#41 „Die Rote Schildkröte“ (2016)

La Tortue Rouge

aka

“The Red Turtle”

aka

“Die Rote Schildkröte”.

Ein schiffbrüchiger Mann strandet auf einer einsamen Insel. Seine Versuche mit einem Floss zu entkommen werden von einer roten Schildkröte verhindert. Bei einem Landgang der Schildkröte auf der Insel überwältigt der Mann sie, in der Hoffnung nun endlich fliehen zu können. Doch über Nacht findet eine wundersame Verwandlung statt, die dazu führt, dass er seine Pläne über Bord wirft.

Die Co-Produktion von Wild Bunch und Studio Ghibli stellt ein Novum dar. Ohne Dialoge, getragen von Zen – gleicher Ruhe und den Geräuschen der Natur, entwickelt der Film ein tieferes Verständnis für die Welt und deren Bewohner. Untermalt von einem orchestralen Soundtrack begleitet man den namenlosen Überlebenskünstler bei der Erkundung der Insel. Stellt sich die Natur dabei auch immer wieder als Feind des Menschen heraus, so geht der Mann im Laufe des Films eine innige Beziehung mit ihr ein.

Als eine Art Fabel erzählt der Film das Schicksal der Hauptfigur, über dessen Vorgeschichte nichts bekannt ist. Er ist herausgelöst aus dem Alltag und erscheint somit zuerst charakterlos. Erst die Interaktion mit seiner Umwelt strukturiert seine Figur, lässt ihn empathisch wirken. Dabei nehmen, wie bei Studio Ghibli Filmen üblich, Tiere und Natur eine eigenständige Rolle als Protagonisten ein und prägen den Film entscheidend mit.

DIE ROTE SCHILDKRÖTE ist der erste Film, den Studio Ghibli im Ausland produziert hat. In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Animator und Trickfilmregisseur Michael Dudok de Wit, der 2001 mit Father and Daughter den Oscar für Bester animierter Kurzfilm gewann, entstand ein Hybrid. Ein Werk, dass die Brücke zwischen Ost und West schlägt. Zum einen der europäisch geprägte Zeichenstil. Oft in Supertotalen und mit Anlehnungen an den französischen Künstler Jean Giraud (Möbius). Bilder, die das Individuum in der Landschaft klein und unbedeutend wirken lassen. Zum anderen eine Geschichte, die die beseelte Natur der Tiere wiedergibt. Geprägt vom japanischen Shintoismus legt der Film einen harmonischen Umgang mit der Natur nahe. Dieser Film erinnert uns daran, dass die Natur etwas Größeres ist als unser eigenes Leben, etwas was wir nachfolgenden Generationen hinterlassen.

Kinostart ist der 24. März 2017

Trailer

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#40 „Erleuchtung garantiert“ (1999)

Als Uwe von der Arbeit nach Hause kommt findet er eine leergeräumte Wohnung vor. Seine Frau hat ihn verlassen und ist mit beiden Kindern von einem Tag auf den anderen ausgezogen.

Verzweifelt wendet sich Uwe an seinen Bruder Gustav, der am nächsten Morgen seine langgeplanten Reise in ein japanisches Zen – Kloster antritt.

Mit der Bitte ihn nicht allein zu lassen, bucht Gustav ein zweites Ticket und am folgenden Tag geht es mit einem verkaterten Uwe, der seine Entscheidung schon auf der Fahrt zum Flughafen bereut, da er mit Japan und Meditation nichts anfangen kann, nach Tokyo.

ERLEUCHTUNG GARANTIERT war der erste Film, den die deutsche Regisseurin Doris Dörrie in Japan drehte. 2016 ist mit Grüße aus Fukushima schon der vierte Film erschienen, der zumindest teilweise in Japan produziert wurde. Im Gegensatz zu dem weitläufig bekannten Kirschblüten erlaubt sich Dörrie in ihrem ersten Japanfilm einen improvisierten Umgang mit dem Land. Mit kleinen Handkameras und ohne Drehbuch entlässt sie Uwe Ochsenknecht und Gustav – Peter Wöhler in die Fremdheit.

Die dabei entstandenen, unfreiwillig komischen Situationen sind real und zeigen das direkte Aufeinandertreffen mit den Einheimischen. Der Gewöhnungsprozess und das  Zurechtfinden, zunächst in der Großstadt, später dann im Zen – Kloster, sind nicht gestellt. Schauspieler und Crew verbrachten einige Wochen im Kloster und erfuhren die tägliche Routine mit Meditation, Putzdienst und Aufstehen um 03:30 Uhr am eigenen Leib.

Uwe Ochsenknecht, Erleuchtung garantiert

Die als Roadmovie inszenierte Komödie zeigt die Selbstfindung zweier unterschiedlicher Charaktere, die erst durch die Isolation, die sie in Japan erfahren, möglich wird. Nicht die Möglichkeit zu haben sich mit anderen zu verständigen wirft einen auf sich selbst zurück. Dörrie verzichtet dabei größtenteils auf die gängigen Japan Klischees und benutzt die Andersartigkeit des Landes nicht als Kulisse für Witze über dessen Einwohner. Wenn überhaupt sind die beiden Ausländer Grund für Lacher, da sie sich schon am ersten Tag in Tokyo hoffnungslos verlaufen und all ihr Geld verlieren.

