#79 „Saraba natsu no hikari“ (1968)

„Saraba natsu no hikari“

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„Farewell to the Summer Light“

Zwischen den Jugendporträts am Anfang seiner Karriere und den experimentelleren Werken der späten 60er- und beginnenden 70er-Jahre, drehte Yoshihige Yoshida eine Reihe von Anti-Melodramen. Mit Ausnahme von „Akitsu Springs“, der einen besonderen Stellenwert in Yoshida’s Schaffensphase darstellt, fungieren die Filme in dieser Phase als Antithese zu den pathetischen und emotional aufgeladenen  Schmachtfetzen die im japanischen Kino zu sehen sind.

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Yoshida, der sich persönlich mit dem Begriff der „Japanese New Wave“ schwer tut, da er die kollektivierende, von Außen auferlegte Bedeutung nicht gutheißt, produzierte mit „Farewell to the Summer Light“ das letzte Anti-Melodram bevor 1969 „Eros + Massacre“ eine neue Ära für ihn einläutete.

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„Farewell to the Summer Light“ entstand unter recht ungewöhnlichen Bedingungen. In Kooperation mit der japanischen Fluglinie JAL (Japan Air Lines), sollte Yohida eine Art Reisefilm konzipieren, der den Zuschauer für die Langstreckenflüge der Airline nach Europa begeistern sollte. Eine durchaus mutige Geschäftsentscheidung, wenn man sich die nüchtern kunstvoll verklärten Vorgängerfilme des Regisseurs anschaut. Mit welchen Erwartungen die Werbeabteilung an ihn herangetreten ist, ist leider nicht bekannt. Das Angebot gab Yoshida aber die Gelegenheit in Europa zu drehen – ein, unter japanischen Regisseuren, eher ungewöhnliches Privileg.

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Sein Roadmovie begleitet Kawamura, gespielt von Tadashi Yokouchi (Teil der am längsten laufenden Historien-Serie „Mito Komon“, 1968-2011) und Naoko, gespielt von Yoshida’s Frau Mariko Okada. Ersterer ist Professor und reist durch Europa auf der Suche nach einer besonderen Kirche. Per Zufall trifft er Naoko, eine Kunsthändlerin, die mit einem Amerikaner in Paris zusammenlebt. Ihre Wegen kreuzen und trennen sich mehrmals im Verlauf des Films. Naoko’s Beziehung mit dem Amerikaner geht in die Brüche, die erwartete Affaire mit Kawamura bleibt aber aus. Die Europareise wird zu einer Selbstfindung für die Beiden. Immer auf dem schmalen Grad zwischen Liebe und Ablehnung führt sie ihre Suche von Lissabon nach Rom, Kopenhagen, Madrid, Paris und viele andere Orte. Das Flair der Settings überträgt sich auch auf den Filmstil und „Farewell to the Summer Light“ ist daher wahrscheinlich auch sein „europäischster“ Film. Yoshida lässt zwischen den Hauptfiguren eine Distanz spürbar werden, die an Alain Resnais „Letztes Jahr in Marienbad“ erinnert. Dialoge werden nicht direkt angesicht zu angesicht ausgesprochen, sondern oft in verkanteten Positionen zueinander. Ihr Spiel ist kühl und emotionslos, betont durch melancholische Musik. Das klassische Liebesdreieck, wie man es von Yoshida schon gewohnt ist, wirkt hier zerüttet und der Regisseur scheint seine Lust an den Stereotypen verloren zu haben.

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Abgesehen von den Charakteren, besticht „Farewell to the Summer Light“ durch die wunderbar in Szene gesetzten Schausplätze. Hier übertrifft sich Kameramann Yuji Okumura, der zu dieser Zeit mit „Tobenai Chinmoku“ (1966) und „Hatsukoi: Jigoku-hen“ (1968) auf dem Zenit seines Könnens ist. Seine innovative Kameraarbeit harmoniert mit dem fragmentierten Schnitt, der die Dialoge über Ländergrenzen hinweg transportiert. So beginnt ein Satz von Naoko beispielsweise in Dänemark und sie führt den Satz in Rom zu Ende. Räumliche Barrieren werden überschritten und die Aneinandereihung der unterschiedlichen Reiseziele erzeugt ein Gefühl von Epik. Die handwerklichen Mittel füllt Yoshida dann mit einer bittersüßen Melancholie, einem romantische Vorstellung von Liebe, die Zeit und Raum überwindet.

