#26 „Namida to warai no happî kurasu: 4 nen 1 kumi Inochi no jugyô“ (2003)

„Namida to warai no happî kurasu: 4 nen 1 kumi Inochi no jugyô“

aka

„Children Full of Life“

Die 34 Schüler der 4. Klasse der Grundschule in Kanazawa haben einen unkonventionellen Lehrer.

Herr KANAMORI ist für die letzten zwei Jahre der Vorstand der Klassengemeinschaft. Seine oberste Priorität lautet „Happy“. Die Schüler sollen glücklich sein und gerne in die Schule gehen. Elementarer Teil ihrer Hausaufgaben ist das Führen eines Tagebuchs, in das jeder Schüler seine Gedanken schreibt und diese der Klasse am folgenden Tag mitteilt.

Die einstündige Dokumentation beginnt mit einem augenscheinlich nicht so fröhlichem Thema, nämlich mit der Bewältigung eines Todesfalles innerhalb der Familie eines Schülers. Die Großmutter ist gestorben und der betroffene Schüler liest seinen Tagebucheintrag über die Beerdigung vor der Klasse vor.

Von der Trauer angesteckt erzählen nun auch andere Mitschüler von ihren Erfahrungen mit dem Tod. Der Klassenraum wird zur Schutzzone für die Kinder, in der sie ihre unterdrückten Gefühle erzählen können. So berichtet eine Mitschülerin von dem Tod ihres Vaters, den sie seit drei Jahren verheimlicht und das sie jetzt durch den Tagebucheintrag ihres Freundes den Mut findet auch darüber zu reden.

Die Kraft der Gemeinschaft entwickelt eine therapeutische Wirkung für die Kinder. Sie weinen zwar, aber sie durchlaufen einen Reifeprozess, der ihnen die Wichtigkeit von Zusammenhalt und Ehrlichkeit, näherbringt.

Diese Szene zu Beginn des Films steht exemplarisch für die Unterrichtsmethode von Herrn Kanamori. Er zwingt den Kindern nichts auf, sondern lässt ihnen die Zeit, die sie brauchen, um aus sich selbst heraus zu kommen.

Die Schüler entwickeln sich in den zwei Jahren zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, die aber auch lernen muss, dass nichts im Leben sicher ist und das Schicksalsschläge zum Leben dazugehören. Für manch anderen Lehrer wäre es schier unmöglich 10 – Jährigen solche Erfahrungen weiterzugeben. Herr Kanamori gelingt dies mit einer stoischen Art und Weise, die seine Klasse stellenweise wie eine Sekte wirken lässt, an deren Spitze er als Guru steht. Die Kinder haben Vertrauen zu ihm, werden aber auch gleichzeitig mit enormen emotionalen Herausforderungen konfrontiert.

Der öffentlich – rechtliche Sender NHK schafft mit Hilfe von Regisseur NOBORU KAETSU einen ziemlich beeindruckenden Film. Die simple Geschichte, gut erzählt, richtet ihren Blick auf alle Aspekte des Lebens und stellt die Schule selbst als eine Schule des Lebens dar und demonstriert welchen positiven Einfluss ein guter Lehrer auf das Leben seiner Schüler haben kann. Der Zuschauer erlebt eine emotionale Achterbahn, fühlt sich den Kindern nahe und wünscht sich vielleicht selbst auch so einen Lehrer gehabt zu haben.

 

 

#25 „Bakuman.“ (2015)

Der Beruf des Manga-ka ist der Traumberuf vieler Schüler in Japan. MASHIRO, dessen Onkel bereits ein berühmter Manga-ka war, hat eine Leidenschaft fürs Zeichnen und findet im Schulkameraden Takagi einen ebenso begeisterten Hobbyautor mit dem er versucht einen Erfolgstitel im landesweit bekanntesten Magazin für Mangas, dem Weekly Shōnen Jump, zu platzieren.

Der Titel des Filmes BAKUMAN. bezieht sich auf die von Mashiro´s Onkel erfundene,  fiktive Mangaserie Bakuman, die erfolgreich im Weekly Shounen Jump erschien, bis er schließlich unter dem Druck, jede Woche eine neue Episode abliefern zu müssen, zusammenbrach und starb.

