Goodbye CP“ ist geprägt von einem Realismus, der die Gesellschaft zeigt  und sie dadurch hinterfragt.

Am Ende des Films steht die Verzweiflung der Betroffenen. Die Erkenntnis nie wirklich ein selbstständiger Mensch sein zu können und von einem Großteil der Gesellschaft nie als ein emotional vollwertiges Lebewesen anerkannt zu werden.

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Bis heute ist Hara diesem Stil und Fokus treu geblieben. Alle seine Dokumentationen begründen sich auf der Motivation der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und dort hinzuschauen wo der Rest wegsieht. Aber Hara wurde auch persönlich. Schon zwei Jahre später erschien „Extreme Private Eros“. Ein Film über seine bisexuelle Ex-Freundin. Dadurch birgt jeder Film wieder eine neue Facette und zeugt von einem breitgefächerten Interesse des Regisseurs an sozialen Themen. Höchstinteressante Einsichten in eine Gesellschaft, die auf den ersten Blick konformistisch wirkt.

#54 „Kita-Kitsune Monogatari“ (1978)

„Kita-Kitsune Monogatari“

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„The Glacier Fox“

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„Der Gletscherfuchs“.

Im Norden Japans findet man eine ganze besondere Tierart. In semi-fiktionaler Form erzählt die Dokumentation vom Leben des Gletscherfuchses Flep.

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Er findet mit Leyla eine Partnerin mit der er ein ganzes Rudel Nachwuchs zeugt. Zusammen kümmern sie sich um die Aufzucht und stehen dabei Allerlei Gefahren durch. Sie trotzen der Natur und dem Menschen. Doch Leyla fällt der Falle eines Bauern zum Opfer und Flep muss die Jungen alleine großziehen.

Getrieben von dem Willen die Fuchsfamilie zusammenzuhalten bringt er ihnen das Jagen bei und bereitet sie auf ein eigenständiges Leben vor. Schließlich ist auch dieses Kapitel zu Ende und Flep muss den Nachwuchs hinaustreiben, damit sie auf eigenen Beinen stehen und sich bewähren können. Diese Prüfung gelingt nicht allen gleich gut. Auch hier schlägt die Natur wieder gnadenlos zu und das Schicksal fordert seinen Preis.

Regisseur Koreyoshi Kurahara schuf 1960 mit Intimidation den ersten japanischen Film Noir. KITA-KITSUNE MONOGATARI ist einer von seinen zwei Dokumentarfilmen. Der Beginn des Films erinnert einen an Disney-Tierfilme a la Die Wüste lebt. Doch der Film stellt sich der großen pädagogischen Aufgabe das Thema des Sterbens in einem kinderfreundlichen Kontext zu erklären.

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Die Kamera hält drauf als Leyla langsam verendet, zeigt den angeschossenen Fuchs und die Wunden an denen er kurz darauf stirbt. Leben und Tod werden radikal dokumentiert. Obwohl radikal auch übertrieben ist.

Denn der Film wirkt auch wie ein Musical. Fast jede Sequenz wird mit Musik unterlegt und die Tiere bekommen in manchen Szenen menschliche Stimmen. Dadurch bekommt die Dokumentation einen komischen Twist. Auf der einen Seite die Niedlichkeit und die Vermenschlichung der Tiere. Auf der anderen Seite die Darstellung von Tierquälerei und dem tödlichen Überlebenskampf. Da das Kamerateam in brenzligen Situationen nicht eingreift, bekommt der Film stellenweise einen unguten Beigeschmack und lässt leider Vergleiche zu den bewussten Tierquälereien in anderen japanischen Produktionen wie Miez und Mops aufkommen.

Der Tod und das damit verbundene Leiden werden als normal dargestellt. Auf den ersten Blick schwer auszuhalten, aber ein ehrlicher Versuch die Natur abzubilden. Dazu passt auch der monotone, trockene Kommentar des Erzählers, der die Bilder immer wieder beschreibt.

Am Ende des zweistündigen Films merkt man wie treffsicher die Emotionalisierung durch Erzählung und Musik war. Schließlich war man gerade Zeuge eines ganzen Lebenszykluses.

Der Film ist für das amerikanische Fernsehen noch einmal auf englisch synchronisiert und mit neuer Musik „zerstört“ worden. Wenn irgendwie möglich empfiehlt es sich daher die japanische Version anzuschauen. Alleine schon wegen der eingängigen musikalischen Untermalung:

 

 

#53 „Yanagawa horiwari monogatari“ (1987)

„Yanagawa horiwari monogatari“

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„The Story of Yanagawa’s Canals“.