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Die malerisch in Szene gesetzten Architekturaufnahmen und die apathischen Figuren, die sich in den Bildern bewegen, verlieren aber nach gut einer Stunde ihren Reiz. Zähigkeit macht sich breit und das Konzept, welches anfangs noch spannend zu beobachten war, kippt um in Langeweile. Ebenso wie die Schauspieler ihre Rollen mit einer gewissen Abwesenheit darstellen, genauso entfernt sich der Zuseher von dem Geschehen. Yoshida’s nicht-lineare Ansätze, die an vielen Stellen Kafkaesque Züge haben, sind aber auch Vorboten für seinen darauffolgenden Film „Eros + Massacre“, in dem er diese Erzähltechnik perfektioniert. „Farewell to the Light“ ist daher als eine Art Probelauf zu sehen, und als ein Zeugnis skuriller Zusammenarbeit zwischen einem Avantgard-Filmemacher und einer kommerziellen Firma.

#78 „Akitsu Onsen“ (1962)

Akitsu Onsen

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Akitsu Springs

„Akitsu Springs“ ist der vierte Film von Regisseur Yoshihige Yoshida, der 1955  seine Karriere als Regieassistent beim Filmstudio Shochiku begann und 1960 dort auch seinen ersten eigenen Film, „Good for Nothing“, drehte. Yoshida’s Filme wurden im Verlauf der Zeit immer experimenteller und stellten sich gegen die Produktionscodes des Studios, welches er schließlich verließ, um mit anderen Filmemachern wie Nagisa Oshima unabhängige Filme zu produzieren. Seither gilt er als (vergessener) Vertreter der Japanese New Wave bzw. Shochiku New Wave.

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In „Akitsu Springs“ besetzt er seine Frau, Mariko Okada („Später Herbst“ 1960), als Hauptdarstellerin, in ihrem 100. Film. Sie entwirft auch die Kostüme für den Film. Okada’s Performance sticht hervor und liefert einen angenehmen Kontrast zu den späteren Filmen ihres Mannes, in denen sie eher emotional distanziertere Charaktere verkörpert. Yoshida verzichtet auf visuelle und narrative „New Wave“- Elemente, die er zuletzt noch in „Good for Nothing“ (1960) und „Bitter End of a Sweet Night“ (1961)  verwendete. So dreht er zum ersten Mal in Farbe und nutzt Colorscope für ein kinematographischeres Bildformat.

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Die Narration erinnert an die Vollblut-Melodramen des europäischen und amerikanischen Kinos der 50er-Jahre. Dennoch besticht „Akitsu Springs“ durch einen japanischen Touch. Die tragische Liebesgeschichte spielt in Akitsu, einem Kurort mit heißen Quellen. Nach dem 2. Weltkrieg wird dort ein junger Soldat namens Shusako aufgenommen, der an Tuberkulose erkrankt ist und seinem Leid im dem Kurort durch Selbstmord entkommen will. Eine junge Frau (Okada als Shinko) kann ihn davon abhalten und pflegt ihn gesund. Letztendlich verlieben sich die beiden, aber für ihre Liebe müssen sie einen hohen Preis zahlen.

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„Akitsu Springs“ ist sicherlich einer der visuell beindruckensten Filme von Yoshihige Yoshida. Eine expressive Farbgebung und die poetische Einbeziehung der Natur rund um den malerischen Kurort bleiben ebenso  in Erinnerung wie die musikalische Untermalung, die praktisch ohne Pause die Handlung begleitet. Der scheinbar endlose Wechsel der Jahreszeiten, von Winter zu Sommer, symbolisiert die Beziehung zwischen Shusako und Shinko. Eine Beziehung geprägt von Abschied und Wiederkehr. Die Unfähigkeit der beiden sich von der Vergangenheit loszusagen und ein neues Leben zu beginnen, sowie die Angst vor einer ungewissen Zukunft spiegeln das Japan der Nachkriegszeit wieder. Eine Nation im Wandel, nicht wissend wohin es geht.

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Yoshida Yoshihige geling ein sehr berührendes Drama, indem sowohl Okada als auch Hiroyuki Nagata („Hachiko“ 1987) überragend spielen. Ein Film, der für die große Leinwand gemacht ist.

#77 „Jukkai no Mosukito“ (1983)

„Jukkai no Mosukito“

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„The Mosquito on the Tenth Floor“

Ein Polizist sieht Rot. 10 Jahre hängt der namenslose Beamte nun schon in seiner Polizeistation fest. In dem kleinen Polizeihäuschen, in Japan auch „Koban“ genannt,  wartet er vergeblich auf die Beförderung, die ihn aus dem Streifendienst holt. Von seiner Frau verlassen und in finanziellen Nöten, verfällt er dem Glücksspiel, und gerät in die Schuldenfalle. Ohne eine Perspektive sieht er nur noch einen Ausweg – Gewalt.

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„The Mosquito on the Tenth Floor“ hat mich wirklich positiv überrascht. Der Debutfilm von Regisseur Sai Yoichi („Blood & Bones“ 2004, „Wo liegt der Mond“ 1993) ist ein stimmiges Polizeidrama mit einem starken Hauptdarsteller besetzt. Gespielt von dem kürzlich verstorbenen Yuya Uchida („Black Rain“ 1989), seines Zeichens Sänger, Produzent und nationaler Superstar, trägt die Performance des japanischen „Mick Jaggers“ den ganzen Film.