Mashiro will nun in die Fußstapfen seines Onkels treten und entwirft zusammen mit Takagi einige Konzepte, die er beim Verlag vorlegt. Nach langem Zögern und etlichen Verbesserungen bekommen die beiden die Chance ihre eigene Mangaserie zu kreieren. Von nun an stehen sie in direkter Konkurrenz mit den anderen Manga-ka, die ihre Mangas im Magazin veröffentlichen. Allen voran EIJI NIIZUMA, einem Wunderkind, der seit dem sechsten Lebensjahr Mangas entwirft.

Seinem Genius scheinen Mashiro und Takagi nicht gewachsen. Bis sie sich für eine gewagte Wendung ihres Skriptes entscheiden. Sie lassen den Hauptcharakter sterben und ersetzen ihn bereits zu Beginn der Geschichte mit einer neuen, weiblichen Figur, die inspiriert ist von AZUKI, einer Klassenkameradin, in die Mashiro verliebt ist und die als Synchronsprecherin arbeitet.

Mit der geänderten Story gelingt es ihnen an NIIZUMA vorbei auf Platz 1 des Rankings zu kommen. Doch die Fortsetzung ihrer Serie scheitert an der Einhaltung der Deadline und sie müssen sich letztendlich dem Zeitdruck beugen. Nach drei Ausgaben ihres Mangas wird die Serie im Weekly Shounen Jump eingestellt.

Wie sollte es anders sein, der Film BAKUMAN. basiert auf dem gleichnamigen Manga von Tsugumi Ouba und Takeshi Obata. Ihr Manga wurde 2003 fortlaufend im Weekly Shounen Jump veröffentlicht und brachte drei Anime – Staffeln zu Tage und schließlich die hier vorgestellte Realverfilmung. Die Manga-ka Oubu und Obata sind hierzulande vor allem durch ihre erste Kooperation, Death Note, bekannt, welche ungefähr die selbe Vermarktungskette wie Bakuman. mit sich zog. Damit steht Bakuman. in der langen Tradition von Manga Verfilmungen an deren Spitze derzeit Filme wie Attack on Titan, Assassination Classroom oder Parasyte stehen und mit jungen, beliebten Schauspielern versuchen die Story des ursprünglichen Mangas bestmöglich zu verwerten.

Bei solchen kommerziellen Mainstreamproduktionen droht schnell das Abdriften in die Oberflächlichkeit und ins Klischee. Bakuman. schafft mit Hilfe der Selbstreflexivität gerade so die Balance. Zum einen ist er mit einem hervorragenden Cast besetzt, der einen Querschnitt durch die momentan angesagten Teenie – Idole Japans bietet. Zum anderen spielen diese teils sehr plump und uninspiriert.

Thematisch zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Einblick in die Welt der Manga-ka ist sehr zugänglich dargestellt und äußerst kritisch. Eine Ode an die Welt der Mangas sieht definitiv anders aus, ist aber in diesem Zusammenhang nicht zu erwarten, da es ja gerade um den Druck in der Branche geht. Es wird sehr schön gezeigt, welcher Arbeitsaufwand mit der Entstehung weniger Seiten verbunden ist. Teilweise arbeitet ein einziger Zeichner zwei Tage oder mehr an einem einzigen Teller, der durch das Bild fliegt. Diese fast unmenschliche Leistung und die Herausforderung, vor die sowohl Autoren als auch Zeichner jede Woche von neuem gestellt werden machen den interessanten Teil des Filmes aus. Als eine Art Making-Of begleitet man die Charaktere beim Entstehungsprozess.

Fürchterlich hingegen ist die Liebesgeschichte zwischen Mashiro und Azuki erzählt. Sie wirkt aufgezwungen und unnatürlich. Hier herrscht leider kollektives Versagen: Schauspielerisch, Technisch und Erzählerisch. Die Szenen zwischen den beiden wirken wie aus einem anderen Film und passen einfach nicht in das Gesamtwerk. Die Motivation Azuki als Inspiration für die neue Figur des Mangas zu nehmen ist verständlich, aber nicht überzeugend dargestellt.

Wenn man sich diesen Teil wegdenkt, dann bleibt ein aufklärender Film über die Welt des Mangas und seiner Fans, der zudem stellenweise mit ganz nett anzusehenden Tricks, reale und gezeichnete Welt miteinander verschmelzen lässt.

 

 

#24 „In za pûru“ (2005)

„In za pûru“

aka

„In the Pool“.

Eine Dauererektion. Eine Zwangsstörung. Die Sucht nach Schwimmen.

Zwei von diesen drei Fällen behandelt der Neurologe DR. IRABU, der mit unkonventionellen Methoden versucht in die Psyche seiner Patienten einzutauchen und ihre Probleme zu lösen.

