#74 „Paradaisu Byu“ (1985)

„Paradaisu Byu“

aka

„Paradise View“

Die Filme von Go Takamine befassen sich mit der Mythologie des südlichsten Teil Japans, Okinawa. Seinen ersten Spielfilm, „Paradise View“, dreht er 1985 und leistet damit wesentliche Pionierarbeit.

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„Paradise View“ stellt die kulturellen Unterschiede zwischen den Einwohnern Okinawa’s und den Japanern in den Vordergrund. Reishu, gespielt von Kaoru Kobayashi („Midnight Diner“), schwängert ein Mädchen aus seinem Dorf, welches eigentlich einen Lehrer aus Tokyo heiraten soll. Dies führt zu einigen Verwerfungen innerhalb der Dorfgemeinschaft.

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Der unabhängige Staat „Okinawa“ ging am 15. Mai 1972 wieder zurück an Japan. Die Handlung spielt kurz vor dieser Angliederung und blickt zurück auf eine zwiegespaltene Bevölkerung, die Japan eher kritisch gegenübersteht. Verwurzelt in einer von Naturgöttern geprägten Sagenwelt, bewegen sich die Hauptfiguren in einer Art spirituellen Nacherzählung. Takamine gelingt es dem Zuschauer die Folklore dieser fast schon vergessenen Kultur und ihre Religion namens „Ryukyuan“ näherzubringen. In nüchterner, aber surrealer Erzählstruktur wandeln die Charaktere zwischen der fantastischen und der realen Welt.

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Begleitet von traditionellen Gesängen und einem ausgezeichneten Soundtrack von Ex-„YMO“ Bassist Haroumi Hosono, der unter anderem den Soundtrack für den Animeklassiker „Night on the galactic Railroad“ und ganz aktuell auch für Koreeda’s „Shoplifters“ komponierte, entfaltet sich ein langsames Liebesdrama. Filmisch kann „Paradise View“ dadurch aber leider nicht überzeugen. Anschlussfehler, hölzerne Dialoge und eine verwirrende Personenkonstellation machen es schwer dem Film zu folgen. Vielmehr steht die historische Bedeutung des Films an sich im Vordergrund. So sprechen alle Charaktere im lokalen Dialekt, Bräuche werden gezeigt und die Eigenständigkeit der Kultur Okinawas bestärkt. Takamine hat etwas von kulturanthropologischem Mehrwert geschaffen. Etwas, das für die Region und das Selbstwertgefühl seiner Einwohner wertvoll erscheint und dem fremden Zuschauer gleichzeitig zeigt, dass Okinawa eine gesonderte Geschichte zum Rest Japans hat.

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Der Kampf nach Unabhängigkeit, Gleichberechtigung und Anerkennung wird auf Okinawa bis heute geführt. Durch die Stationierung amerikanischer Soldaten, fühlen sich große Teile der Inselbevölkerung bedroht und es kommt regelmäßig zu Demonstrationen gegen die US-Truppen. „Paradise View“ ist einer der wenigen Filme, der diesen Menschen ein Gesicht gibt. Go Takamine führt seine Arbeit bis heute weiter, drehte 1989 den mehrfach ausgezeichneten Film „Untamagiru“ und bemüht sich die Identität und Geschichte Okinawas am Leben zu erhalten.

Kompletter Film:

 

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