Yanagawa ist eine unauffällige Kleinstadt. Die 60.000 Einwohner leben an der Mündung des Chikugo. Sein Hauptstrom speist sich ein in die vielen kleinen Kanäle der Stadt, denen sie den Beinamen „Klein-Venedig“ zu verdanken hat.

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Isao Takahata hat diesen Kanälen eine knapp 3-stündige Dokumentation gewidmet. Der Studio Ghibli Regisseur ist fasziniert von der Geschichte der Gewässer.

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In einem nostalgischen Zurückblicken verweist er auf die Verbindung zwischen Mensch und Kanal. Dabei waren früher die Wasserwege die vertrauten Lebensadern jeder Dorfgemeinschaft und wurden mit Respekt behandelt. Wasser galt als Retter in schweren Zeiten und wurde in Gedichten  und Sprichwörtern angepriesen. Zudem fand man auf und am Wasser Erholung.

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In Yanagawa gab es früher mehr Kanäle als Straßen. Der Film als Sozialstudie beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Bewohner zu den Kanälen. Die Bedeutung als Transportweg, als Trinkwasserquelle, Sake- und Soyasaucen Bestandteil, landwirtschaftliches Nutzwasser oder Badewasser zeigt wie sehr Alltag und Wasser miteinander verschmelzen. Ebenso lösen sich auch öffentliche und private Bereiche auf. So werden manche Kanäle in private Gärten umgeleitet und dienen dort der Befüllung von Gartenteichen.

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Einmal im Jahr sind die Kanäle Schauplatz des „Kappa-Matsuri“. Einem Gondelfest zu Ehren des Wassers. Jedes Jahr kommen daher aus ganz Japan Gäste nach Yanagawa.

Der Film beschreibt die Wasserkultur und die Veränderung, die sich über die Jahrzehnte daran gezeigt hat. Waren die Menschen früher mehr auf regionaler Ebene auf Wassersysteme angewiesen, so wurde durch die Technisierung das persönliche Verhältnis zwischen Mensch und Natur zunehmend distanzierter. Die Urbanisierung führte zum Ausbau von Kanalisationen, die vielerorts die Kanäle überflüssig machte.

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Auch in Yanagawa gab es in den 1970er-Jahren schwere Verschmutzungen im Wasser und die Idee die Kanäle durch eine Kanalisation zu ersetzen. Die Anwohner setzten sich aber schließlich mit einer Restaurierung der Kanäle durch. Durch Eigeninitiativen haben sich seitdem die Bewohner verpflichtet die Kanäle sauber zu halten.

Die Dokumentation nimmt, auch auf Grund seiner langen Einstellungen, meditative Formen an. Viele subjektive Bootsfahrten entlang der Kanäle und Luftaufnahmen versuchen das weitverzweigte Netz der Wasserwege einzufangen. Die realen Aufnahmen werden unterstützt durch Zeichnungen, Grafiken und Stadpläne.

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Überraschenderweise gibt es kaum Animationssequenzen, die man, auf Grund der Nähe zu Studio Ghibli, erwarten könnte. Diese Dokumentation ist eine Herzensangelegenheit des Regisseurs und beinhaltet viele verträumte Sequenzen, die Schauplatz eines Studio Ghibli Films sein könnten.

Ohne Zweifel eher ein Film, den man als „Special Interest“ kategorisieren kann. Wer sich für die strukturelle Bedeutung von Wasser interessiert oder einfach etwas Ruhiges zum Abschalten sucht, für den ist der Film sehr geeignet.

 

#51 „A.K.A. Serial Killer“ (1969)

1968 begang Norio Nagayama vier Morde in vier unterschiedlichen Städten. Ein Jahr später wurde der 19-Jährige festgenommen und schließlich 1997 hingerichtet. Der kontrovers diskutierte Fall des damals noch Minderjährigen, der ohne erkennbares Motiv seine Mordserie mit einer gestohlenen Pistole durchführte, gab Masao Adachi Anlass die Orte der Verbrechen zu besuchen.

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Dabei tritt weder Masao Adachi noch Norio Nagayama vor die Kamera. Der Name des Täters wird nicht genannt und der Film zeigt fast unkommentiert die Straßen und Plätze, die mit Norios Lebens in Verbindung stehen. Man sieht die Wohnorte, ehemalige Arbeitsstellen und die Tatorte. Dazwischen streut der Regisseur immer wieder biographische Wendepunkte ein, die er über das Off einspricht.

