#26 „Namida to warai no happî kurasu: 4 nen 1 kumi Inochi no jugyô“ (2003)

„Namida to warai no happî kurasu: 4 nen 1 kumi Inochi no jugyô“

aka

„Children Full of Life“

Die 34 Schüler der 4. Klasse der Grundschule in Kanazawa haben einen unkonventionellen Lehrer.

Herr KANAMORI ist für die letzten zwei Jahre der Vorstand der Klassengemeinschaft. Seine oberste Priorität lautet „Happy“. Die Schüler sollen glücklich sein und gerne in die Schule gehen. Elementarer Teil ihrer Hausaufgaben ist das Führen eines Tagebuchs, in das jeder Schüler seine Gedanken schreibt und diese der Klasse am folgenden Tag mitteilt.

Die einstündige Dokumentation beginnt mit einem augenscheinlich nicht so fröhlichem Thema, nämlich mit der Bewältigung eines Todesfalles innerhalb der Familie eines Schülers. Die Großmutter ist gestorben und der betroffene Schüler liest seinen Tagebucheintrag über die Beerdigung vor der Klasse vor.

Von der Trauer angesteckt erzählen nun auch andere Mitschüler von ihren Erfahrungen mit dem Tod. Der Klassenraum wird zur Schutzzone für die Kinder, in der sie ihre unterdrückten Gefühle erzählen können. So berichtet eine Mitschülerin von dem Tod ihres Vaters, den sie seit drei Jahren verheimlicht und das sie jetzt durch den Tagebucheintrag ihres Freundes den Mut findet auch darüber zu reden.

Die Kraft der Gemeinschaft entwickelt eine therapeutische Wirkung für die Kinder. Sie weinen zwar, aber sie durchlaufen einen Reifeprozess, der ihnen die Wichtigkeit von Zusammenhalt und Ehrlichkeit, näherbringt.

Diese Szene zu Beginn des Films steht exemplarisch für die Unterrichtsmethode von Herrn Kanamori. Er zwingt den Kindern nichts auf, sondern lässt ihnen die Zeit, die sie brauchen, um aus sich selbst heraus zu kommen.

Die Schüler entwickeln sich in den zwei Jahren zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, die aber auch lernen muss, dass nichts im Leben sicher ist und das Schicksalsschläge zum Leben dazugehören. Für manch anderen Lehrer wäre es schier unmöglich 10 – Jährigen solche Erfahrungen weiterzugeben. Herr Kanamori gelingt dies mit einer stoischen Art und Weise, die seine Klasse stellenweise wie eine Sekte wirken lässt, an deren Spitze er als Guru steht. Die Kinder haben Vertrauen zu ihm, werden aber auch gleichzeitig mit enormen emotionalen Herausforderungen konfrontiert.

Der öffentlich – rechtliche Sender NHK schafft mit Hilfe von Regisseur NOBORU KAETSU einen ziemlich beeindruckenden Film. Die simple Geschichte, gut erzählt, richtet ihren Blick auf alle Aspekte des Lebens und stellt die Schule selbst als eine Schule des Lebens dar und demonstriert welchen positiven Einfluss ein guter Lehrer auf das Leben seiner Schüler haben kann. Der Zuschauer erlebt eine emotionale Achterbahn, fühlt sich den Kindern nahe und wünscht sich vielleicht selbst auch so einen Lehrer gehabt zu haben.

 

 

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