Die Entwicklung von Uwe und Gustav verläuft zunächst diametral. Uwe passt sich besser an den ungewohnten Alltag im Kloster an als Gustav, der eigentlich von berufswegen her, er ist Feng Shui Berater, besser darauf vorbereitet sein sollte. Aber er ist zu sehr bemüht keinen Fehler zu begehen, hat zu viel Respekt vor den Ritualen und Angst vor den Mönchen etwas falsch zu machen. Wohingegen Uwe mit seinem Unwissen über die Bedeutung der Rituale eine Grundgelassenheit mitbringt, die ihn offen macht für den Lernprozess im Kloster.

Als Gustav schon kurz davor ist alles abzubrechen und nach Hause fahren will, erinnert ihn Uwe an die Grundprinzipien des Zen und überredet ihn zu bleiben. Gegenseitig unterstützen sich die beiden, geben sich Kraft. Die Brüder finden so im Laufe des Filmes nicht nur näher zu sich selbst, sondern näher zueinander und auch ein Stück weit näher zu der Mentalität des Landes.

Doris Dörrie gelingt mit ERLEUCHTUNG GARANTIERT ein erfrischend neuartiger Blick auf Japan. Ein Blick, der fast ganz ohne Klischees auskommt und nicht die Exotik des Landes in den Vordergrund stellt, sondern die Geschichte zweier Brüder.

Trailer

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#39 „Romansu“ (2015)

Romansu

aka

“Round Trip Heart”.

Eine Familie verreist nach Hakone. Kurz darauf zerfällt das Familienglück. Der Vater verlässt die Familie, Frau und Tochter bleiben alleine zurück. Von nun an versucht die Mutter die Lücke mit vielen verschiedenen Männern zu füllen, schafft dies aber nicht, da sie den Ex – Ehemann nicht vergessen kann.

Die Tochter leidet unter den Männereskapaden der Mutter und verlässt nach der Schule schnell das zu Hause. 10 Jahre vergehen bis die Tochter einen Brief ihrer Mutter erhält, der zu einer schicksalhaften Begegnung führt.

So weit die Vorgeschichte zu ROMANSU.

Der Film beginnt mit der Tochter, HACHIKO HOJO, die inzwischen Zugbegleiterin geworden ist. Sie arbeitet ausgerechnet in der Zuglinie, die zwischen Tokyo und Hakone pendelt. Der sogenannte Odakyu Limited Express oder auch Romancecar genannt ist eben genau dieser Zug mit dem sie damals als Kind zusammen mit ihren Eltern den letzten Ausflug nach Hakone unternommen hat.

Auf einer ihrer Fahrten erwischt die vorbildliche Zugbegleiterin einen verschuldeten Filmproduzenten namens SAKURABA beim Diebstahl im Zug und meldet ihn bei der Ankunft in Hakone dem Bahnhofsvorsteher.

Doch der Beschuldigte ergreift die Flucht und entführt Hachiko mehr oder weniger. Er erfährt von dem Brief, den Hachiko von ihrer Mutter bekommen hat und erkennt darin eine vermeidliche Selbsttötungsabsicht. Der Brief gebe Hinweise darauf, dass sie plane sich in Hakone umzubringen. Gemeinsam starten sie eine Suche in der Gegend, die gleichzeitig auch zu einer Reise in die Vergangenheit wird.

Filmemacherin Yuki Tanada gelingt eine gute Mischung aus Komödie und Drama. Die beiden Hauptcharaktere spiegeln dabei beide Seiten sehr gut wieder. Hachiko wandelt auf den Spuren ihrer Kindheit, leidet noch unter dem Trauma der Scheidung und ist sehr in sich gekehrt. Sakuraba hingegen verkörpert den liebenswerten Tollpatsch, der sich mit viel Selbstironie durchs Leben kämpft und selbst auch schon geschiedener Vater einer 9 – Jährigen Tochter ist. Er geht die Dinge prakmatisch an und wirkt im Gegensatz zu Hachiko daher etwas unüberlegter in seinen Entscheidungen. Dies führt zum lustigen Unterton im Film.

Mit dem Badeort Hakone verbinden beide die Erinnerung an bessere Tage. Auch Sakuraba kam früher mit seiner Tochter dorthin. Jetzt hat er sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen.

Unwillkürlich führt die gemeinsame Aufgabe zu erotischen Spannungen zwischen den beiden, die aber nicht erfüllt werden. Der Altersunterschied von 20 Jahren lässt Parallelen zu Lost in Translation  erkennen. Beide Charaktere fühlen eine gewisse Zuneigung füreinander, aber der Film erlaubt es ihnen nicht zusammen zu finden.

In einer langen Schlafzimmerszene, ohne Schnitt, kommt es zu einem Geständnis von Sakuraba. Den Job des Produzenten und die Jagd nach dem nächsten großen Budget für ein Filmprojekt sei lediglich der Wunsch seine Frau und seine Tochter mit einem großen Blockbuster – Hit wieder für sich zu gewinnen. Der sonst so vor Lebensfreude strotzende Charakter lässt hier für einen Moment eine tiefere Ebene erkennen, die von Sehnsucht geprägt ist.

Schauspielerisch zeigt Sakuraba hier auch seine größten Stärken. Gespielt von Kôji Ohkura entfaltet die Figur zunächst eine gewisse Anti-Pathie, die auch auf Grund seines ungewöhnlichen Äußeren entsteht. Doch der erste Eindruck täuscht und Sakuraba entwickelt eine enorme Präsenz auf der Leinwand und wechselt in der Beziehung zu Hachiko immer wieder zwischen Vaterfigur und Liebhaber. Zwischen Ratgeber und Trostspender.