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Die Geschichte vermag es sehr eindringlich das Problem falscher Erwartungen zu porträtieren. Viele Personen in dem Film haben sich ihr Leben gänzlich anders vorgestellt und finden sich in Situationen wieder, in denen sie nicht glücklich sind. In einer Gesellschaft, die einem Vieles verspricht sind die Erwartungen hoch. Innerhalb des strikten Hierarchiesystems der japanischen Polizei, mit klaren Beförderungs- und Verhaltensregeln, gibt es keinen Platz für den Beamten, der aus der Reihe tanzt. Der Hauptprotagonist fällt durch dieses System und landet auf dem Abstellgleis.

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Was dann folgt ist der Versuch sich wieder Kontrolle über sein Leben zu verschaffen. Der Film setzt dabei meiner Meinung nach zu sehr auf die sexuelle Gewalt der Exploitationproduktionen wie man sie im Kino der 1960- und 1970er gesehen hat. Der Polizist vergewaltigt eine Frau und Sai Yoichi kostet diese Momente aus, verbleibt länger auf ihnen als es sein müsste. „The Mosquito on the Tenth Floor“ streckt  sich dadurch in diesen Sequenzen. Anstatt das ansonsten sehr hohe Tempo des Films weiterzugehen wird es zäh. Aber die Geschichte findet sehr schnell wieder zurück zum eigentlich Thema und zeigt den Polizisten als fürsorglichen Vater, der seiner undankbaren und von der Mutter verwöhnten Tochter die Leviten liest. Der Hauptprotagonist bekommt hier seine Tiefe. Auf der einen Seite der Gewaltäter, auf der anderen der Versuch eine Verbindung zu seiner Tochter aufzubauen.

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Neun Jahre bevor Harvey Keitel in „Bad Lieutenant“ (1992) die Sicherungen durchdrehen, produziert Sai Yoichi die japanische Vorlage. Versehen ist das Cop-Drama mit einem riesengroßen Stempel mit der Aufschrift Zeitgeist. Das Aufkommen der ersten Computer, Fernsehsendungen, Jugendbewegungen wie Harajuku Girls, dazu ein supercooler Synthie-Soundtrack und der Gastauftritt von Takeshi Kitano („Sonatine“ 1993) als quirliger Buchmacher, machen „The Mosquito on the Tenth Floor“ zu einem der essentiellen Filme des japanischen Kinos der 80er.

 

 

#76 „Yuke Yuke Nidome no Shojo“ (1969)

„Yuke Yuke Nidome no Shojo“

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„Go Go Second Time Virgin“

112 Filme hat Kouji Wakamatsu Zeit seines Lebens gemacht. „Go Go Second Time Virgin“ ist einer seiner ikonischsten Filme. Todessehnsucht, Poesie und Jazz tummeln sich in dem 65-minütigen, großtenteils in schwarz-weiß gehaltenen, Gewaltwerk.

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„Ich will sterben, weil ich töten will“, sind die Worte einer jungen Frau, die zuvor von mehreren Männern auf dem Dach eines Tokioter Wohnhauses vergewaltigt wurde. Tsukio, irgendwie Teil dieser Gruppe, aber nur passiver Beobachter, freundet sich mit ihr an. Wie sich herausstellt, ist auch er in der Vergangenheit Opfer sexueller Gewalt gewesen. Gemeinsam verweilen sie auf dem Dach und spielen mit dem Gedanken sich umzubringen.

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Getragen von poetischen Texten und einem experimentellen Jazz-Soundtrack, finden in „Go Go Second Time Virgin“ zwei Opfer zueinander, die sich in ihrer psychotischen und sadomasochistischen Weltansicht bestärken. Wir sehen die letzten Brocken Menschlichkeit verschwinden als sie ihre Gewaltfantasien an ihrer Umwelt auslassen. Die Aussage der Protagonistin Poppo, dass man sie doch bitte umbringen solle, ist Selbsterkenntnis und Hilfeschrei zugleich. Ihre Persönlichkeit ist nicht mehr existent, ihre Seele verschwunden. Die Gewalt, die ihr angetan wurde, will sie zurückgeben und fürchtet sich deshalb vor sich selbst. Emotional ist sie leer und empfindet keinen Schmerz. Der Tod ist ihr einziger Ausweg.

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Kouji Wakamatsu („United Red Army“ 2007) war ein besonderer Filmemacher. Aufgewachsen als Farmer, dann Teil einer kriminellen Vereinigung und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, schwörte er Rache an der Gesellschaft. Diese Rache vollführte er, indem er Filme drehte. Als 1965 sein Film „Secrets behind Walls“ bei der Berlinale, ohne Zustimmung japanischer Behörden, gezeigt wird, boykottiert Japan das Filmfestival für die beiden kommenden Jahre und protestiert gegen die Aufführung. Diplomatische Krise inklusive.

