#43 „964 Pinocchio“ (1991)

Tokyo im Jahr 2064. Eine Firma verwandelt Menschen in willenlose Sex-Roboter ohne Gedächtnis und vermietet sie illegal an ihr Klientel. Eine unbefriedigte Kundin schmeißt Pinocchio 964 aus ihrer Wohnung heraus, ohne ihn bei der Firma zu reklamieren. Pinocchio irrt orientierungslos durch die Stadt bis er auf Himiko trifft, die ihn aufnimmt und ihn vor den Schergen der Firma bei sich versteckt.

Himiko

Sie versucht ihm wieder beizubringen wer er ist und ihn in den Alltag zu integrieren. Aber je menschlicher Pinocchio wird desto unmenschlicher wird Himiko. Als Pinocchio wieder sein Bewusstsein erlangt ist es bereits zu spät. Himiko hat sich in eine sadistische Kreatur verwandelt, die ihn sogleich zu ihrem Sklaven macht.

Himiko kontaktiert die Firma, um Pinocchio auszuliefern. Doch bei der Übergabe entkommt Pinocchio und er begibt sich zum Firmensitz, um Rache zu nehmen.

964 PINOCCHIO ist harte Kost. Zusammen mit Filmen wie Tetsuo , Burst City und Death Powder bildet er die Speerspitze des japanischen Cyberpunk. Das Individuum gegen seine, meist übertechnologisierte, Umwelt. Anarchie, Chaos und Zerstörung sind Grundbausteine der Handlung und des filmisches Konzepts. Inhaltlich äußert sich dies im übermäßigen Gebrauch von Fäkalien und expliziten Sexdarstellungen. So enthält der Film eine Kotz-Szene, die über 5 Minuten dauert.

Die Bilder sind ein Zerrspiegel und sie entwerfen eine surreale Parallelwelt. Kameraeinstellungen wie von Überwachungskameras, extreme Nahaufnahmen, und wacklige Handkamerabewegungen werfen den Blick des Zuschauers durch den Raum. Alles vermischt sich miteinander.

Die Schauspieler performen mehr mit ihrem Körper als mit Worten. Pinocchio, der sowieso kaum redet, läuft meist stöhnend und ächzend durch den Film. Dialoge sind dabei eher rar und beschränken sich meist auf wiederholende Wortblöcke.

Pinocchio unterwegs in Tokyo

Tragischer Höhepunkt des Films ist der Verrat von Himiko. Pinocchios einziger Kontakt zu einer Welt, die er nicht versteht, hintergeht ihn. Alleingelassen, frustriert und auf der Suche nach Zuneigung rennt er in einer beeindruckenden Sequenz durch die vollen Straßen Tokyos. Sein Ziel ist die Firma, in der er umgepolt wurde. Dort angekommen findet er endlich das wonach er sich die ganze Zeit gesehnt hat. Die Vereinigung mit Himiko gelingt – zumindest teilweise.

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