Hachicko wird gespielt vom japanischen Pop-Star Yuko Oshima, die vorallem durch ihre Beteiligung an der Girl Group AKB48 bekannt wurde und parallel in etlichen Filmen und Serien zu einer Art Pop-Industrie Roboter ausgebildet wurde. Ihre Rolle wirkt daher oft mechanisch und kann nicht so überzeugen wie Sakuraba. Aber ihre Beteiligung ist auf Grund ihrer enormen Bekanntheit wohl das Zugpferd des Filmes an den Kinokassen. Trotzdem kann man ihr ein gewisses schauspielerisches Talent nicht absprechen.

Das Ende des Films, ohne zu viel zu verraten, überlässt Vieles der Fantasie, ist aber dennoch zufriedenstellend.

Trailer (OmeU)

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#38 „Kimi no Na wa.“ (2016)

Kimi no Na wa.

aka

“Your Name.”.

Ein Junge aus Tokyo und ein Mädchen aus einem kleinen Bergdorf tauschen in unregelmäßigen Abständen ihre Körper. Beide wissen nicht wieso dies geschieht, haben sich noch nie getroffen und können sich nur sehr wage an das Erlebte erinnern.

MITSUHA lebt mit ihrer Schwester und Großmutter in dem kleinen Dorf. Sie hält das Leben in der Kleinstadt nicht mehr aus und sehnt sich nach der Großstadt. TAKI lebt in Tokyo mit seinem Vater und geht wie Mitsuha in die Oberstufe.

In Mitsuha´s Dorf bereiten sich alle auf ein großes Fest vor, in dessen Vorfeld sie zusammen mit ihrer Schwester und Großmutter traditionelle Rituale einstudiert. Gleichzeitig blicken alle mit großer Erwartung auf den Vorbeiflug eines Meteoriten, der nur alle 1200 Jahre so nah an die Erde kommt.

Doch seit dem Abend des Festes und des Meteoritenfluges kommt es zu keinen Körperwechseln mehr. In den darauffolgenden Tagen geht Taki der Sache auf den Grund und versucht seine verschwommene Erinnerung an die fremde Identität aufzufrischen. Durch sein zeichnerisches Talent kann er Bilder aus seiner Erinnerung zu Papier bringen und kommt schließlich auf den Ort, an dem Mitsuha lebt.

Der Ort existiert aber seit 3 Jahren nicht mehr…

Der Film spielt mit verschiedenen Zeitebenen und setzt sehr stark auf die Mittel der Montage, um zuerst Spannung und im späteren Verlauf Mitgefühl zu erzeugen. Da KIMI NO NA WA noch ganz neu ist und in Japan erst Ende August erschienen ist, möchte ich nicht zu viel von der Geschichte vorwegnehmen.

Regisseur Makoto Shinkai gelingt es seine beiden Hauptcharaktere dynamisch darzustellen und verbindet intelligentes Storytelling mit viel Emotion und technischem Können. Die Musik trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei. Immer wieder gibt es kleinere Zwischensequenzen, die mit passenden Liedern als Zusammenfassung das Geschehene kommentieren.

Auch der Einfluss von alten Traditionen verbindet Shinkai sehr schön mit modernen, mystischen Themen. Der Gegensatz von Stadt und Land spielt auf allen Ebenen eine Rolle.

Der Anime ist nun seit vier Wochen an der Spitze der japanischen Kinocharts und auf dem Weg der Überraschungsfilm dieses Jahres zu werden. Einige Kritiker sprechen bereits vom schönsten Anime aller Zeiten. Dies kann am Ende aber nur die Zeit genauer sagen. Und zumindest mit dem Thema Zeit geht der Film schon meisterhaft um.

Trailer (Japanisch)

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#37 „Inugami – ke no ichizoku“ (1976)

Inugami – ke no ichizoku

aka

“The Inugamis”.

Eine Erbschaft. Fünf Morde. Ein verlorener Sohn.

Privatdetektiv KINDAICHI KOSUKE steht vor dem Rätsel der ungelösten Morde und einer undurchsichtigen Familiensituation.

Es ist das Jahr 1949. Das Familienoberhaupt der Inugamis, SAHEI INUGAMI, stirbt im hohen Alter. Als Gründer eines Pharmaziekonzerns hat er im Ersten und Zweiten Weltkrieg ein großes Vermögen angehäuft. Dementsprechend groß sind die Erwartungen der Erben bei der Verlesung des Testaments.

Doch zuvor müssen alle Erben im Familiensitz anwesend sein und SUKEKIYO, ein Enkel des Verstorbenen, ist bisher noch nicht aus dem Krieg zurückgekehrt und gilt als verschollen.

Seine Mutter findet ihn schließlich und kehrt mit dem entstellten Sohn zurück, der auf Grund einer Verletzung im Gesicht eine Maske tragen muss.

Sukekiyo

Das Testament birgt eine Überraschung. Das gesamte Erbe soll an TAMAYO gehen. Sie ist keine direkte Nachfahrin des Verstorbenen, sondern lediglich vom Kindesalter an in der Familie aufgewachsen. Sie muss einen der drei Enkel, SUKEKIYO, SUKETAKE oder SUKETOMO ehelichen, um das Erbe zu bekommen. Vom ersten Schock erholt, versuchen die Mütter Tamayo von ihren jeweiligen Söhnen zu überzeugen.

Tamayo

Überschattet wird das Gebuhle um die Erbschaft von einer Reihe an Morden, die zuerst außerhalb der Familie und schließlich innerhalb der Familie passieren. Die Erb – Anwärter segnen nacheinander das Zeitliche und es beginnt ein Wettlauf zwischen Polizei und Mörder.