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Der Film zeichnet den Lebensweg des Täters nach, der sich, auf Grund schnell wechselnder Jobs, durch ganz Japan zieht. Neben den vereinzelten Kommentaren des Regisseurs fällt besonders die schrille Jazz-Musik auf. Der triste, fast schon unheimliche Mix aus Straßenzügen, Schienen, Bahnhöfen und Häfen wirkt wie die Aufnahme von Stillleben.

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Adachi konzentriert sich auf die Transport-und Verkehrsknotenpunkte. Menschen und Fahrzeuge in Bewegung. Gründe dafür lassen sich wieder in Norios Biographie finden. Seine Familie zog in seiner Kindheit oft um und er arbeitete am Flughafen, in Autowerkstätten und als Fahrradkurier. Die banalen Aufnahmen von Alltagssituationen, so wie es Arbeiter verlassen die Fabrik zu Beginn der Filmgeschichte getan hat, lassen, ähnlich wie die Jazz-Musik, freie Assoziation zu. So bleibt jedem die Interpretation der Bilder selbst überlassen.

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Andeutung finden sich beispielsweise im Gegensatz zwischen leeren Innenräumen und lebendigen Straßen. Nie sieht man Menschen innerhalb von Gebäuden. Eine Symbolik für die Leere in den Menschen? Ebenso gibt es Verweise auf die Militarisierung der Gesellschaft. Der Film zeigt hier Militärparaden, Demonstrationen und Kasernen.

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Die Methode, dass Orte und nicht Protagonisten die Geschichte eines Films erzählen, nennt man FUKEIRON oder auch LANDSCAPE THEORY. Anders als der nationalistisch geprägte Ansatz von Shiga Shigetaka, der die japanische Landschaft und ihre Einzigartigkeit zum Anlass nahm die japanische Überlegenheit und den Nationalstolz zu betonen, versucht MASAO ADACHI durch die kontinuierliche Aneinanderreihung von Orten, die Strukturen sichtbar zu machen, die auf Norios Leben Einfluss genommen haben.

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Mit A.K.A. SERIAL KILLER wollte Adachi die ökonomischen und politischen Machtstrukturen offenlegen, die sich in der Landschaft eingeschrieben haben. Der Täter und seine Morde spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Adachi interessiert sich viel mehr für die Umstände und das Umfeld, die dazu geführt haben.

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Damit verfolgt Adachi eine kontroverse Linie des Filmemachens. Einige Jahre nach dem Film trägt er seinen Aktivismus nicht nur auf der Leinwand aus. Zu Beginn der 1970er-Jahre tritt er der Japanese Red Army bei, zieht in den Libanon und unterstützt deren Terrorkampf.

 

Film (komplett, OmeU)

 

 

#40 „Otaku“ (1994)

Sonderlinge, Nerds, Geeks, Freaks, Perverse, Verrückte, Fans, Stalker. Erwachsene, die sich der Erwachsenenwelt verweigern und Kind bleiben. Peter-Pan-Syndrom. Obsession und Fantasie. All das oder auch gar nichts davon beschreibt Otaku.

Der japanische Begriff des Otakus ist prägend für das Bild, welches viele heute von Japan haben. Seit Beginn der 2000er hat die japanische Regierung die Otakus und deren Lebensstil zum nationalen Kulturgut hochstilisiert. Anime, Manga, Videospiele und viele andere Produkte der Kulturindustrie werden inzwischen gefördert und sind wichtiges Exportgut.

Doch es gab eine Zeit in der Otakus mit anderen Augen betrachtet wurden. Zwei französische Filmemacher haben 1994 ein Zeitdokument geschaffen, welches die Anfänge der inzwischen boomenden Jugendkultur der Otakus zeigt.

In einer Art wissenschaftlichen Untersuchung trägt die Dokumentation nüchtern alle Blickwinkel zusammen. Dazu zählen Meinungen von Professoren, Straßenumfragen zum Thema Otaku, Besuche in Betrieben der Kulturindustrie und Befragungen der Hersteller sowie letztendlich auch die Otakus selber, die vor der Kamera zu Wort kommen und ihr Leben herzeigen.