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Wakamatsu’s antiautoritäre Haltung, richtet sich aber nicht nur gegen die Regierung. Insbesondere „Go Go Second Time Virgin“ kritisiert die Hypersexualisierung einer hedonistischen Gesellschaft, die in der 68er-Generation verwurzelt ist. Freie Liebe, die nach hinten los geht. Machtstrukturen, die sich auch in jeder noch so liberalen Gemeinschaft durchsetzen und Menschen unterdrücken und letztendlich auch die emotionale Abstumpfung des Individuums innerhalb einer von Krieg und Zerstörung geprägten Welt.

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Zusammen mit Masao Adachi („A.K.A. Serial Killer“ 1969) verfasst er das Drehbuch. Adachi, auch bekannt durch seine Kooperationen mit Nagisa Oshima, ist, ebenso wie Wakamatsu, Teil eines linksradikalen Kollektivs, welches in Zeiten der Studentenproteste eine neue Ausdrucksweise im Film sucht. Mit Verbindungen zur Art Theatre Guild und zu politischen Terrororganisationen wie der United Red Army etabliert sich eine neue kulturpolitische Elite in Japan, die mit radikalen Darstellungsformen die gesamte Filmwelt nachhaltig beeinflusst. Wakamatsu ist hierbei ein Vertreter des „Pinku Eiga“ – einer Mischung aus Kunst- und Erotikfilm. „Go Go Second Time Virgin“ schockierte daher auch mit einer Vielzahl an Sexszenen. Anders als beispielsweise Akio Jissoji verklärt Wakamatsu die Sexualität nicht mit religiösen Motiven, sondern zeigt sie als rohes Produkt der Gesellschaft. Kouji Wakamatsu’s Filmographie, aber insbesondere „Go Go Second Time Virgin“ hinterließ Spuren und verschob Grenzen in Bezug auf die Darstellung von Gewalt im Film.

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Verstörend, verwirrend, schokierend, hypnotisierend und provozierend sind wohl die zutreffensten Worte in Bezug auf diesen Film. Ein kurzgehaltener, avantgardistischer Aufschrei, den Wakamatsu hier abliefert.

#75 „Dotsuitarunen“ (1989)

Dotsuitarunen

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Knockout

Die testosterongeladenen Filme von Junji Sakamoto haben den aus Osaka stammenden Regisseur Ende der 80er-Jahre bekannt gemacht. Dabei ging Sakamoto nicht den normalen Weg des japanischen Studiosystems – vom Kabelträger, zum Assistent und schließlich zum Regisseur -, sondern fand sein ganz eigenes Erfolgsrezept.

In seinem Debutfilm „Dotsuitarunen“ aus dem Jahr 1989 geht es um den gefallen Boxer Adachi, der nach einer schweren Kampfverletzung wieder ein Comeback wagt. Als sein Gegner meldet sich Kiyota, ein  junger und ambitionierter Sprößling aus Adachi’s ehemaligem Boxstall. Ein Kampf der Generationen.

Die japanische Version von Rocky, gedreht in Sakamoto’s Heimatstadt, war ein großer Erfolg. Neben dem Blue Ribbon Award als bester Film, gewann „Dotsuitarunen“ quasi alles was es in diesem Jahr zu gewinnen gab. Das zweistündige Boxerdrama präsentiert uns aber eine undurchsichtige Heldenkonstellation, die eine Identifikation mit den Figuren schwierig macht.

Adachi, der ein Comeback erst wagt nachdem er als Trainer gescheitert ist, ist keiner mit dem man sympathisiert. Gewalt und Egoismus zeichnen ihn aus. Harte Schale, harter Kern. Sein Herausforderer Kiyota hingegen tritt relativ unbescholten in den Ring. Da der Film sich aber mehr auf Adachi konzentriert bleibt sein Charakter eher außen vor. Damit verbleibt Adachi als unbeliebter Anti-Held übrig.

Sakamoto besetzte zwei Boxer für die Rollen. Im Falle von Kiyota, den aus der Takashi Miike Reihe, „Bodyguard Kiba“, bekannten Takeshi Yamato und für Adachi wählte man Hidekazu Akai aus, dessen schauspielerisches Talent der Rolle angemessen ist. Bis auf ein paar wenige Zeilen, bleibt Yamato nämlich stumm, was, wenn man seine späteren Filme betrachtet, auch besser so ist.

„Dotsuitarunen“ platziert die schroffe Hauptfigur in eine elegant inszenierte Umgebung. Osaka fungiert dabei als ein Labyrinth aus Straßen und Hügeln, in denen sich der Boxer bewegt und auch mit seinen Ängsten konfrontiert wird. Gerne hätte ich mehr von den Großaufnahmen der Straßenzüge gesehen, denn Kameramann Norimichi Kasamatsu („The Unforgiven“ und „Poruno Sutâ“) zeigt hier wieder einmal sein ganzes Können.

