#67 „Red Room“ (1999)

Vier Personen. Ein Ehepaar mit finanziellen Problemen, ein Schuldmädchen und eine Büroangestellte, spielen das „Forbidden Kings“-Spiel. Dabei ziehen sie Karten. Derjenige, der den König zieht, darf bestimmen, was die anderen tun müssen. Wer aufgibt oder stirbt, verliert. Die Person, die zu letzt übrig bleibt gewinnt 10 Millionen Yen.

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„Red Room“ ist ein Direct-to-Video Film von Daisuke Yamanouchi, der inzwischen einen gewissen Kult Status erreicht hat. Da der Film außerhalb Japans nur schwer zu bekommen war, rankten sich seit seiner Veröffentlichung viele Gerüchte um seinen provokanten Inhalt.  Seit 2007 existiert nun eine untertitelte Version auf Englisch. Die knapp 60 minütige Version beinhaltet sehr brutale und verstörende Szenen. 1999, ganze acht Jahre vor der Saw-Filmreihe, finden wir uns in einem, in Rotlicht getauchten Raum wieder, in dem sich die Kandidaten vor einem Bildschirm versammeln, der ihnen die Spielregeln erklärt. Yamanouchi bezieht sich in seinem Konzept auf die immer extremer werdenden Reality- und Spielshows, die zu dieser Zeit beliebt sind (z.B. Susunu! Denpa Shonen oder Downtown no Gaki no Tsukai ya Arahende). Im Mittelpunkt steht der Voyeurismus des Spielmachers, der über Kameras und Mikrophone das Geschehen verfolgt und vorallem der Sadismus der Teilnehmer selbst. In Anbetracht der Gewinnsumme sind die nämlich bereit alles zu tun. Im Verlauf des Films steigert sich die Härte der Aufgaben und  schließlich gibt es auch die ersten Todesopfer.

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Die Produktion ist alles andere als ein Blockbuster. Schlechte Bildqualität, ungewollt komische Sounds und billige Spezialeffekte. Stellenweise wirkt „Red Room“ wie ein Softporno und die schauspielerische Leistung ist sehr amateurhaft. Warum also sticht dieser Film so hervor?

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Zu allererst ist es einer der wenigen Filme seiner Ära, die einen internationalen Vertrieb bekommen haben und dadurch einem breiten Publikum zugänglich wurde. Vom Grad der Gewalt her ist „Red Room“ sogar nicht einmal das höchste der Gefühle. Andere Produktionen von Yamanouchi wie zum Beispiel Muzan-e oder Girl Hell 1999 sind deutlich brutaler und schonungsloser. Die Stärke des Films liegt in seinem innovativen Setting und einiger interessanter Plottwists. Selten wurde das Töten als Spiel mit einem solchen medialen Bezug präsentiert. „Red Room“ kommentiert dadurch eine Entwicklung der Gesellschaft, die zunehmend abstumpft. Hier findet sich jedenfalls der Funken einer Metaebene, die man zwischen all dem Sex und der Gewalt hineininterpretieren könnte. Auch die Motive der Kandidaten lassen überraschende Wendungen erkennen, die von Transsexualität bis Wirtschaftskrise reichen.

Der relative Erfolg des Films führte 2000 zu einem Sequel. Interessant ist „Red Room“ im filmhistorischen Rückblick allenfalls deshalb, weil es als indirekte Vorlage für amerikanische Torture Porn Serien a la Hostel und Saw gesehen werden kann. Außerdem steht der Film für die Spitze eines Eisberges von japanischen Horror Videoproduktionen, die schon in den 80er-Jahren mit der Guinea-Pig Reihe seinen infamen Höhepunkt fand.

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