Es entstehen tiefgehende Schilderungen, die von existenzialistischer Weltansicht bis hin zum ökonomischen Nutzen des Phänomens reichen. Einzigartig dabei wahrscheinlich auch der Umfang der Recherchen. Als eines von wenigen Kamerateams gelingt es den beiden Franzosen eine Führung durch die heiligen Hallen der Entwicklerstudios von Nintendo zu bekommen. Dabei steht ihnen der Mario Erfinder Shigeru Miyamoto Rede und Antwort.

Shigeru Miyamoto

An anderer Stelle sieht man das damals noch auf Videospiele spezialisierte Studio Gainax, welches gerade neu gegründet wurde und später in der Animationsbranche mit der Kult-Serie Neon Genesis Evangelion einen nicht unerheblichen Anteil zum Otakismus beitrug.

Die Dokumentation macht deutlich, dass sich der Otakismus nicht nur auf Anime und Manga beschränkt. Es werden Militär-Otakus, Foto-Otakus, Idol-Otakus usw. vorgestellt. Per Definition ist jemand, der großes Fachwissen über ein bestimmtes Thema anhäuft, ohne dies kommerziell/beruflich zu nutzen, ein Otaku. Hinzu kommt die Komponente, dass sich dieser Mensch zum größten Teil in den eigenen vier Wenden aufhält. Passenderweise bedeutet daher Otaku übersetzt auch „Haus“.

Daraus leitet der Film ein soziologisches Profil ab, und hinterfragt eine Gesellschaft in der solche Wesenszüge begünstigt werden. Die neue Jugendkultur, ihr Konsum und ihr soziales Verhalten zu Beginn der 1990er-Jahre, werden als ein Symptom gesehen, das es zu untersuchen gilt.

Rückblickend können viele dieser Otakus als Vorläufer der heutigen Gesellschaft gesehen werden. Die Videospielindustrie, die Musikbranche und viele andere Subkulturen haben sich an ihnen orientiert. Die Filmemacher hatten scheinbar schon ein Gespür dafür und wussten, dass es sich beim Otakismus nicht um ein vorübergehendes Phänomen handelt. Die Zukunftsaussichten, die der Film an manchen Stellen gibt, sind inzwischen Realität geworden und der Otakismus wird zunehmend salonfähig.

Mit knapp 3 Stunden hat das Werk einige Längen, die allerdings mit interessanten Aussagen und Lebensentwürfen immer wieder überraschen.

 

Die komplette Dokumentation gibt es übrigens (auf DEUTSCH!) auf Youtube:

 

#34 „The Birth of Saké“ (2015)

Das Handwerk des Sake – Brauens verliert im Zuge der Massenproduktion zunehmend an Bedeutung. Der Mensch wird durch Maschinen ersetzt, Kosten und Zeit werden eingespart. Gab es zu Beginn des 20. Jahrhundert noch über 4000 Brauerei, schrumpfte die Zahl zu Beginn des 21. Jahrhundert auf knapp 1000 zusammen. Dies liegt auch daran, dass westliche Getränke wie Bier und Whisky in Japan immer beliebter werden.

Doch unter den 1000 übrig gebliebenen Sake – Brauereien gibt es noch einige, die die Handwerkskunst hochhalten. Die Dokumentation stellt die Yoshida Brauerei im Norden Japans vor, in der man sich von Oktober bis April voll und ganz dem Sake verpflichtet. Für diesen Zeitraum leben 10 Männer in der Brauerei, getrennt von ihren Familien, um Tag und Nacht aus Reis, in einem langwierigen und körperlich anstrengenden Prozess, Alkohol zu gewinnen.

Wäre dies ein Kloster, dann wäre Teruyuki Yamamoto der Hohepriester. Mit 68 Jahren braut er in der 53. Saison Sake. Er ist der sogenannte „Toji“, der Oberbraumeister. Mittlerweile bildet er seinen Nachfolger aus. Yachan Yoshida, 28, ist der Sohn des Brauerreibesitzers und sollte ursprünglich die Geschäfte der Brauerei weiterführen. Doch da er seine Kindheit zwischen den Brauereikesseln verbrachte und ihn die Arbeit von Teruyuki von klein auf faszinierte, wird er eines Tages der neue Toji sein. Yachan kümmert sich auch um das Marketing der Firma, verbreitet in der braufreien Zeit den guten Ruf der Firma im Ausland, gibt Sakeverkostungen und leitet den Vertrieb.

