#90 „Hakuoki“ (1959)

„Hakuoki“

aka

„Samurai Vendetta“

Der japanische Schwertkampffilm, auch „Chambara“ genannt, erfreute sich in den 50er- und 60er-Jahren enormer Beliebtheit. An der Spitze des Hypes stand das japanische Studio Daiei. 1959 wurde Kazuo Mori („Return of Daimajin“ 1966) von Daiei mit dem Projekt „Samurai Vendetta“ beauftragt. Auf den ersten Blick nur ein unter vielen, versammeln sich in diesem Historienfilm („Jidai-geki“) bekannte Gesichter, und die die es im folgenden noch werden sollten.

Die Geschichte behandelt die frühen Jahre des Samurais Horibe Yasubei, der einer der 47 Ronin war. Im Jahr 1701 befinden sich die 47 Samurai auf dem Weg zu ihrem Erzfeind Kira, der ihren Herrn, Fürst Asano durch eine List getötet hatte. Als herrenlose Söldner sahen sich die Samurai in der Pflicht den Tod Asanos zu rächen und beschlossen ein Selbstmordkommando. Das ist der grobe Rahmen, indem sich „Samurai Vendetta“ abspielt. Der Film steigt ohne Erklärung dieser Vorgeschichte ein, weshalb es sich empfiehlt den Film im Vorfeld zu schauen. Horibe wandert also mit seinen 46 anderen Samuraikollegen durch den Schnee und erinnert sich zurück an seine folgenschwere Begegnung mit Tange Tenzen, seines Zeichens Ronin. Durch eine Reihe von schicksalhaften Ereignissen landen die beiden Samurai in verfeindeten Lagern und sind durch eine gemeinsame Geliebte miteinander verbunden. Das Liebesdreieck, etliche Schwerkämpfe, und der Niedergang von Tange Tenzen bilden die Eckpfeiler der Erzählung.

Der 28-Jährige Shintaro Katsu als Hirobe feiert hier den Durchbruch als Hauptdarsteller. „Samurai Vendetta“ markiert den Wendepunkt seiner Karriere vom Nebendarsteller zum gefeierten Underdog, der als Zatoichi in der gleichnamigen Serie zu Weltruhm gelangte. Die Rolle von Tange Tenzen verkörpert Raizo Ichikawa, der zu diesem Zeitpunkt schon das bekannteste Gesicht in den Chambara Film von Daiei war. Leider schon mit 37 Jahren verstorben, wurde Ichikawa durch zahlreiche Historienfilme wie „An Actors Revenge“ (1963) zur tragischen Filmlegende. Für den eher unbekannten Katsu war die Zusammenarbeit mit Ichikawa die große Chance dem Studios seine Qualitäten zu beweisen. Die archaischen Charaktere vermitteln eine starke Emotionalität und entfalten sich entlang einer typisch melodramatischen Richtlinie. Der übertriebene Pathos der Handlung wird durch die starke körperliche Präsenz der Schauspieler gut ausgeglichen. Hier bestechen auch die wundervoll choreographierten Kampfszenen.

Wie bereits erwähnt bettet sich der Film in die wahren Ereignisse der 47 Ronin, eine durchaus typische Vorgehensweise von vielen Jidai-gekis. Die Figur des Tange Tenzen ist im Gegensatz zu Hirobe nicht historisch belegt und hat seinen Ursprung in den Romanen von Kosuke Gomi und erinnert an den einäugigen Schwerkämpfer Tange Sazen.

Das komplexe Skript aus unerwiderter Liebe und blutiger Rache stammt von Daisuke Ito („Jirokichi the Rat“ 1935) und beansprucht die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Die Verbindung von Fiktion und historischen Ereignissen ist für das westliche Publikum schwer zu verstehen und setzt einen gewissen Grad an Vorwissen voraus. Die Kameraarbeit von Shozo Honda („The Tale of Zatoichi Continues“ 1962) ist hervorragend. Zwei große Kampfszenen, eine auf der Brücke und eine im Schnee bleiben besonders in Erinnerung. Dies könnte sogar die erste Schwerkampfszene im Schnee sein. Die Kulissen haben auch ihren eigenen Charm. Fast schon psychedelisch wirken die Settings und betonen eine Künstlichkeit, die mit der hochstilisierten Rachegeschichte gut zusammenpassen.

„Samurai Vendetta“ ist ein wichtiges Zeitdokument für alle die, die sich mit dem japanischen Schwertfilm und seinen Stars näher beschäftigen wollen. Nicht unbedingt ein Klassiker oder Must-See für alle anderen.

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