Im Verlauf der Ermittlungen steht auch die wahre Identität vom entstellten Sukekiyo in Frage. Die Zweifel an einem Doppelgänger und einem falschen Spiel werden größer.

Tamayo und Sukekiyo

INUGAMI – KE NO ICHIZOKU wurde 1976 gedreht, basiert aber auf dem Roman von Seishi Yokomizo aus dem Jahr 1950. Seishi entwickelte damals die Figur des Privatdetektivs Kindaichi, die als Vorlage für mehrere Filme diente. Regisseur Kon Ichikawa verfilmte den Stoff gleich zweimal. Nach dem Debut 1976 folgte 2006 ein Remake.

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Original vs. Remake

Dabei ist der Stoff auf den ersten Blick keine typische Vorlage für einen Ichikawa – Film. Die japanische Version eines Agatha Christie Films mit abstrusen Familienkonstellationen und unheimlichen Elementen, sowie der Detektiv, der am Ende kongenial die einzelnen Puzzleteile zusammenfügt, wirken ein wenig wie ein billiger Schundroman.

Schaut man aber etwas genauer auf Ichikawas Werke so sieht man, dass er gerne zwischen den Genres wechselt und ein breites Spektrum an Filmen gedreht hat. Im Ausland ist er eher für seine Anti – Kriegsfilme (z.B. Nobi oder Die Harfe von Burma) und die Dokumentation über Olympia (Olympiad) bekannt. In Japan selbst hatte er aber mit INUGAMI – KE NO ICHIZOKU den größten Erfolg. Bei einer Schaffensphase, die fast 90 Filme umfasst, schon ein Statement. Überraschend, da der Film einige experimentelle Momente hat und unerwartet explizite Gewaltszenen beinhaltet.

Etwas sperrig sind leider die vielen Charaktere, die schwer zu unterscheiden sind. Hinzu kommt die verworrene Familiengeschichte, die eine hohe Aufmerksamkeit vom Zuschauer abverlangt. Jedoch wird am Ende alles verständlich aufgeklärt und die zeitweiligen Aussetzer schaden der Spannung nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen japanischen Dramen bleibt hier der Spannungsbogen über die volle Laufzeit von zwei Stunden aufrecht.

Trailer des Remakes (OmU)

 

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INUGAMI KE NO ICHIZOKU(BLU-RAY)

The Inugami Clan

The Harp of Burma (OmU)

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#36 „Ryuji“ (1983)

RYUJI ist ein Gangster der Santokai Gang im westlichen Tokyoter Stadtteil Shinjuku. Geld, Frauen, Drogen, Macht – All das gibt es im Überfluss. Doch ihn begleitet der Schatten des Todes. Die Angst im nächsten Moment getötet zu werden ist omnipräsent.

Ryuji ist verheiratet mit MARIKO. Zusammen haben sie eine Tochter namens AYA. Mariko´s Eltern sind streng gegen die Ehe. Ein Yakuza ist kein Umgang für ihre Tochter.

Als Ryuji im Gefängnis landet stellen sie ihre Tochter vor die Wahl. Entweder sie bleibt bei ihm oder sie verlässt ihn und die Eltern zahlen dafür Ryuji´s Kaution, so dass er wieder auf freien Fuß kommt. Aus Liebe zu Ryuji wählt sie die Scheidung und fährt zu ihren Eltern nach Kyushu.

Ohne die geliebte Familie und mit der ständigen Angst zu sterben steht nun auch Ryuji vor einer Entscheidung. Er muss aus dem Yakuza Leben aussteigen. Mit Hilfe eines alten Bekannten schafft er den Ausstieg und bekommt einen Job als Getränkezulieferer. Mit der dunklen Vergangenheit abgeschlossen findet Ryuji auch wieder Zugang zur Familie und wird herzlich von den Schwiegereltern in Kyushu aufgenommen.

Doch der neu gefundene, gerade Weg ist nicht immer der Leichteste. Als Familienvater scheint er zunächst glücklich. Nach der Arbeit kommt er abends an einen gedeckten Tisch, spielt mit seiner Tochter und schaut mit Mariko fern. Im Job leistet er gute Arbeit und steigt schnell auf.

Im Inneren hat er sich mit der Entscheidung ein normales Leben zu führen aber noch nicht abgefunden. In einer letzten, wortlosen Szene steht Ryuji seiner Frau und Tochter auf der Straße gegenüber. Er schaut sie an, kehrt sich von ihnen ab und geht die Straße hinunter. Als Moriko zu Aya sagt, dass sie wieder zu ihren Großeltern ziehen, weiß man als Zuschauer für welches Leben sich Ryuji entschieden hat.

Im Genre des Yakuza – Films steht RYUJI zwischen den Stühlen. Dazu ein kleiner Exkurs in die japanische Filmgeschichte. Im japanischen Gangsterfilm haben sich im Laufe der Zeit zwei Untergattungen herausgebildet:

1. NINKYO EIGA, in denen die Gangster als ehrenhafte Gesetzlose im Sinne eines Robin Hood dargestellt werden und immer einen inneren Kampf zwischen Pflicht (Giri) und Verlangen (Ninjo) austragen. Oft lehnt sich der kriminelle Held gegen einen anderen, böseren Kriminelle auf und wird am Ende Opfer seines Gerechtigkeitssinnes (Tod oder Gefängnis). Angesiedelt im Kino der 60er – Jahre. Bekannteste Vertreter des Subgenres sind die Werke von Regisseur SEIJIN SUZUKI (z.B. Tokyo Drifter, Branded to Kill).

