#48 „Arigatô-san“ (1936)

„Arigatô-san“

aka

„Mr. Thank-you“.

Der Film erzählt die Geschichte von Arigatô-San. Er ist Busfahrer und fährt regelmäßig die Strecke zwischen Izu und Tokyo. Sein Spitzname Arigatô-san kommt daher, dass er sich jedesmal, wenn jemand auf der Straße Platz für seinen Bus macht, mit einem kräftigen „Arigatô!“ („Danke“) erkenntlich zeigt.

Auf der knapp 200 Kilometer langen Fahrt steigen immer wieder Leute ein und aus. Eine Konstante ist ein Mutter-Tochter Paar. Sie sind seit Beginn der Reise im Bus und wollen nach Tokyo. Die Mutter hat ihre Tochter als Hausdame an einen reichen Haushalt in Tokyo verkauft, da sie das Geld brauchen. Den beiden ist dies äußerst peinlich und sie denken sich jedesmal eine neue Ausrede aus, wenn sie von zugestiegenen Passagieren nach dem Grund ihrer Reise gefragt werden.

Die finanzielle Notlage wird hier stark thematisiert. Menschen suchen ihr Glück in der Großstadt, gleichzeitig kehren gescheiterte Existenzen aus der Großstadt zurück in ihre Heimatdörfer.

ARIGATô-SAN ist ein Reisefilm, der ein Abbild des alltäglichen Lebens in Japan zur Zeit der Depression entwirft. Menschen und Gegenden verschmelzen darin. Dazu gibt der Film den Blick frei auf landschaftliche Kulissen. Von der Küstenstadt Izu über die Berge von Amagi bis hin zu kleinen Dörfern und Bahnhöfen, in denen die Zeit still zu stehen scheint. Arigatou-San ist hier auch ein Überbringer von Neuigkeiten und berichtet den Dorfbewohnern was in anderen Dörfern passiert. In der schweren Zeit ist der Busfahrer ein stets gutgelaunter Ankerpunkt, an dem sich alles zu sammeln scheint und in dessen Bus alle möglichen Leute zusammenkommen.

Der im Westen nahezu unbekannte Regisseur Hiroshi Shimizu bezieht sich mit seinem Film auf die Anfänge des frühen Films. Die Zugfahrten in den Filmen der Gebrüder Lumière und die tableauartigen Kulissen werden hier zitiert. Daher gleicht der Film auch den sogenannten Phantomfahrten, in der die Kamera auf dem Dach eines Fahrzeugs fest montiert wird, so dass der Eindruck entstehe, man fahre im Auto mit. Diese Art der subjektiven Kameraeinstellung findet sich in ARIGATô-SAN sehr häufig.

Wie in den meisten seiner 160 Filme schreckt Hiroshi Shimizu auch in ARIGATô-SAN nicht vor sozialem Kommentar zurück. Selbstreflexiv geht der Film auf die neuartige Technik des Tonfilms ein. So sprechen die Passagiere im Film selbst über diese Technologie.

Passenderweise ist ARIGATô-SAN auch einer der ersten japanischen Tonfilme. Eine weitere Premiere ist der Auftritt von Ken Uehara. Es ist seine erste Hauptrolle überhaupt. Später wird er ein nationaler und internationaler Star in den Filmen von Mikio Naruse und Yasujiro Ozu .

Regisseur Shimizu, der ein guter Freund von Ozu war und im selben Jahr geboren ist, setzte mit ARIGATô-SAN einen wichtigen Meilenstein für den japanischen Film. Die Entdeckung von Ken Uehara, der im späteren Verlauf seiner Karriere das Gesicht des japanischen Kinos wurde und der filmische Querschnitt durch alle sozialen Schichten Japans waren Vorbild für Viele, die heute als Legenden gefeiert werden.

 

Film in kompletter Länge:

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.