TETSUYA TAGUCHI ist ein Büroangestellter, der nicht „abschalten“ kann. Schon seit Wochen plagt ihn eine Dauererektion. Bevor Dr. Irabu den Zusammenhang zwischen Erektion und Taguchi´s Ex – Frau herstellt, durchläuft Taguchi etliche peinliche Alltagssituationen (unter anderem einen Onsen – Besuch mit Geschäftspartnern) und kommt auch nicht um eine Konfrontation mit seiner Ex – Frau herum.

SUZUMI IWAMURA ist Reporterin bei einer lokalen Zeitung. Doch kaum hat sie das Haus verlassen bleibt sie wie angewurzelt stehen und rennt blitzschnell zurück in ihr Appartement. Grund dafür ist eine Zwangsneurose. Ständig denkt sie etwas zu Hause vergessen zu haben. Sei es den Herd auszuschalten, das Haustier zu füttern oder die Lüftung abzudrehen. Alles führt bei ihr zu einem Kopfkino, an dessen Ende immer die zerstörte Wohnung steht.

KAZUO OHMORI ist nicht bei Dr. Irabu in Behandlung. Er ist leitender Angestellter und baut Stress durch Schwimmen ab. Sein Leiden beginnt als das Schwimmbad zu gewissen Zeiten zusperrt und er auch krankheitsbedingt nicht mehr regelmäßig schwimmen gehen kann. KAZUO merkt, dass er eine Abhängigkeit zu dem Sport und dem Gefühl von Wasser auf der Haut entwickelt hat.

Bevor Regisseur Satoshi Miki seinen großen Erfolgsfilm Tenten realisierte, machte er mit IN ZA PÛRU die ersten Schritte ins Filmgeschäft. Skurrilität und verschrobene Charaktere sind das Markenzeichen seiner Filme. Dazu kommt ein trockener Humor, der sich schon im Debütfilm zeigt.

Auf diese Art und Weise werden psychische Erkrankungen vorgestellt und gleichzeitig parodiert. Dr. Irabu nimmt bei seinen Behandlungen kein Blatt vor den Mund und setzt auf Konfrontation mit den Ängsten der Patienten und erzeugt dadurch etliche peinliche Situationen. In deren Mittelpunkt steht weniger die Komik an sich, sondern mehr die Banalität alltäglicher Situationen.

Quellen:

http://www.lovehkfilm.com/panasia/in_the_pool.html

 

#23 „Chirin no Suzu“ (1978)

„Chirin no Suzu“

aka

„Ringing Bell“.

Ein Wolf tötet die Mutter des kleinen Lamms CHIRIN. Nach der Attacke sucht Chirin nach dem Wolf. Er will genauso stark werden wie er und sich für den Tod seiner Mutter rächen. Der Wolf trainiert Chirin und macht ihn zu einem Kämpfer. Am Ende steht der Kampf zwischen Lehrer und Schüler.

Basierend auf dem Kinderbuch von Takashi Yanase (u.a. Anpanman) produzierte die Firma Sanrio, Erfinder von Hello Kitty, zusammen mit dem Animationsstudio Madhouse (Ninja ScrollVampire Hunter DDeath Note) den Anime CHIRIN NO SUZU.

Regie führte der relativ unbekannte Masami Hata.

Nach seiner Veröffentlichung im Westen bekam der Film einen berüchtigten Ruf als Schocker. Grund dafür ist der abrupte Stimmungswechsel des Films. CHIRIN NO SUZU orientiert sich zunächst am Disneyfilm BAMBI. Doch die anfängliche Idylle der Schaafsfamilie auf der Weide endet im dramatischen Mord der Schaafsmutter durch den Wolf. CHIRIN wird zum Weisen. So weit alles wie bei Disney.

Doch dies ist keineswegs das Ende der Gewalt. CHIRIN entscheidet sich für den Weg der Rache und sucht den Mörder seiner Mutter, lernt von ihm zu töten. Er wendet sich von seiner eigenen Herde ab, will kein schwaches Lamm sein, sondern ein Killer werden, so wie der Wolf. Eine unerwartete Wendung.

Das Image des Kinderfilms verschwindet. Das Opfer, der Held CHIRIN entwickelt sich zu einem Anti-Helden ohne Mitgefühl. Die Handlungsmotive, das Prinzip Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen, war Grund für viele Länder den Film zu verbieten.