2. JITSUROKU EIGA, porträtierten den Yakuza als einen rücksichtslosen Straßengangster. Gewalttätig und ohne Gewissensbisse verfolgt der Anti – Held seine eigenen Interessen und geht dafür über Leichen. Er unterdrückt den innere Konflikt zwischen Giri und Ninjo für eine Gier nach Macht, Frauen und Geld. Sicherlich auch eine Kritik an dem, aus dem Westen übernommenen Kapitalismus, der sich in den 70er – Jahren in Japan etabliert. Meilenstein des Genres ist Battles without Honor or Humanity, der sich, wie viele andere Jitsuroku Eiga, an wahren Kriminalfällen orientiert. Stilistisch sind die Filme deshalb oft im dokumentarischen Stil gehalten, an Original Drehorten und mit wackeligen Handkameras gedreht.

RYUJI ist keins von beiden. In der ersten Hälfte des Films begleitet man Ryuji auf seinem Streifzug durch die Unterwelt. Schutzgeld eintreiben, Glücksspiel, Rotlicht – Milieu. Man bekommt einen Eindruck des Umfelds, der Regeln und der Loyalität der Yakuza. Natürlich spielt Gewalt eine große Rolle, aber Ryuji und die anderen werden nie als  besonders gewalttätige Figuren dargestellt. Was in diesem Teil des Films zudem deutlich wird ist die gesellschaftliche Ächtung mit der man als Yakuza von Leuten außerhalb der Organisation konfrontiert ist. Es treten die familiären, finanziellen und moralischen Probleme, sowie die damit verbundene Einsamkeit in den Vordergrund.

Im zweiten Teil des Films bricht Ryuji mit dem harten Gangster. Er wird Familienvater und der Film zeigt intime Momente im Kreise seiner Familie. Ein untypischer Wandel und ungewöhnliche Szenen, die hinter die Kulisse der Figur blicken lassen.

Trotzdem bleibt die Figur des Ryuji und die Rolle, die der Zuschauer mit ihr verbindet ambivalent. Es entsteht keine Identifizierung, keine Empathie oder Sympathie für sie. Wie das Filmposter schon andeutet vermischen sich im Protagonisten die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Hell und Dunkel, Gut und Böse. Am Ende bleibt ein Anti – Held, der in das alte Leben des Gangster zurückkehrt. Wie sein Leben von dort an aussieht bleibt offen.

Zurück bleibt ein ehrlicher Film, der sich nicht auf ein Image festlegen will. Der Zuschauer erlebt beide Lebenswelten und der Film behält sich ein kritisches Urteil vor.

Stilistisch und narrativ steht Ryuji zwischen den beiden alten Untergattungen des Yakuza – Films aus den 60er-/70er- Jahren und einer neuen Welle von Filmemachern, die Ende der 1980er mit Filmen wie Violent Cop, eine neue Ära des japanischen Gangster – Films einläuten. Viele Kameraeinstellungen, wie etwa die „Street Level Shots“ lassen sich später so eins zu eins in Filmen von Takeshi Kitano wiederfinden. Beweis dafür wie groß der spätere Einfluss dieses Filmes war, der zunächst nur mäßigen Erfolg an den Kinokassen hatte.

Street Level Shot aus Kitano, Takeshi, „Violent Cop“, Japan 1989

Ein Teil des Mythos, welcher sich um den Film rankt steht im direkten Zusammenhang mit dem frühen Tod seines Hauptdarstellers, Shoji Kaneko. Dieser war gleichzeitig auch Drehbuchautor für den Film und verstarb nur wenige Tage nach der Veröffentlichung an Krebs. Als Schauspieler war er lange Zeit erfolglos und spielte in Ryuji seine erste und einzige Hauptrolle. Der frühe Tod und der Schatten der Krankheit begleiten den Film auf eine unheimliche Weise. Schließlich spielt er auf der Leinwand eine Figur, die den Tod ständig vor Augen hat und versucht aus dieser Situation zu entkommen. Die Parallelen zwischen Fiktion und Realität bekommen dadurch eine neue Dimension und machen den Film Jahre später zum Kult.

 

Trailer (Japanisch)

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#35 „Ōritsu Uchūgun: Oneamisu no Tsubasa“ (1987)

Ōritsu Uchūgun: Oneamisu no Tsubasa

aka

“Wings of Honneamise”

aka

“Königliche Weltraumarmee: Die Flügel von Honneamise”.

Im fiktionalen Königreich Honneamise meldet sich ein junger Mann für die halsbrecherische Aufgabe, der erste Mensch im Weltall zu werden. Als Mitglied der ROYAL SPACE FORCE ist er großer Häme ausgesetzt, da das Raumfahrtprogramm etliche Fehlversuche und tödliche Unfälle zu verzeichnen hat. Die Regierung hält aus Prestigegründen an diesem Projekt fest, obwohl es als Sammelbecken für gescheiterte Persönlichkeiten und skurrile Tüftler verschrien ist.

Auch SHIROTSUGH LHADATT, der sich freiwillig für den bemannten Weltraumflug meldet, sieht die Raumfahrt zunächst als Zwischenstation. Eigentlich wollte er zur richtigen Luftwaffe, doch dafür reichten seine Noten nicht aus und in der Raumfahrtakademie sind seine Leistungen eher unterdurchschnittlich.