Neben den Hauptdarstellern überzeugen auch Yoshio Harada („Still Walking“ und  „Onibi“), der sein Talent für böse Buben über 60 Jahre lang auf der Leinwand zeigte, sowie Akaji Maro („Kill Bill“ „Kikujiro’s Sommer“) als der schusselige Trainer. Der weibliche Part wird gespielt von der Idol-Sängerin Haruko Sagara, die auch eine ordentliche Leistung als starkes Mädchen, in der von Männern geprägten Welt, abliefert. Sakomoto beweist mit der Auswahl der Schauspieler und der restlichen Crew ein gutes Gespür. So holt er sich beispielsweise Toyouki Maruo als Art Director mit ins Boot. 1989 noch ganz frisch im Geschäft – erst sein zweiter Film – war Maruo später bei Klassikern wie „Tokyo Sonata“ oder Kurosawa’s Gruselschockern „Cure“ und „Kairo“ federführend.

Ohne sich jetzt zu sehr mit den Personalia aufzuhalten, muss man aber verstehen, welches Talent, sowohl vor als auch hinter der Kamera, in diesem Film zusammenkommt. Dadurch verzeiht man auch gerne die ein oder andere Macke, die das Skript beinhaltet. Und schon deswegen, lohnt es sich „Dotsuitarunen“ eine Chance zu geben.

Ganzer Film:

#74 „Paradaisu Byu“ (1985)

„Paradaisu Byu“

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„Paradise View“

Die Filme von Go Takamine befassen sich mit der Mythologie des südlichsten Teil Japans, Okinawa. Seinen ersten Spielfilm, „Paradise View“, dreht er 1985 und leistet damit wesentliche Pionierarbeit.

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„Paradise View“ stellt die kulturellen Unterschiede zwischen den Einwohnern Okinawa’s und den Japanern in den Vordergrund. Reishu, gespielt von Kaoru Kobayashi („Midnight Diner“), schwängert ein Mädchen aus seinem Dorf, welches eigentlich einen Lehrer aus Tokyo heiraten soll. Dies führt zu einigen Verwerfungen innerhalb der Dorfgemeinschaft.

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Der unabhängige Staat „Okinawa“ ging am 15. Mai 1972 wieder zurück an Japan. Die Handlung spielt kurz vor dieser Angliederung und blickt zurück auf eine zwiegespaltene Bevölkerung, die Japan eher kritisch gegenübersteht. Verwurzelt in einer von Naturgöttern geprägten Sagenwelt, bewegen sich die Hauptfiguren in einer Art spirituellen Nacherzählung. Takamine gelingt es dem Zuschauer die Folklore dieser fast schon vergessenen Kultur und ihre Religion namens „Ryukyuan“ näherzubringen. In nüchterner, aber surrealer Erzählstruktur wandeln die Charaktere zwischen der fantastischen und der realen Welt.

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Begleitet von traditionellen Gesängen und einem ausgezeichneten Soundtrack von Ex-„YMO“ Bassist Haroumi Hosono, der unter anderem den Soundtrack für den Animeklassiker „Night on the galactic Railroad“ und ganz aktuell auch für Koreeda’s „Shoplifters“ komponierte, entfaltet sich ein langsames Liebesdrama. Filmisch kann „Paradise View“ dadurch aber leider nicht überzeugen. Anschlussfehler, hölzerne Dialoge und eine verwirrende Personenkonstellation machen es schwer dem Film zu folgen. Vielmehr steht die historische Bedeutung des Films an sich im Vordergrund. So sprechen alle Charaktere im lokalen Dialekt, Bräuche werden gezeigt und die Eigenständigkeit der Kultur Okinawas bestärkt. Takamine hat etwas von kulturanthropologischem Mehrwert geschaffen. Etwas, das für die Region und das Selbstwertgefühl seiner Einwohner wertvoll erscheint und dem fremden Zuschauer gleichzeitig zeigt, dass Okinawa eine gesonderte Geschichte zum Rest Japans hat.

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Der Kampf nach Unabhängigkeit, Gleichberechtigung und Anerkennung wird auf Okinawa bis heute geführt. Durch die Stationierung amerikanischer Soldaten, fühlen sich große Teile der Inselbevölkerung bedroht und es kommt regelmäßig zu Demonstrationen gegen die US-Truppen. „Paradise View“ ist einer der wenigen Filme, der diesen Menschen ein Gesicht gibt. Go Takamine führt seine Arbeit bis heute weiter, drehte 1989 den mehrfach ausgezeichneten Film „Untamagiru“ und bemüht sich die Identität und Geschichte Okinawas am Leben zu erhalten.