In Japan selbst wurde der Film gerade wegen der Entwicklung des Hauptcharakter als revolutionär aufgefasst. CHIRIN ist kein „Unschuldslamm“ mehr, stellt sich dem übermächtigen Gegner.

Moralisch ist der Film trotzdem äußerst fragwürdig. Am Ende des Films endet CHIRIN verlassen und allein. Vielleicht dann doch die (gerechte) Moral dieser Geschichte.

Amazon-Links:

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Ninja Scroll – Gesamtausgabe (Episoden 1-13) [4 DVDs]

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#22 „Jitsuroku Rengosekigun Asama-Sanso e no Dotei“ (2007)

„Jitsuroku Rengosekigun Asama-Sanso e no Dotei“

aka

„United Red Army“.

Die 60er – Jahre in Japan. Während die USA in Vietnam in einen Krieg verwickelt sind, stellt sich die japanische Regierung gut mit den ehemaligen Besatzern. Von der Insel Okinawa aus fliegen amerikanische Bomber Einsätze in Vietnam. Gleichzeitig finden an über 120 Universitäten Studentenproteste gegen den Krieg statt. Es kommt zu Besetzungen und Straßenschlachten.

Aus dem Chaos heraus bilden sich militante Protestgruppen. Zunächst die R.L.F., dann die R.A.F. und schließlich die UNITED RED ARMY. Sie sympathisieren mit dem chinesischen Führer Mao und kämpfen zusammen mit anderen Fraktionen weltweit für den Kommunismus.

Der Film erzählt die Geschichte dieser Gruppierungen, deren Anführer und Mitläufer.

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Das erste Drittel fungiert als Einführung in den historischen Kontext der Filmhandlung. Regisseur Kôji Wakamatsu erzählt selbst in Begleitung mit Archivmaterial die Ereignisse, die mit dem Studentenprotest ausgelöst wurden. Die Anti-Kriegs Proteste, die Besetzungen zahlreicher Universitäten und Todesopfer bei Straßenschlachten mit der Polizei markieren den Anfang des Widerstandes.

Als in Tokyo für den Bau des Flughafens Narita 200 Bauernfamilien zwangsenteignet werden sollen, errichten Studenten zusammen mit den Bauern eine Barrikadenstadt auf dem Gelände. Der Protest scheint damit auch in der breiten Bevölkerung angekommen zu sein. Nun gehen auch Gewerkschaften mit den Studenten auf die Straße und es kommt zu großen Streiks.

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Doch für viele Studenten wird noch zu wenig getan, zu wenig gewagt, um eine Veränderung herbeizuführen. Und so beschließen sie sich zu bewaffnen und im Untergrund den Widerstand zu trainieren. Angeführt von HIROKO NAGATA und TSUNEO MORI übt eine kleine Gruppe den Guerillakrieg in den Bergen.

Dort erzählt der Film nun fiktional das Zusammenleben der Studenten. In der kleinen Gruppe bilden sich schnell Machtstrukturen aus unter deren Druck viele der Mitglieder zusammenbrechen. Das Prinzip der „Selbstkritik“, nach dem sich die einzelnen Studenten immer selbstkritisch zu ihren „scheinbaren“ anti-revolutionären Gedanken oder Handlungen äußern müssen, führt zu Spannungen und falschen Anschuldigungen.

Es kommt zu Hinrichtungen einzelner Mitglieder und Flucht. Die Gruppe wird immer kleiner und immer radikaler. Das Gemeinschaftsgefühl weicht einer Diktatur durch die beiden Anführer NAGATA und MORI.

Als NAGATA und MORI festgenommen werden übernimmt der nicht weniger radikale SAKAGUCHI die Leitung. Aus Angst vor der Polizei verlässt die Gruppe ihr Lager und bricht auf in die Berge. Verfolgt von der Polizei endet ihr Weg in einer Berghütte, in der sie eine Geisel nehmen. Der Vorfall wurde bekannt als der Asama-Sanso Zwischenfall.

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Das Doku-Drama von Kôji Watamatsu, der bereits über 100 Filme drehte und selbst Teil der Studentenbewegung in den 60er – Jahren war, ist wahrscheinlich die ausführlichste und anschaulichste Darstellung der Protestbewegung in Japan. Besonders der dokumentarische, erste Teile des Films ist äußerst informativ und gut recherchiert.

Der fiktive Teil des Films hinterfragt die Ideologie der radikalisierten Studentengruppe und zeigt die Pervertierung ihres Gedankengutes.