Die Begegnung mit RIQUINNI NONDERAIKO, die in den Straßen religiöse Schriften verteilt, beendet seine Demotivationsphase. Bei einem ersten Treffen in ihrem Haus in der Wildnis, wo sie mit dem kleinen Mädchen MANNA lebt, ist Riquinni begeistert von Shirotsugh´s Beruf. Sie schwärmt von den Sternen und dem Weltraum als Neuanfang für die Menschheit. Damit ist sie der erste Mensch der dem Beruf des Raumfahrers positiv gegenübertritt und steckt Shirotsugh mit ihrer Begeisterung an.

Mit neuem Elan meldet er sich Hals über Kopf freiwillig für das nächste große Projekt der Royal Space Force. Da er der einzige Freiwillige ist, bleibt den Ausbildern keine große Auswahl und sie nehmen ihn mürrisch in das Programm auf.

WINGS OF HONNEAMISE ist der erste Film des Animationsstudios Gainax. Aus dessen Reihen entstand in den folgenden Jahren auch Neon Genesis Evangelion, der ursprünglich als zweiter Teil zu WINGS OF HONNEAMISE geplant war, dann aber aus finanziellen Gründen zu einer eigenständigen Serie/Film – Reihe ausgearbeitet wurde. Ähnlich wie Neon Genesis Evangelion einige Jahre später behandelt der Film religiöse Themen und bettet sie in den Kontext einer technologisierten Gesellschaft. Das Setting orientiert sich am Steampunk und vermischt viktorianische Elemente mit einer alternativen Umdeutung der Vergangenheit.

Die Parallelen zu dem politischen Geschehen der damaligen Zeit sind unübersehbar. In einer Art Kaltem Krieg stehen sich im Film zwei Nationen gegenüber, die im Geheimen an militärischen Projekten arbeiten, deren Nutzen meist nicht über das reine Prestige hinausgehen. Der Vergleich zu den USA und Russland ist deshalb nicht weit hergeholt und es erinnert an den Wettlauf zum Mond.

Begleitet vom Soundtrack von Ryūichi Sakamoto bleibt vor allem  die Qualität der Animation, die für ihre Zeit überraschend gut ist und den großen Erfolg des Animationsstudios bereits vorausdeutet, in Erinnerung. Die Story ist durchzogen von der politischen Stimmung des Jahres 1987 und schreckt nicht vor der Darstellung eines korrupten Systems zurück. Alles in Allem beinhaltet WINGS OF HONNEAMISE all das, was das Studio in den folgenden Jahren weltweit zu einem der führenden Produktionsstudios machen wird. Neben den Filmen von Studio Ghibli bildet Gainax damit eine zweite Institution für erwachsene Animationsfilme, die es bis dato so auf dem Markt noch nicht gegeben hat.

Trailer (Englisch)

Links:

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#34 „Namida to warai no happî kurasu: 4 nen 1 kumi Inochi no jugyô“ (2003)

„Namida to warai no happî kurasu: 4 nen 1 kumi Inochi no jugyô“

aka

„Children Full of Life“

Die 34 Schüler der 4. Klasse der Grundschule in Kanazawa haben einen unkonventionellen Lehrer.

Herr KANAMORI ist für die letzten zwei Jahre der Vorstand der Klassengemeinschaft. Seine oberste Priorität lautet „Happy“. Die Schüler sollen glücklich sein und gerne in die Schule gehen. Elementarer Teil ihrer Hausaufgaben ist das Führen eines Tagebuchs, in das jeder Schüler seine Gedanken schreibt und diese der Klasse am folgenden Tag mitteilt.

Die einstündige Dokumentation beginnt mit einem augenscheinlich nicht so fröhlichem Thema, nämlich mit der Bewältigung eines Todesfalles innerhalb der Familie eines Schülers. Die Großmutter ist gestorben und der betroffene Schüler liest seinen Tagebucheintrag über die Beerdigung vor der Klasse vor.

Von der Trauer angesteckt erzählen nun auch andere Mitschüler von ihren Erfahrungen mit dem Tod. Der Klassenraum wird zur Schutzzone für die Kinder, in der sie ihre unterdrückten Gefühle erzählen können. So berichtet eine Mitschülerin von dem Tod ihres Vaters, den sie seit drei Jahren verheimlicht und das sie jetzt durch den Tagebucheintrag ihres Freundes den Mut findet auch darüber zu reden.

Die Kraft der Gemeinschaft entwickelt eine therapeutische Wirkung für die Kinder. Sie weinen zwar, aber sie durchlaufen einen Reifeprozess, der ihnen die Wichtigkeit von Zusammenhalt und Ehrlichkeit, näherbringt.

Diese Szene zu Beginn des Films steht exemplarisch für die Unterrichtsmethode von Herrn Kanamori. Er zwingt den Kindern nichts auf, sondern lässt ihnen die Zeit, die sie brauchen, um aus sich selbst heraus zu kommen.

Die Schüler entwickeln sich in den zwei Jahren zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, die aber auch lernen muss, dass nichts im Leben sicher ist und das Schicksalsschläge zum Leben dazugehören. Für manch anderen Lehrer wäre es schier unmöglich 10 – Jährigen solche Erfahrungen weiterzugeben. Herr Kanamori gelingt dies mit einer stoischen Art und Weise, die seine Klasse stellenweise wie eine Sekte wirken lässt, an deren Spitze er als Guru steht. Die Kinder haben Vertrauen zu ihm, werden aber auch gleichzeitig mit enormen emotionalen Herausforderungen konfrontiert.