Kompletter Film:

 

#73 „Watashi no Otoko“ (2014)

„Watashi no Otoko“

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„My Man“

Nachdem ein Tsunami ihre Familie und ihr zu Hause genommen hat, kommt Hana in die Obhut eines fernen Verwandten. Während sie bei ihm aufwächst, entwickelt sich zwischen den Beiden eine gefährliche Liebe.

In der eisigen Kälte des nördlichen Japans inszeniert Kazuyoshi Kumakiri ein Liebesdrama nach dem Vorbild von Nabokov’s „Lolita“. Die Umwelt liefert dabei die perfekt Kulisse, um das emotionale Innenleben der Figuren zu visualisieren. Stille, Kälte und Dunkelheit prägen die zwischenmenschlichen Interaktionen. Kumakiri bleibt sich thematisch treu, indem er vom Schicksal junger Japaner auf Hokkaido berichtet.

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Fumi Nikaido („Himizu“) bekam für ihre Rolle der Hana von der Japanese Academy den Preis für die beste Schauspielerin. Die Figur des traumatisierten Kindes, welches zunehmend in eine isolierte Welt, in der nur noch sie und ihr Ziehvater Jungo existieren, abdriftet, wird von Nikaido mit einer außergewöhnlichen Distanz gespielt. Ob dies nun aber als Teil der Rolle gewollt oder einfach als schauspielerische Unfähigkeit zu verstehen ist, bleibt im Auge des Betrachters. Ihr Ziehvater/Geliebter wurde besetzt mit einem der bekanntesten Gesichter des modernen japanischen Kino, Tadanobu Asano („Ruined Heart“, „Ichi the Killer“). Seine Präsenz ist wie immer eindrucksvoll.

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Allerdings zieht sich der Film doch gewaltig. Der Verzicht auf dialoglastige Szenen lässt viel Raum für Spekulation. Zu viel Raum. Manche Handlungsmotive der Charaktere bleiben der Fantasie des Zuschauers überlassen. Die ruhigen Momente werden unterbrochen von roher Gewalt, die sich gegen jeden richtet, der der Liebe von Hana und Jungo im Weg steht. Besonders diese Szenen profitieren von der lebendigen Kameraarbeit von Ryuto Kondo („The Light only Shines there“, „The Story of Yonosuke“), dessen Bilder man gerade auch in „Shoplifters“ im Kino sehen kann.

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Positiv fällt die ganze Verarbeitung rund um das Thema des Traumas auf. Dem Regisseur gelingt hier ein Gesamtkonzept von Kameraarbeit, Bildkomposition und Handlung. Dunkle Bilder in Sepiafarben drücken Taubheit und Erinnerungen an die Vergangenheit aus. Das Verhältnis zum Vergangenen scheint generell gestört zu sein, denn auch die Verbindung zwischen Jungo und Hana’s Mutter ist nicht gänzlich aufgedeckt. So deutet der Film beispielsweise an, dass er wirklich Hana’s leiblicher Vater sein könnte.

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So bleibt am Ende des Films vieles offen. Die Absicht den Zuschauer die Puzzleteile im Kopf selbst zusammenzufügen lassen erfüllt „Watashi no otoko“ aber nur bedingt. Dazu fehlt es nämlich an Spannung. So überträgt sich die Distanziertheit der Inszenierung leider auf das Verhältnis zwischen Betrachter und Film und stellt unsere Aufmerksamkeit auf eine große Geduldsprobe. „Watashi no Otoko“ ist zwar stellenweise verstörend, setzt aber dann doch zu sehr auf die leisen Töne.

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Literarische Vorlage war übrigens der gleichnamige Roman von Kazuki Sakuraba, die unter anderem durch die Manga Reihe „Gosick“ bekannt wurde und für „Watashi no Otoko“ den renommierten Naoki Preis bekam.

 

 

#72 „Kuruwa Sodachi“ (1964)

Yoshiko Mita war in den 90er-Jahren die bestbezahlte Schauspielerin Japans. Mit ihrer Rolle in „Tragedy of W“ gelang ihr 1984 der endgültige Durchbruch und gewann alle Preise, die Japan zu bieten hat. Durch Regisseur Junya Sato („Yamato“) bekommt Mita im Jahr 1964 ihre erste Hauptrolle in dem Geisha-Drama „Kuruwa Sodachi“.

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Darin spielt sie  Tamiko. Tagsüber geht sie zur Schule und nachts arbeitet sie als Prostituierte. Als Weise, von klein auf in einem Etablissement von Geishas großgezogen, ist sie ihren Freiern ausgeliefert. Schonungslos zeigt Sato wie die Arbeit ihre Psysche zerstört. Dabei träumt sie von einem Leben als Ärztin, besucht eine Medizinschule und schwärmt für Yasuke, den sie später heiraten will. Ihre Profession steht ihr dabei im Weg und der Film lässt all ihre Hoffnungen daran zerplatzen. Yasuke heiratet eine Frau besseren Standes, und Tamiko wird von der Schule verwiesen als ihre Prostitution auffällt. Zusätzlich zwingt sie das neue Anti-Prostitutionsgesetz dazu sich an einen Gönner zu verkaufen. Vor dem Scherbenhaufen ihrer Existenz stehend, beginnt Tamiko sich aus ihrem Käfig zu befreien.