Doch die Firma scheint zu kämpfen. Zwar ist der Sake im Ausland so beliebt wie noch nie, aber die jungen, japanischen Kunden verlangen nach einem anderen, milderen Sake. Die meisten großen Brauereien passen sich dieser Nachfrage an und produzieren einen Reiswein, den man gut und schnell trinken kann. Die Yoshida Brauerei versucht diesem Trend ein wenig entgegenzuwirken, indem sie ein kräftigeres Aroma in ihrem Sake beibehält. Sie richten sich damit eher an ältere Kunden, die diesen Geschmack noch von früher gewohnt sind. Stellt sich die Frage ob sich die Firma nicht anpassen muss, wenn sie eine Zukunft haben will.

Regisseur Erik Shirai, der das Projekt über Onlinespenden finanziert hat, bleibt in seinen Bildern nahe an den Personen und am Sake. Zeitlupen, Großaufnahmen und immer wieder Zwischenbilder der Schneeflocken, die draußen wie Reiskörner durch die Luft wirbeln. Ein stiller Film, der die Aufopferung für den Beruf zeigt, aber auch das Thema der Vaterfiguren behandelt.

Denn ähnlich wie in Jiro Dreams of Sushi gibt es eine Lehrer – Schüler Konstellation. Der Oberbraumeister Teruyuki, dessen Sohn ebenfalls in der Brauerei arbeitet, und der Sohn des Brauereibesitzers, Yachan, haben ein besonderes Verhältnis. Yachan wird in Zukunft die Aufgaben des Oberbraumeister übernehmen und muss dessen Erwartungen gerecht werden. Dabei wird die Arbeit seines Vorgängers immer als Maßstab dienen, an dem er gemessen werden wird. Gleichzeitig bemüht er sich den finanziellen Part seines Vaters auszufüllen und zu erlernen. Dieser hatte sich ursprünglich erhofft, dass sein Sohn sich ausschließlich um die Geschäfte kümmert. Dennoch scheint der Vater zufrieden zu sein und ist stolz auf die Berufung seines Sohnes, auch weil er sich besonders intensiv um das Marketing der Firma kümmert.

Was durch diese Generationenfrage in den Hintergrund gerät ist die Geschichte des Sake. Der Film erzählt keine Historie über die Entstehung und den rituellen Gebrauch des Sake. Dafür liefert er eine detaillierte Beschreibung des traditionellen Herstellungsprozesses wie es ihn schon seit 2000 Jahren gibt und stellt den momentan Beliebtheitsgrad des Getränks und seine Zukunftschancen in Aussicht. Dabei geht es, wie so oft, um die Frage, ob sich Traditionen mit der Moderne vereinen lassen.

 

#26 „Namida to warai no happî kurasu: 4 nen 1 kumi Inochi no jugyô“ (2003)

„Namida to warai no happî kurasu: 4 nen 1 kumi Inochi no jugyô“

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„Children Full of Life“

Die 34 Schüler der 4. Klasse der Grundschule in Kanazawa haben einen unkonventionellen Lehrer.

Herr KANAMORI ist für die letzten zwei Jahre der Vorstand der Klassengemeinschaft. Seine oberste Priorität lautet „Happy“. Die Schüler sollen glücklich sein und gerne in die Schule gehen. Elementarer Teil ihrer Hausaufgaben ist das Führen eines Tagebuchs, in das jeder Schüler seine Gedanken schreibt und diese der Klasse am folgenden Tag mitteilt.

Die einstündige Dokumentation beginnt mit einem augenscheinlich nicht so fröhlichem Thema, nämlich mit der Bewältigung eines Todesfalles innerhalb der Familie eines Schülers. Die Großmutter ist gestorben und der betroffene Schüler liest seinen Tagebucheintrag über die Beerdigung vor der Klasse vor.

Von der Trauer angesteckt erzählen nun auch andere Mitschüler von ihren Erfahrungen mit dem Tod. Der Klassenraum wird zur Schutzzone für die Kinder, in der sie ihre unterdrückten Gefühle erzählen können. So berichtet eine Mitschülerin von dem Tod ihres Vaters, den sie seit drei Jahren verheimlicht und das sie jetzt durch den Tagebucheintrag ihres Freundes den Mut findet auch darüber zu reden.

Die Kraft der Gemeinschaft entwickelt eine therapeutische Wirkung für die Kinder. Sie weinen zwar, aber sie durchlaufen einen Reifeprozess, der ihnen die Wichtigkeit von Zusammenhalt und Ehrlichkeit, näherbringt.

