#91 „Kiru“ (1962)

„Kiru“

aka

„Destiny’s Son“

Geschrieben von Kaneto Shindo, einem Regisseur der Geschichten ohne Dialog erzählen kann („The Naked Island“ 1960), stützt sich „Destiny’s Son“  aus dem Jahr 1962 auf abstrakt poetische Effekte. Der Schüler von Teinosuke Kinugasa („A Page of Madness“ 1926), Kenji Misumi erschafft durch Montage ein impressionistisches Samurai-Drama das als ein prominenter Vertreter des Chambara Genres gesehen wird.

Der Film dreht sich um Shingo, Produkt einer skandalösen Affäre zwischen einem Henker und der Frau, die er ermorden soll. Nichts wissend über seine Abstammung, wird Shingo von einer Samurai-Familie adoptiert und erfährt die Wahrheit erst am Sterbebett seines Stiefvaters. Ohne Vater und Herrn, findet der Ronin Anstellung bei Lord Matsudaira. Seine Treue zu ihm wird auf die Probe gestellt, als seine Vergangenheit ihn einholt..

Der Film beginnt mit einem stilistischen und narrativen Knall. Kamera, Sets und Schnitt stellen hohe Ambitionen und beinhalten die für Misumi typischen Merkmale: Elliptische Erzählung, Gespür für temporeiche Schwertkämpfe, künstliche Kulissen und eine übertriebene Gewalt, die Misumi später in der Filmreihe „Lone Wolf and Cub“ (1970) noch verfeinerte. Thematisch stellt „Destiny’s Son“ als einer der ersten Chambaras die Psysche des Samurai in der Vordergrund und lässt psychoanalytische Analysen zu. Viele bezeichnen Misumi deshalb auch als den Hitchcock des Samuraifilms.

Die künstlichen Sets erinnern an viele andere Schwertkampffilme von Daiei und legen besonderen Fokus auf die Außenbereiche. Beim Skript bediente sich Kaneto Shindo bei einem Roman von Renzaburo Shibata. Misumi, der selbst als Kind von seinen Eltern ausgesetzt wurde, konnte sich mit der Figur des Shingo identifizieren und beschloss in dem Jahr, in dem er bereits „The Tale of Zatoichi“ (1962) drehte, diesen, oft im Schatten von Zatoichi vergessen Film, zu machen.

Mit Raizo Ichikawa in der Rolle des Shingo, besetzte er einen Schauspieler, der bereits von Beginn seiner Karriere an ein gefeiert Star war. Eindrucksvoll verkörpert er eine Figur, die den ehrenhaften Code der Samurai repräsentiert und trotz all seiner Kraft und Gutmütigkeit alles verliert.

Das Spektakel hat es aber leider sehr eilig und so wirkt der Film mit knapp 70 Minuten etwas wie ein Schnelldurchlauf, indem Charaktere plötzlich auftauchen und schnell wieder verschwinden. Es entsteht keine Beziehung zwischen Zuschauer und den etlichen Nebendarstellern. Die übertrieben dramatische, und stellenweise wirklich nervende Musik, ist ein weiterer Schwachpunkt von „Destiny’s Son“. Inhaltlich hätte sich Misumi hier ausnahmsweise mal etwas Zeit lassen können, um den vielen Filmtoden mehr Bedeutung zu geben.

Was über bleibt ist ein stilistisches Feuerwerk ohne tiefe Charaktere und einer lediglich schemenhaften Andeutung von prinzipientreuen Samurai, die von inneren Konflikte angetrieben werden.

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