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„Kuruwa Sodachi“ erzählt die Geschichte einer selbstentschlossenen Frau und überrascht mit wunderschönen Sequenzen, die sowohl Achitektur als auch Charaktere kunstvoll darstellen. Sato gelingt es eine kommerzielle Geschichte mit anspruchsvoller Ästhetik zu verbinden. Für die Aufnahmen holt er sich mit Masahiko Iimura einen alten Bekannten ins Team. Die Beiden arbeiteten später nämlich auch an „Panik im Tokio Express“.

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Neben den Bildern ist die Figur der Tamiko der entscheidende Faktor. Ihre Emanzipation, die Befreiung aus dem Elend, letztendlich die Wandlung vom Opfer zur Täterin. „Kuruwa Sodachi“ beschreibt diese Entwicklung mit voyeuristischem Realismus. Für den Zuschauer bleibt sie eine heldenhafte Figur, deren Motive nachvollziehbar sind und aus dessen Verständnis heraus eine Tragik entsteht.  Das bittere Schicksal Tamikos wird konterkariert von den malerischen Panoramaaufnahmen. Kyoto erscheint hier in seiner ganzen Schönheit und Größe. Ein Gefühl von Freiheit, Aufschwung und Fortschritt, kombiniert mit den traditionellen Bauwerken zwischen denen sich aber die junge Frau nicht entfalten kann.

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Drehbuchautor Goro Tanada, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Suzuki Seijun („Gate of Flesh“), gelingt es auch in dieser Geschichte die einzelnen Elemente ohne  überflüssige Gefühlsduseleien oder explizite Gewaltorgien passend zusammenzufügen. Die in sich stimmige Erzählung beinhaltet darüberinaus auch einen moralischen Aspekt, der dem damaligen Zeitgeist entspricht. Ein Film, der nicht nur vom Kommerz getrieben ist, sondern Fragen an die Gesellschaft aufwirft. Die Rolle der Frau, soziales Ansehen und der freie Wille sind einige der Themenbereiche, die in „Kuruwa Sodachi“ angesprochen werden.

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Junya Sato liefert einen Film ab, der sowohl handwerklich als auch inhaltlich überzeugt. Ein Film, der auch leider nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat, die er verdient hätte, da er von anderen Genregrößen dieser Zeit überdeckt wurde. „Kuruwa Sodachi“ muss sich dahinter aber nicht verstecken.

 

 

 

 

 

#71 „Ima, Ai ni Yukimasu“ (2004)

„Ima, Ai ni Yukimasu“

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„Be with you“

Als Takeumi’s Frau, Mio, bei einem Unfall stirbt hinterlässt sie ihn mit dem gemeinsamen Sohn Yuji. Aber schon ein Jahr später begegnen sie im Wald einer Frau, die ihr exaktes Ebenbild zu sein scheint. Allerdings kann sie sich an nichts erinnern. Im Verlauf des Films versuchen Takeumi und Yuji ihre Erinnerungen wieder aufzufrischen.

Fernsehregisseur Nobuhiro Doi zieht hier wirklich alle Register des Melodramas, um dem Zuschauer einen Tearjerker unterzujubeln. Rückblenden, Handlungswendungen, kitschige Musik und vieles mehr. Die Handlung ist sehr vorhersehbar und wenig fesselnd. Einzig und allein die Schauspieler sind positiv zu erwähnen. Yūko Takeuchi, bekannt aus dem Horrorklassiker „The Ring“, spielt die Rolle der ahnungslosen Mio relativ überzeugend und dringt noch am ehesten zum Zuschauer durch. Ihr Filmpartner, Mikihiro Ogawa („Yamato“„Death Note“), spielt einen verweichtlichen Witwer, der unter einer sozialen Phobie leidet. Der Jüngste im Ensemble, Akashi Takei, der den Sohn Yuji spielt, liefert leider auch nur eine durchschnittliche Leistung auf der Leinwand ab.

Bildergebnis für Ima, ai ni yukimasu

Doi’s Background, sowie die Karrieren der Schauspieler, deuten schon auf die Fernsehbranche hin und lassen erkennen, warum sich „Be with you“ wie ein Fernsehdrama anfühlt. Es ist daher nur logisch, dass  die Produktion, die vom japanischen Sender TBS produziert wurde, ein Jahr später auch in Form einer Fernsehserie aufgegriffen wurde. Der Stoff wurde dem gleichnahmigen Roman von Takuji Ichikawa entlehnt, von dem unter anderem „Heavenly Forest“ 2006 den Weg in die Kinos fand.