Diese Szene zu Beginn des Films steht exemplarisch für die Unterrichtsmethode von Herrn Kanamori. Er zwingt den Kindern nichts auf, sondern lässt ihnen die Zeit, die sie brauchen, um aus sich selbst heraus zu kommen.

Die Schüler entwickeln sich in den zwei Jahren zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, die aber auch lernen muss, dass nichts im Leben sicher ist und das Schicksalsschläge zum Leben dazugehören. Für manch anderen Lehrer wäre es schier unmöglich 10 – Jährigen solche Erfahrungen weiterzugeben. Herr Kanamori gelingt dies mit einer stoischen Art und Weise, die seine Klasse stellenweise wie eine Sekte wirken lässt, an deren Spitze er als Guru steht. Die Kinder haben Vertrauen zu ihm, werden aber auch gleichzeitig mit enormen emotionalen Herausforderungen konfrontiert.

Der öffentlich – rechtliche Sender NHK schafft mit Hilfe von Regisseur NOBORU KAETSU einen ziemlich beeindruckenden Film. Die simple Geschichte, gut erzählt, richtet ihren Blick auf alle Aspekte des Lebens und stellt die Schule selbst als eine Schule des Lebens dar und demonstriert welchen positiven Einfluss ein guter Lehrer auf das Leben seiner Schüler haben kann. Der Zuschauer erlebt eine emotionale Achterbahn, fühlt sich den Kindern nahe und wünscht sich vielleicht selbst auch so einen Lehrer gehabt zu haben.

 

 

#17 „Yume to kyôki no ôkoku“ (2013)

Yume to kyôki no ôkoku“

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„The Kingdom of Dreams and Madness“.

Die Dokumentarfilmerin Mami Sunada begleitet die letzten Tage des Animationsstudios Studio Ghibli und seinem Mastermind Hayao Miyazaki.

Während der Produktionsphase von Kaze tachinu und Kaguyahime no monogatari schaut der Film den Zeichnern über die Schulter und gibt private Einblicke in Hayao Miyazakis Leben.

Anders als in anderen Dokumentation über das Studio Ghibli ( wie z.B. Der Tempel der tausend Träume) geht es hier weniger um die einzelnen Filme als Stationen in Miyazakis Leben. Vielmehr versucht der Film dem Privatmensch Hayao Miyazaki näher zu kommen.

Natürlich ist sein Leben untrennbar mit den Animationsfilmen seines Studios verbunden. Die persönlichen Beziehungen und teilweise auch Streitigkeiten mit Kollegen und Mitarbeitern stehen im Vordergrund. Gleichzeit wird man Zeuge des Entstehungsprozesses von gleich zwei Filmproduktionen.

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Der Film ist für alle Fans von Studio Ghibli Filmen unbedingt zu empfehlen. Auch wenn man die Filme nicht kennt, so ist dies bei diesem Film kein größeres Problem. Zwar gibt die Dokumentation keine Übersicht aller Ghibli – Filme, aber sie erzählt die Geschichte eines von Perfektion getriebenen Mannes und einer Persönlichkeit, die sichtlich gebrochen ist.

Überraschenderweise ist Hayao Miyazaki nämlich ein manisch – depressiver Mensch. Er ist Pessimist und kann ohne Schlaftabletten gar nicht mehr einschlafen. Eine Tatsache, die man angesichts der herzergreifenden Animes, gar nicht glauben kann. Doch YUME TO KYÔKI NO ÔKOKU zeigt unter wie viel Druck der Zeichner steht.

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So hört man beispielsweise Aussagen wie „Ich bin nie wirklich glücklich in meinem Leben gewesen“ oder „Filmemachen ist Leiden“. Für den Zuschauer wirkt Studio Ghibli als „Kingdom of Dreams“. Für Miyazaki selber ist es wohl eher ein „Kingdom of Madness“.

Die Dokumentation hinterlässt daher ein trauriges Gefühl, zumal man weiß, dass es in Zukunft keine Filme mehr aus dieser Traumfabrik des Studio Ghibli geben wird. Im September 2016 erscheint mit The Red Turtle der letzte Film des Studios in Japan.

Zum Abschluss noch eine kleine Chronologie von Hayao Miyazaki`s Werken, für alle die, die nicht genau wissen, was er gemacht hat:

Amazon-Link:

The Kingdom Of Dreams And Madness [Import anglais]