 

 

 

#21 „Sayonara Kabukichô“ (2014)

Sayonara Kabukichô“

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„Kabukichô Love Hotel“.

24 Stunden in einem japanischen Stundenhotel. Ein Blick hinter die Kulissen. Nicht nur hinter die Organisation eines sogenannten „Love Hotels“, sondern auch hinter die Kulissen seiner Besucher.

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Saya und Toru

TORU ist Manager des Love Hotels „Atlas“ im Tokyoter Rotlichtbezirk Kabukichô. Hier arbeitet er unter anderem mit der Putzfrau SATOMI zusammen, die sich dort unter einer falschen Identität vor der Polizei versteckt.

Toru`s Freundin SAYA ist Sängerin und steht kurz vor einem großen Plattenvertrag. Sie weiß nichts von Torus Job und denkt er sei immer noch Rezeptionist in einem renommierten Sterne-Hotel. Denn Toru hat Schulden bei Saya und traut sich deshalb nicht ihr zu gestehen, dass er den Posten beim Sterne-Hotel verloren hat.

Daneben gibt es noch ein koreanisches Pärchen, dessen Beziehung kurz vor dem Ende steht. LEE HE-NA arbeitet, ebenfalls ohne das Wissen ihres Freundes Chonsu, als Callgirl und geht mit ihren Kunden regelmäßig ins Love Hotel. Sie hat aber just an diesem Tag ihren letzten Arbeitstag, und will mit dem verdienten Geld zurück nach Korea und ein Geschäft mit ihrer Mutter eröffnen.

Als dritten Handlungsstrang erzählt der Film die Geschichte des von zu Hause weggelaufenen Mädchens HINAKO. Sie wird von dem jungen Schönling MASAYA aufgegabelt und ins Love Hotel geschleppt. Dieser ist „Talent“-Scout für Prostituierte und sieht in ihr neues Material. Aber bei ihr ist es anders. Er verliebt sich in sie und lässt sie gehen, was ihm viel Ärger mit seinem Chef einbringt.

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Chonsu & Lee He-Na

In der Hauptrolle des Toru brilliert Schauspieler Shota Sometani, der gerade mit Filmen wie Tokyo TribeParasyte oder Sion Sono´s Himizu auf dem besten Weg ist das neue Gesicht des modernen japanischen Mainstream – Kinos zu werden. Ähnlich wie in Tokyo Tribe ist sein Charakter das verbindende Element zwischen den einzelnen Stories.

Überraschend ist die Zusammenarbeit mit der koreanischen Schauspielerin Lee Eun-Woo, die zuvor nur in südkoreanischen Dramen mitspielte (z.B. Moebiuseu). Dies war ihr erster japanischer Film und sie sprach zu Beginn der Dreharbeit nur sehr wenig Japanisch.

Regisseur Ryuichi Hiroko verbindet mit dem Film seine beiden Wurzeln. Das Independent Kino und das Pinku Eiga. Das Love Hotel wird dabei zu einem Ort an dem die Dinge zusammenlaufen, eine neue Richtung finden. Für alle Charaktere ändert sich ihr Leben nach diesen 24 Stunden. Es geht um schicksalhafte Begegnungen, Neuanfänge, und Flucht. Vor allem aber um Liebe und die Erkenntnis, dass im Leben nichts endgültig ist.

 

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Himizu – Dein Schicksal ist vorbestimmt (OmU) [Blu-ray]

Moebius

 

Quellen:

http://39.hkiff.org.hk/eng/film/detail/39103-kabukicho-love-hotel.html

http://www.filmbiz.asia/reviews/kabukicho-love-hotel

 

#20 „Narayama bushikô“ (1958)

Narayama bushikô“

aka

„The Ballad of Narayama“

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„Die Ballade von Narayama“.

Ein kleines japanisches Dorf hat die Tradition ihre älteren Bewohner auf dem Berg Narayama auszusetzen.

Wenn ein Bewohner des Dorfes das 70. Lebensjahr erreicht hat, ist es die Pflicht des Sohnes ihn auf den Berg zum Sterben zu tragen.

Die inzwischen 72-Jährige ORIN kann es kaum erwarten endlich die Reise zum Narayama anzutreten. Doch solange ihr verwitweter Sohn, TATSUHEI, keine neue Frau gefunden hat, fühlt sie sich noch verpflichtet für ihn zu sorgen.