Bildergebnis für Ima, ai ni yukimasu

Trotz mittelmäßiger Handlung und bescheidener Schauspieler, war „Be with you“ ein großer Erfolg. Und zwar nicht nur in Japan, sondern auch in ganz Asien und den USA. Dies führte 2018 sogar zu einem koreanischen Remake.

Bildergebnis für Ima, ai ni yukimasu

Stilistisch scheiden sich bei dem Drama die Geister. Auf der einen Seite sind Kameraeinstellungen, Schnitte und Setting wirklich gelungen. Auf der anderen Seite fühlt man sich von gewissen Elementen regelrecht belästigt. So lässt einen die Musik beispielsweise nie alleine. Jede Szene wird unterlegt von weichgespülten Klängen und der Film verwandelt sich dadurch in eine zähe Masse, die nur sehr langsam voran kommt. Szenen wird die Möglichkeit genommen hervorzustechen, da alles vereinheitlich wird. Darunter leidet die Botschaft des Films, die zwar gut gemeint ist, aber in den Klischees der Inszenierung ihre Authentizität verliert. Etwas weniger aufgeladene Symbolik hätte da sicher gut getan.

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„Be with you“ ist demnach ein Film für hoffnungslose Romantiker. Eine Geschichte über Liebe, Familie, Krankheit und Verlust, die in ihren Grundzüge viel ungenutztes Potenzial liegen lässt. Vielleicht bietet hier die Romanvorlage eine bessere Alternative.

#70 „Anjō-ke no butōkai“ (1947)

„Anjō-ke no butōkai“

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„The Ball at the Anjo House“

Das Ende einer Ära, einer Dynastie, einer Familie. „The Ball at the Anjo House“ von Kōzaburō Yoshimura  ist einer der großen Klassiker des japanischen Kinos der 40er-Jahre. Ausgezeichnet mit dem Kritikerpreis des Kinema Junpo Magazins, makiert dieser Film den Beginn der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Kōzaburō und Drehbuchautor Kaneto Shindo. 1950 gründeten die beiden die Produktionsfirma „Kindai Eiga Kyokai“, die unter anderem verantwortlich war für „Naked Island“, „Kuroneko“ und „Onibaba“.

Bildergebnis für 安城家の舞踏会

„The Ball at the Anjo House“ zeigt den Verfall einer Adelsfamilie nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg. Durch die neuen Gesetze ist die Familie dazu gezwungen ein bürgerliches Leben zu führen und muss ihre Villa verkaufen. Doch bevor es soweit ist, laden sie die vornehme Gesellschaft noch einmal zu einem letzten, großen Ball ein.

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Setsuko Hara („Reise nach Tokyo“, „Später Frühling“) spielt die gutgestimmte Tochter, die den Vater vom Selbstmord abhält und der Zukunft positiv entgegen sieht. Ihr Bruder, gespielt von Masayuki Mori („Rashomon“), ist ein Playboy, der den Frauen alles verspricht und am Ende nichts einhält. Im Gegensatz zu seiner Schwester trauert er der alten Zeit nach. Das Ensemble wird komplettiert durch Osamu Takizawa („Fires on the Plain“) als Vater und Yumeko Aizome („Flag in the Mist“). Hara und Mori bestimmen den Film und machen ihn zu dem was er ist.

Bildergebnis für 安城家の舞踏会

Die aufgedunsene Handlung wirkt nämlich steif und wenig spannend. Das Setting, für diese Zeit typisch, spielt sich meist in Innenräumen ab und wird dominiert von langen Dialogen zwischen den Charakteren. „The Ball at the Anjo House“ ist dann interessant, wenn man ihn als Zeitdokument betrachtet. Der Film gibt Aufschluss über vergessene gesellschaftliche Strukturen und verbindet sie mit menschlichen Schicksalen. Dabei schwelgt Kōzaburō in Nostalgie, bereitet aber auch den Weg für ein neues Japan.

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Wie seine Kollegen Ozu („Später Herbst“) und Mikio Naruse („Floating Clouds“) befasst sich der Regisseur mit der Modernisierung Japans und welche Auswirkungen diese auf alte Traditionen hat. Die konstante Veränderung des Lebens und die Unaufhaltsamkeit der Zeit tragen zum melancholischen Grundton des Films bei. Die Figuren lernen im Verlauf des Films dies zu akkzeptieren und geben Hoffnung. Die theatrale Präsentation und die, aus heutiger Sicht, veralteten Erzähltechniken müssen dazu ersteinmal übersehen werden, um die universelle und zeitlose Botschaft des Films zu verstehen.

Bildergebnis für the ball at the anjo house

Wenn man sich auf diesen Film und seine Zeit einlässt, bekommt man ein unterhaltsames Melodrama, das seinen Platz in der japanischen Filmgeschichte durchaus verdient hat und das einige der besten Schauspieler dieser Epoche hervorgebracht hat.