Der öffentlich – rechtliche Sender NHK schafft mit Hilfe von Regisseur NOBORU KAETSU einen ziemlich beeindruckenden Film. Die simple Geschichte, gut erzählt, richtet ihren Blick auf alle Aspekte des Lebens und stellt die Schule selbst als eine Schule des Lebens dar und demonstriert welchen positiven Einfluss ein guter Lehrer auf das Leben seiner Schüler haben kann. Der Zuschauer erlebt eine emotionale Achterbahn, fühlt sich den Kindern nahe und wünscht sich vielleicht selbst auch so einen Lehrer gehabt zu haben.

Ganzer Film (OmeU)

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#33 „Bakuman.“ (2015)

Der Beruf des Manga-ka ist der Traumberuf vieler Schüler in Japan. MASHIRO, dessen Onkel bereits ein berühmter Manga-ka war, hat eine Leidenschaft fürs Zeichnen und findet im Schulkameraden Takagi einen ebenso begeisterten Hobbyautor mit dem er versucht einen Erfolgstitel im landesweit bekanntesten Magazin für Mangas, dem Weekly Shōnen Jump, zu platzieren.

Der Titel des Filmes BAKUMAN. bezieht sich auf die von Mashiro´s Onkel erfundene,  fiktive Mangaserie Bakuman, die erfolgreich im Weekly Shounen Jump erschien, bis er schließlich unter dem Druck, jede Woche eine neue Episode abliefern zu müssen, zusammenbrach und starb.

Mashiro will nun in die Fußstapfen seines Onkels treten und entwirft zusammen mit Takagi einige Konzepte, die er beim Verlag vorlegt. Nach langem Zögern und etlichen Verbesserungen bekommen die beiden die Chance ihre eigene Mangaserie zu kreieren. Von nun an stehen sie in direkter Konkurrenz mit den anderen Manga-ka, die ihre Mangas im Magazin veröffentlichen. Allen voran EIJI NIIZUMA, einem Wunderkind, der seit dem sechsten Lebensjahr Mangas entwirft.

Seinem Genius scheinen Mashiro und Takagi nicht gewachsen. Bis sie sich für eine gewagte Wendung ihres Skriptes entscheiden. Sie lassen den Hauptcharakter sterben und ersetzen ihn bereits zu Beginn der Geschichte mit einer neuen, weiblichen Figur, die inspiriert ist von AZUKI, einer Klassenkameradin, in die Mashiro verliebt ist und die als Synchronsprecherin arbeitet.

Mit der geänderten Story gelingt es ihnen an NIIZUMA vorbei auf Platz 1 des Rankings zu kommen. Doch die Fortsetzung ihrer Serie scheitert an der Einhaltung der Deadline und sie müssen sich letztendlich dem Zeitdruck beugen. Nach drei Ausgaben ihres Mangas wird die Serie im Weekly Shounen Jump eingestellt.

Wie sollte es anders sein, der Film BAKUMAN. basiert auf dem gleichnamigen Manga von Tsugumi Ouba und Takeshi Obata. Ihr Manga wurde 2003 fortlaufend im Weekly Shounen Jump veröffentlicht und brachte drei Anime – Staffeln zu Tage und schließlich die hier vorgestellte Realverfilmung. Die Manga-ka Oubu und Obata sind hierzulande vor allem durch ihre erste Kooperation, Death Note, bekannt, welche ungefähr die selbe Vermarktungskette wie Bakuman. mit sich zog. Damit steht Bakuman. in der langen Tradition von Manga Verfilmungen an deren Spitze derzeit Filme wie Attack on Titan, Assassination Classroom oder Parasyte stehen und mit jungen, beliebten Schauspielern versuchen die Story des ursprünglichen Mangas bestmöglich zu verwerten.

Bei solchen kommerziellen Mainstreamproduktionen droht schnell das Abdriften in die Oberflächlichkeit und ins Klischee. Bakuman. schafft mit Hilfe der Selbstreflexivität gerade so die Balance. Zum einen ist er mit einem hervorragenden Cast besetzt, der einen Querschnitt durch die momentan angesagten Teenie – Idole Japans bietet. Zum anderen spielen diese teils sehr plump und uninspiriert.

Thematisch zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Einblick in die Welt der Manga-ka ist sehr zugänglich dargestellt und äußerst kritisch. Eine Ode an die Welt der Mangas sieht definitiv anders aus, ist aber in diesem Zusammenhang nicht zu erwarten, da es ja gerade um den Druck in der Branche geht. Es wird sehr schön gezeigt, welcher Arbeitsaufwand mit der Entstehung weniger Seiten verbunden ist. Teilweise arbeitet ein einziger Zeichner zwei Tage oder mehr an einem einzigen Teller, der durch das Bild fliegt. Diese fast unmenschliche Leistung und die Herausforderung, vor die sowohl Autoren als auch Zeichner jede Woche von neuem gestellt werden machen den interessanten Teil des Filmes aus. Als eine Art Making-Of begleitet man die Charaktere beim Entstehungsprozess.

Fürchterlich hingegen ist die Liebesgeschichte zwischen Mashiro und Azuki erzählt. Sie wirkt aufgezwungen und unnatürlich. Hier herrscht leider kollektives Versagen: Schauspielerisch, Technisch und Erzählerisch. Die Szenen zwischen den beiden wirken wie aus einem anderen Film und passen einfach nicht in das Gesamtwerk. Die Motivation Azuki als Inspiration für die neue Figur des Mangas zu nehmen ist verständlich, aber nicht überzeugend dargestellt.

Wenn man sich diesen Teil wegdenkt, dann bleibt ein aufklärender Film über die Welt des Mangas und seiner Fans, der zudem stellenweise mit ganz nett anzusehenden Tricks, reale und gezeichnete Welt miteinander verschmelzen lässt.