Als dieser schließlich eine neue Frau aus dem Nachbardorf heiratet, kann sie endlich gehen. Für TATSUHEI fällt diese Entscheidung des Abschieds jedoch schwer und er kämpft mit seiner sozialen Verpflichtung dem Dorf gegenüber und seinen Gefühlen für seine Mutter.

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Die Geschichte behandelt den Mythos des „Ubasute“, nach dem im feudalen Japan ältere Menschen in der Wildnis ausgesetzt wurden. Der Mythos des Ubasute war meist Gegenstand von Gedichten und japanischer Folklore. Historische Quellen, die eine solche Praktik wirklich belegen, sind aber so gut wie keine bekannt.

Der Film adaptiert eine solches Drama von Autor Shichirô Fukazawa, welches zwei Jahre zuvor erschien und vermischt Film- und Theaterelemente.

Regisseur Keisuke Kinoshita bedient sich für seinen Film bei der japanischen Theaterform Kabuki. Ein Beispiel ist der Erzähler, der zwischen den einzelnen Szenen oder auch parallel zu ihnen die Handlung singend kommentiert und dabei von einem traditionellen Orchester, bestehend aus Samisen und Klanghölzern begleitet wird.

Hinzu kommt eine künstlich wirkende Kulisse, die sofort den Theaterzusammenhang erkennen lässt. Kinoshita legt hier bewusst keinen Wert darauf einen realistischen Film zu inszenieren, sondern mehr eine Art filmisches Theater zu schaffen. Die Kamera bewegt sich in Kamerafahrten durch die Kulissen und die Übergänge von einem Schauplatz zum nächsten gehen mit einer geschickten Trickmontage ineinander über.

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Inhaltlich ist NARAYAMA BUSHIKÔ die traurige Geschichte eines Sohnes, der nicht Abschied nehmen will von seiner Mutter, der es offensichtlich gesundheitlich noch ganz gut geht. Es ist kaum zu verstehen wieso sie die Familie verlassen will. Doch für sie ist es die Tradition und sie schämt sich sogar noch all ihre Zähne zu haben bevor die Reise beginnt. Um dieser „Schmach“ zu entgehen, schlägt sie sich einige Zähne selber aus, um als „alte“ Frau, vom Leben gezeichnet, die Reise anzutreten.

Im Kontrast dazu zeigt der Film das Schicksal des Nachbar-Opas, MATA. Er will um jeden Preis dem langsamen Hungerstod auf dem Narayama entkommen und weigert sich auf den Berg getragen zu werden. Dies ist eine Schande für seine Familie und schließlich wird auch er gefesselt auf den Berg getragen.

Eine Erklärung für das Verhalten von ORIN könnte die Zeit in der der Film gedreht wurde liefern. 1958, in der schweren Zeit nach der Niederlage des 2. Weltkriegs, sollte ORIN Vorbild sein für eine Generation von Japanern, die dem harten Schicksal mit einem Lächeln im Gesicht entgegentreten und keine Angst vor der Pflichterfüllung haben. Letztendlich fügt sich ja auch ihr Sohn TATSUHEI und erfüllt seine Rolle in der Dorfgemeinschaft, wenn auch unter sehr großem Leid.

 

 

 

Quellen:

http://koreanfilm.org/Q/?m=201401

http://www.divxclasico.com/foro/viewtopic.php?t=43849

 

#19 „Jigoku no banken: Akai megane“ (1987)

Jigoku no banken: Akai megane“

aka

„The Red Spectacles“.

Koichi Todome ist Teil der Spezialeinheit „Kerberos“, die inzwischen, wegen exzessiver Gewaltanwendung, staatlich verboten und verfolgt wird. Zusammen mit MIDORI und SOICHIRO weigert er sich die Waffen niederzulegen. Auf ihrer Flucht lässt KOICHI die beiden verletzt zurück und flieht aus dem Land.

Drei Jahre nach den Ereignissen kehrt KOICHI in die alte Heimat zurück. Vor Ort weiß er nicht, ob er den alten Freunden trauen kann und gerät in eine Spirale aus Verrat und Misstrauen.

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v.l.n.r. Koichi, Midori, Soichiro

Der Film beginnt wie ein klassischer Action-Film. Drei Flüchtige schießen sich ihren Weg in die Freiheit. Doch nach fünf Minuten nimmt der Film eine überraschende, andere Richtung.

