#70 „Anjō-ke no butōkai“ (1947)

„Anjō-ke no butōkai“

aka

„The Ball at the Anjo House“

Das Ende einer Ära, einer Dynastie, einer Familie. „The Ball at the Anjo House“ von Kōzaburō Yoshimura  ist einer der großen Klassiker des japanischen Kinos der 40er-Jahre. Ausgezeichnet mit dem Kritikerpreis des Kinema Junpo Magazins, makiert dieser Film den Beginn der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Kōzaburō und Drehbuchautor Kaneto Shindo. 1950 gründeten die beiden die Produktionsfirma „Kindai Eiga Kyokai“, die unter anderem verantwortlich war für „Naked Island“, „Kuroneko“ und „Onibaba“.

Bildergebnis für 安城家の舞踏会

„The Ball at the Anjo House“ zeigt den Verfall einer Adelsfamilie nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg. Durch die neuen Gesetze ist die Familie dazu gezwungen ein bürgerliches Leben zu führen und muss ihre Villa verkaufen. Doch bevor es soweit ist, laden sie die vornehme Gesellschaft noch einmal zu einem letzten, großen Ball ein.

Bildergebnis für the ball at the anjo house

Setsuko Hara („Reise nach Tokyo“, „Später Frühling“) spielt die gutgestimmte Tochter, die den Vater vom Selbstmord abhält und der Zukunft positiv entgegen sieht. Ihr Bruder, gespielt von Masayuki Mori („Rashomon“), ist ein Playboy, der den Frauen alles verspricht und am Ende nichts einhält. Im Gegensatz zu seiner Schwester trauert er der alten Zeit nach. Das Ensemble wird komplettiert durch Osamu Takizawa („Fires on the Plain“) als Vater und Yumeko Aizome („Flag in the Mist“). Hara und Mori bestimmen den Film und machen ihn zu dem was er ist.

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Die aufgedunsene Handlung wirkt nämlich steif und wenig spannend. Das Setting, für diese Zeit typisch, spielt sich meist in Innenräumen ab und wird dominiert von langen Dialogen zwischen den Charakteren. „The Ball at the Anjo House“ ist dann interessant, wenn man ihn als Zeitdokument betrachtet. Der Film gibt Aufschluss über vergessene gesellschaftliche Strukturen und verbindet sie mit menschlichen Schicksalen. Dabei schwelgt Kōzaburō in Nostalgie, bereitet aber auch den Weg für ein neues Japan.

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Wie seine Kollegen Ozu („Später Herbst“) und Mikio Naruse („Floating Clouds“) befasst sich der Regisseur mit der Modernisierung Japans und welche Auswirkungen diese auf alte Traditionen hat. Die konstante Veränderung des Lebens und die Unaufhaltsamkeit der Zeit tragen zum melancholischen Grundton des Films bei. Die Figuren lernen im Verlauf des Films dies zu akkzeptieren und geben Hoffnung. Die theatrale Präsentation und die, aus heutiger Sicht, veralteten Erzähltechniken müssen dazu ersteinmal übersehen werden, um die universelle und zeitlose Botschaft des Films zu verstehen.

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Wenn man sich auf diesen Film und seine Zeit einlässt, bekommt man ein unterhaltsames Melodrama, das seinen Platz in der japanischen Filmgeschichte durchaus verdient hat und das einige der besten Schauspieler dieser Epoche hervorgebracht hat.

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