#65 „Nagasaki bura bura bushi“ (2000)

Yukio Fukamachis Romanverfilmung über Nagasaki’s berühmte Geisha Aihachi zeigt Japans Unterhaltungsindustrie zur Zeit der industriellen Revolution.

Nach 200 Jahren der Isolation öffnet sich Japan 1864 dem Westen. Die Epoche der sogenannten Meiji-Restauration markiert den Beginn eines wirtschaftlichen und militärischen Aufschwungs. In dieser Zeit wird AIHACHI aus Geldnot von ihren Eltern an ein Etablissement in Nagasaki verkauft. Dort wird sie zur Geisha ausgebildet; lernt Gesang, Tanz und Umgangsformen.

Bildergebnis für 長崎ぶらぶら節

Der Film als Porträt über das Leben einer Geisha, bedient sich der Vorlage von Rei Nakanishi und thematisiert historische Ereignisse wie zum Beispiel die Versenkung des Kriegsschiffs Tosa. Im Mittelpunkt stehen Gebräuche und Alltag der jungen Mädchen, die sich im Etablissement aufhalten und in Konkurrenz zu anderen Geishas stehen. Aihachi’s familiäres Schicksal und ihr Streben nach Unabhängigkeit geben „Nagasaki bura bura bushi“ dramaturgische Festigkeit, die von Sayuri Yoshinaga eindringlich hervorgehoben wird. Sie harmoniert mit ihrem Schauspielkollegen, Tetsuya Watari. Wie so oft im japanischen Film, wird ihre Beziehung bestimmt von Verlangen und Selbstbeherrschung. Die Rationalität gewinnt letztendlich über die Emotion. Subtile Liebesbekundungen und Andeutungen finden aber dennoch über Umwege den richtigen Adressaten und verwässern den bitteren Beigeschmack der gescheiterten Romanze.

Ähnliches Foto

Die Auftritte der Geishas sind Kern vieler Szenen. Lieder, die zum Feiern animieren oder Trauer bekunden sollen. Das Spektrum der vorgetragenen Einlagen ist so unterschiedlich wie das Leben. Einer der Höhepunkte ist Aihachi’s Klagelied für die Tosa. Darin drückt sich ihre spezielle Vorliebe für Sumo und die Seefahrt aus. Aihachi’s eigensinniger Charakter, aber auch die Ernsthaftigkeit die mit der Profession verbunden ist, kommen hier gut zum Ausdruck. Glaubhaft vermittelt durch Sayuri Yoshinaga, die für ihre Leistung mit dem Japan Academy Prize ausgezeichnet wurde.

Ähnliches Foto

„Nagasaki bura bura bushi“ ist ein detailliertes Historiendrama und beherbergt hervorragende schauspielerische Darbietungen, die sich an einer Hommage an eine vergangene Zeit versuchen. Dazu greift der Film die bekannten Motive von Liebe, Verlust und Selbstdisziplin auf und verbindet sie mit lokalen Anekdoten aus der Nagasaki Gegend, rund um die Geisha Aihachi.