#12 „Kûchû Teien“ (2005)

Kûchu Teien“

aka

„Hanging Garden“.

Familie Kyobashi hat eine Devisie: Keine Geheimnisse voreinander haben.

Mutter ERIKO versucht mit dieser Regel eine glückliche Familie zu schaffen und ein besseres Zusammenleben zu haben als mit ihrer Mutter, bei der sie sich als Teenager nie geborgen gefühlt hat.

Aber die Lüge ist oft einfacher als die Wahrheit. Das muss auch ERIKO bald feststellen.

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Im Mittelpunkt des Films steht der Konflikt zwischen Mutter ERIKO und ihrer, inzwischen kranken, Mutter SACCHIN.

Ihr Kindheitstrauma hat sie größtenteils SACCHIN zu verdanken, die sie vor Anfeindungen anderer Schülerinnen nie verteidigt hat und ihr sagt, dass sie ein nicht gewolltes Kind sei.

Mit dieser Vorgeschichte versucht sich ERIKO ihre eigene, kleine Idylle in Form einer eigenen Familie zu schaffen. Zusammen mit Ehemann TAKASHI zieht sie in einen neuen, sonnendurchfluteten Apartmentblock in Osaka und richtet sich einen hübschen Garten auf der Terrasse ein. Sie bekommen zwei Kinder, MANA und KO.

Nach den Kindern kehrt allerdings Routine ein und das Lächeln von ERIKO wird zunehmend zur Fassade. Ihr Mann geht fremd, ihre Tochter schmeißt die Schule und ihr Sohn klaut im Supermarkt. Doch ERIKO ist so besessen von der Idee einer glücklichen Familie, dass sie es nicht zulassen will diese Tatsachen zu akzeptieren. Ihr Lächeln, so sagt sie, ist ein Gebet, um die Familie zu schützen.

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Schließlich kocht der Konflikt mit ihrer Mutter wieder hoch und es scheint als käme jetzt die große Abrechnung und das Ende der Familienidylle. Doch am Ende kommt es anders als man denkt.

Mit KÛCHÛ TEIEN wagt Regisseur Toshiaki Toyoda einen Schritt in ein neues Terrain. Das Familiendrama. Damit startet er 2005 einen Trend, dem auch andere Regisseure mit Filmen wie Tôkyô Sonata (2008) oder Still Walking (ebenfalls 2008) folgen. Befasste sich Toyoda zuvor noch mit dem Kampf junger Männer gegen die Gesellschaft, wie in meinem bereits besprochenen Film Poruno Sutâ, so stellt er hier erstmals die „normale“ Durchschnittsfamilie in den Vordergrund und zeigt, dass sie gar nicht so normal ist. Nicht verwunderlich das KÛCHU TEIEN bis dato sein erfolgreichster Film in Japan ist.

Der Filmtitel, der übersetzt so viel wie „Hängende Gärten“ heißt, erklärt sich daher, dass hängende Pflanzen keinen festen Boden haben, in den sie ihre Wurzeln schlagen können. Ähnlich wie ERIKO, die nicht geerdet wurde und keine feste Wurzeln aus ihrer Kindheit übernimmt. Ebenso bezeichnet Regisseur Toyoda die fehlenden Wurzeln der Gesellschaft als ein allgemein japanisches Problem.

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Die Kameraarbeit orientiert sich auch an den hängenden Gärten. Sie schwebt über der Familie, dreht sich teilweise um 360° und hat keinen festen Stand.

In diesem Familiendrama kommt Alles zusammen, was sich in Toshiaki Toyoda´s vorherigen Filmen schon angedeutet hatte. Tiefgehende Charaktere, innovative Kameratechniken und ein Ende, das doch zumindest ein wenig Hoffnung erkennen lässt.

 

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