Trailer (Japanisch)

 

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#32 „Tôkyô Sonata“ (2008)

Ein Mann verliert seinen Job und damit seine Identität. TÔKYÔ SONATA beschreibt die Folgen einer simplen Einsparungsmaßnahme für eine Familie.

Die Globalisierung macht auch vor japanischen Betrieben keinen Halt. Dies erfährt der Familienvater und Abteilungsleiter RYÛHEI SASAKI am eigenen Leib als er eines Tages seinen Arbeitsplatz an eine chinesische Bewerberin verliert. Mit 46 Jahren steckt er nun in einer Existenzkrise, weiß nicht was er machen soll.

Sonata+03

Zu Hause warten die Ehefrau und seine beiden Söhne. Die Frau, traditionell verantwortlich für die finanziellen Angelegenheiten in der Familie, erfährt von der Kündigung ihres Mannes zunächst nichts. Das liegt daran, dass RYÛHEI seine Alltagsroutine weiter durchzieht und jeden Morgen das Haus verlässt und erst Abends wieder zurückkommt.

Zusammen mit anderen arbeitslosen Leidensgenossen verbringt er, im Anzug und mit Aktentasche, die Tage in Büchereien und in Parks. Im überfüllten Job – Center bietet man ihm geringfügige Supermarktstellen an, die er anfangs noch ablehnt. Als einer seiner ehemaligen Schulkollegen, der ebenfalls die Arbeitslosigkeit vor seiner Familie geheim hielt, sich und seine Frau umbringt, rüttelt das Ryûhei auf und er ist bereit diesem Schicksal nicht zu folgen, sondern wieder einen Job anzunehmen, egal wie überqualifiziert er dafür auch sei. Ryûhei beginnt als Reinigungskraft in einem Einkaufszentrum.

Währenddessen hat sein jüngster Sohn KENJI heimlich mit dem Klavierspielen begonnen und nimmt regelmäßig Unterricht bei einer Lehrerin, die er mit seinem Pausengeld bezahlt. Der ältere Sohn Takashi hadert derweil mit seiner Zukunftsplanung. Aushilfsjobs reichen ihm nicht, er will etwas leisten und schreibt sich bei der US – Army ein, die, in Anbetracht des laufenden Irak – Krieges, seit kurzem auch japanische Rekruten aufnimmt. All das geschieht hinter dem Rücken der Eltern, was natürlich zu einer Konfrontation führen muss. Schließlich erfährt Ryûhei von den Aktivitäten seiner Söhne mit der Konsequenz, dass er Kenji den Unterricht verbietet und Takashi aus dem Haus wirft. Seine Ehefrau, MEGUMI, sieht dem ganzen hilflos zu und greift nicht ein.

Megumi findet im Verlauf des Filmes heraus, dass ihr Mann sie die ganze Zeit belogen hat und stellt ihn zur Rede. Der Film nimmt zum Ende hin eine dramatisch, komische Wendung. Megumi wird Opfer eines Überfalles, wird zur Geisel und zur Geliebten des Entführers. Sie kehrt zurück zum Ehemann, der vor ihr weggelaufen ist und zu ihrem jüngsten Sohn, der letztendlich doch an die Musikhochschule geht, um die Aufnahmeprüfung zu machen. Von Takashi hört man in einem Brief aus dem Irak, dass er die Fronten gewechselt hat, den Krieg der Amerikaner sinnlos findet und sich der irakischen Untergrundarmee angeschlossen hat.

Der Film endet gespalten. Die Familie ist gespalten. Die Hoffnung liegt ganz allein auf dem Talent des jungen Kenji. Ob ein Neuanfang für das Familienglück allerdings noch möglich ist bleibt ungewiss.

Tôkyô Sonata beschreibt eine Wende für Regisseur Kiyoshi Kurosawa. Aus dem Horror – Genre kommend und verantwortlich für Filme wie KYUA oder Karisuma und damit Teil der J-Horror Welle, die Mitte/Ende der 90er – Jahre das japanische Kino wieder auf die Landkarte setzte, wendet er sich mit der Thematik dieses Filmes erstmals dem Familiendrama zu.

Ein durchaus mutiger Schritt, da bereits viele andere japanische Regisseure das Genre des Familiendramas für sich beanspruchen und die Konkurrenz an den Kinokassen mindestens genauso groß ist wie beim Horrorfilm. Dennoch wurde sein Film überhäuft mit Preisen und fängt ganz gut den Schrecken ein, den eine Gesellschaft, auch ganz ohne Monster oder Psychopathen,  für den „kleinen Mann“ bereit hält. Dabei lässt sich der Bezug zu aktuellen Themen wie dem Irak – Krieg und der Wirtschaftskrise leicht als Beispiel heranziehen.

Unterschwellig greift Kurosawa aber auch wieder auf ein Thema zurück, welches er in seinen Gruselfilmen verwendet. Das Thema der Identität. Kann man der Person trauen? Ist sie gut oder böse? Was steckt hinter der Fassade? Der Film benennt dabei ein Monster, wenn auch kein reales. „Der Krieg frisst seine Kinder“. Im Irak werden junge Männer im Kriegseinsatz traumatisiert, Existenzen werden auf Kosten von Finanzplänen ausradiert. In einer solchen Gesellschaft braucht es keine ausgedachten Geister oder Dämonen mehr, der Mensch selbst ist das größte Monster und zugleich Opfer.

Im Vordergrund steht aber die moderne japanische Familie und die Frage, ob sie den Herausforderungen der Zeit gewachsen ist?

Trailer:

 

Links:

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Cure – Kyua

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