Narrativ und filmisch entwickelt sich THE RED SPECTACLES zu einer Noir-Thriller-Komödie. Eine Mischung aus David Lynch und „Dick und Doof“. Gleichzeitig hüllen sich die Bilder in ein sepia/schwarz-weißes Licht, wirken farblos. Obwohl der Film in der „Zukunft“, 1998 spielt, wirkt die Inszenierung wie aus den 50er-Jahren.

Slapstick-Elemente aus übertriebenen Gesten und Sound-Effekten nehmen gewissen Actionszenen die Ernsthaftigkeit. Allerdings lassen sich viele Dinge mittels einem simplen Erklärungsansatzes erklären, der an dieser Stelle nicht genannt werden soll, um die Spannung nicht zu nehmen.

Man kann soviel sagen, dass am Ende des Films einige Hinweise auf KOICHI´s Bewusstseinszustand gemacht werden, der die gezeigten Bilder im Film eventuell beeinflusst haben könnte.

Regisseur Mamoru Oshii setzt mit diesem Film den ersten filmischen Startpunkt seiner Kerberos Saga, zu der später noch weitere Spielfilme und der wahrscheinlich bekannteste Teil der Saga, der Anime Jin-Roh, hinzukamen. Ausgangspunkt der Saga war ein japanisches Radiohörspiel mit dem Titel While Waiting for the Red Spectacles. Das Setting der Saga erzählt einen alternativen, fiktiven Geschichtsverlauf, der stark an Philip K. Dicks The Man in the High Castle erinnert.

THE RED SPECTACLES ist ein absurder Film und lässt ein wenig die Erwartungen, die man beim Anblick der Kampfmonturen der Protagonisten bekommt, ins Leere laufen. Stattdessen bekommt man ein Verwirrspiel serviert, welches die Grenzen von Realität und Traum zusammenfallen lässt.

Wer Oshii bereits durch Animes wie Ghost in the Shell kennt, sieht hier eine neue Seite seines Werks. Es gibt viele Referenzen zur Literatur (Shakespeare, Pushkin), zur griechischen Mythologie und der Film thematisiert Gedankenspiele zum Thema Freier Wille und Vorbestimmung. Alles sehr tiefgründige Ansätze, die aber nicht bis zum Erbrechen durchgekaut werden und den Film vor aufkommender Langeweile bewahren. Ergänzend dazu kommt noch ein hervorragender Soundtrack von Kenji Kawai.

 

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The Red Spectacles

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Ghost in the Shell [25 Jahre Jubiläums-Edition] (Mediabook) [Blu-ray]

 

Quellen:

http://arazatu.blog48.fc2.com/blog-entry-3512.html

The Red Spectacles (1987)

#18 „Soredemo boku wa yattenai“ (2006)

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aka

„I Just didn´t do it“.

Der 26 – Jährige TEPPEI KANEKO ist mit dem Zug auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch. In dem vollgepackten Zug beschuldigt ihn eine 15 – Jährige Schülerin, er habe ihr vorsätzlich an den Po gefasst.

Es beginnt ein Prozess um die Wahrheit. Zumindest könnte man das meinen.

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Denn ist KANEKO unschuldig. Er war nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Was der Film dann in einem fast schon dokumentarischen Stil zeigt, ist das Versagen des japanischen Rechtssystems. Man erfährt, dass 99,9% aller Angeklagten in solchen Fällen schuldig gesprochen werden. Grund ist die Reputation des Richters. Je schneller er ein Verfahren abschließt und je mehr Verurteilungen er erfolgreich durchführt, desto schneller winkt ihm eine Beförderung.

KANEKO bekommt deshalb den Ratschlag auf schuldig zu plädieren. Er käme dann mit einer kleinen Geldstrafe davon. Doch KANEKO besteht auf die Wahrheit und findet Unterstützung in einem Anwalt und einem Aktivisten, der sich speziell für unschuldig angeklagte Sexualtäter einsetzt.

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Das letzte Drittel des Films zeigt die Gerichtssitzungen. Sie sind mitfiebernd und man hält quasi vor jedem Satz den Atem an. Denn trotz des korrupten Systems, in dem die Wahrheit scheinbar keinen Platz hat, bekommt KANEKO einen milden Richter, der den Ausführungen der Verteidigung positiv gestimmt ist. Doch mitten im Prozess wechselt der Richter und der Wind dreht sich wieder. So geht es weiter auf der emotionalen Achterbahn.

Der Film ist sehr dialoglastig, aber nicht langatmig, wie man es bei vielen anderen Gerichtsfilmen sieht. Die Spannung wird gehalten und die Verhandlung gibt authentischen Einblick in ein fremdes Rechtssystem. Allein diese Abläufe zu beobachten ist sehr interessant. Wie wird mit dem Opfer umgegangen, welche Verfahrenswege gibt es und wie sieht der Alltag in japanischen Gefängnissen aus?

In Kombination mit der hervorragenden schauspielerischen Leistung des Hauptdarstellers könnte man meinen, dass hier gerade eine wahre Geschichte gezeigt wird.

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Regisseur Masayuki Suo hat nach 11 – jähriger Pause einen Aufschrei gegen das japanische Rechtssystem ausgelöst. Hatte er 1996 noch mit Shall we dance? eine locker, leichte Komödie geschaffen, die später ein amerikanisches Remake mit Richard Gere und Jennifer Lopez bekam, so schlägt er jetzt in SOREDEMO BOKU WA YATTENAI kritischere Töne an.

Hauptcharakter KANEKO steht dabei symbolisch für eine Generation von jungen Japanern, die sich nicht sicher sind, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Als sogenannter „Freeter“, ein Mensch, der nicht in festen Arbeitsverhältnissen lebt, stolpert er durchs Leben und gerät unglücklicherweise in diese Lage.

Der gesellschaftliche Aspekt des Films und die Aktualität dieses Problems in Japan geben Zündstoff für Diskussionen.

 

Quellen:

https://goninmovieblog.wordpress.com/tag/bokuzo-masana/

http://eigarebyu.blogspot.co.at/2013/01/soredemo-boku-wa-yattenai-2007.html

 

#17 „Yume to kyôki no ôkoku“ (2013)

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aka

„The Kingdom of Dreams and Madness“.

Die Dokumentarfilmerin Mami Sunada begleitet die letzten Tage des Animationsstudios Studio Ghibli und seinem Mastermind Hayao Miyazaki.

Während der Produktionsphase von Kaze tachinu und Kaguyahime no monogatari schaut der Film den Zeichnern über die Schulter und gibt private Einblicke in Hayao Miyazakis Leben.

Anders als in anderen Dokumentation über das Studio Ghibli ( wie z.B. Der Tempel der tausend Träume) geht es hier weniger um die einzelnen Filme als Stationen in Miyazakis Leben. Vielmehr versucht der Film dem Privatmensch Hayao Miyazaki näher zu kommen.

Natürlich ist sein Leben untrennbar mit den Animationsfilmen seines Studios verbunden. Die persönlichen Beziehungen und teilweise auch Streitigkeiten mit Kollegen und Mitarbeitern stehen im Vordergrund. Gleichzeit wird man Zeuge des Entstehungsprozesses von gleich zwei Filmproduktionen.

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Der Film ist für alle Fans von Studio Ghibli Filmen unbedingt zu empfehlen. Auch wenn man die Filme nicht kennt, so ist dies bei diesem Film kein größeres Problem. Zwar gibt die Dokumentation keine Übersicht aller Ghibli – Filme, aber sie erzählt die Geschichte eines von Perfektion getriebenen Mannes und einer Persönlichkeit, die sichtlich gebrochen ist.

Überraschenderweise ist Hayao Miyazaki nämlich ein manisch – depressiver Mensch. Er ist Pessimist und kann ohne Schlaftabletten gar nicht mehr einschlafen. Eine Tatsache, die man angesichts der herzergreifenden Animes, gar nicht glauben kann. Doch YUME TO KYÔKI NO ÔKOKU zeigt unter wie viel Druck der Zeichner steht.

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So hört man beispielsweise Aussagen wie „Ich bin nie wirklich glücklich in meinem Leben gewesen“ oder „Filmemachen ist Leiden“. Für den Zuschauer wirkt Studio Ghibli als „Kingdom of Dreams“. Für Miyazaki selber ist es wohl eher ein „Kingdom of Madness“.

Die Dokumentation hinterlässt daher ein trauriges Gefühl, zumal man weiß, dass es in Zukunft keine Filme mehr aus dieser Traumfabrik des Studio Ghibli geben wird. Im September 2016 erscheint mit The Red Turtle der letzte Film des Studios in Japan.

Zum Abschluss noch eine kleine Chronologie von Hayao Miyazaki`s Werken, für alle die, die nicht genau wissen, was er gemacht hat:

Amazon-Link:

The Kingdom Of Dreams And Madness [Import anglais]